St. Aegidius funkt SOS: Romanische Kirche in Kolbing bei Kraiburg vor ungewisser Zukunft

„Kunst-und heimathistorisch wertvolles Gotteshaus“: Das romanische Kircherl St. Aegidius bei Kolbing wartet nach ersten Notmaßnahmen, die Schäden am Tragwerk des Gebäudes verhindern sollen, auf weitere Sanierungsschritte. Eine Komplettsanierung ist seit 2007 im Ordinariat beantragt, Doch bisher kamen andere, noch dringendere Projekte zum Zug, so das Ordinariat. HUber
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„Kunst-und heimathistorisch wertvolles Gotteshaus“: Das romanische Kircherl St. Aegidius bei Kolbing.
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St. Aegidius funkt SOS. Die kleine romanische Kirche in Kolbing südlich von Kraiburg weist schwere Schäden auf. Sofortmaßnahmen zur Notsicherung des Gebäudes sind bereits umgesetzt.

Kraiburg – Eine Komplettsanierung, die die Pfarrkirchenstiftung schon 2007 beim Erzbischöflichen Ordinariat beantragt hatte, lässt jedoch auf sich warten. Dabei sind sich alle Beteiligten einig: Aegidius ist ein kunsthistorisch bedeutendes Kleinod.

– Einst Jagdkapelle der Kraiburger Grafen

Auf der Hochfläche oberhalb des Inntals liegt der Weiler Kolbing mit seiner freistehenden Filialkirche St. Aegidius. Die kleine Kirche, die im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammt, sei wohl gleichzeitig mit der Kraiburger Burg entstanden und habe den Kraiburger Grafen als Jagdkapelle gedient, schreibt Peter Huber, ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger für den Bereich der Kulturdenkmäler des Landkreises Mühldorf. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche ausgebaut und mit den bis heute überlieferten Wandmalereien ausgestattet.

Eine der ältesten Kirchen im Umland

Diese Malereien aus dem Zeitraum um 14.30 Uhr sowie vor allem die romanische Apsis mit Sichtsteinmauerweg und teilweise originalem Fugenstrich machten die Kirche, eine der ältesten im Kraiburger Umland, zu einem „kunst- und heimathistorisch wertvollen Gotteshaus“, so Hendrik Steffens von der Pressestelle des Ordinariats in München.

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Die Jahrhunderte gingen nicht spurlos an diesem Bauwerk vorüber. Im Laufe der Zeit traten immer größere Schäden auf. Bereits im Jahr 2007 seien Schäden im Bereich der Gründung festgestellt worden, berichtet Peter Huber. Diese haben unter anderem zu Setzungen und Rissbildungen im Innenraum führten.

Andauernd durchfeuchtet

Die Dachrinnen waren schadhaft und verrostet, die Dachhaut nicht mehr dicht. Die Drainage konnte das Wasser nicht vom Bauwerk abführen. Im Inneren kam es wegen der andauernden Durchfeuchtung zu Schäden an Fresken und Gewölben.

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Um das Bauwerk zu erhalten, habe ein Ingenieurbüro einen zweistufigen Notmaßnahmenkatalog angefertigt. Im ersten Teil sollen unverzüglich Sofortmaßnahmen zur Abwehr akuter Gefährdungen an der Gebäudesubstanz ausgeführt werden. In einem zweiten Teil solle – so der Kreisheimatpfleger – in den Jahren 2020/21 durch Sanierungsarbeiten an der Gründung, der Dachentwässerung, dem Dachtragwerk und der Dachdeckung die Kirche soweit wiederhergestellt werden, damit nicht weiter Wasser eindringt und Schäden am Gebäudetragwerk auftreten.

Erste Notmaßnahmen bereits umgesetzt

Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Mühldorf hat der Pfarrkirchenstiftung St. Bartholomäus in Kraiburg die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für die Durchführung dieser Maßnahmen erteilt. Die ersten Notmaßnahmen sind laut Klaus Pscherer, Verwaltungsleiter im Pfarrverband Kraiburg, bereits umgesetzt.

Die Kosten, für die die örtliche Kirchenstiftung aufgekommen ist, liegen unter der 10 000 Euro-Grenze. Schon beim nächsten Schritt, mit dem die Kirche bis zu einer umfassenden Sanierung stabilisiert werden soll, wird es nach vorläufigen Schätzungen um ein Vielfaches davon gehen. Bis 30. Juni sollen Planung und Kalkulation des Architekten laut Pscherer vorliegen.

Kolbing ist nicht die einzige „Baustelle“

Finanziell wird die Kirchenstiftung damit schon an Grenzen stoßen. Ohne ehrenamtliches Engagement und Spendenbereitschaft in der Bevölkerung wird das nicht gehen. Denn: „Wir haben nicht nur Kolbing“, sagt Pfarrer Michael Seifert.

Er verweist auf die Aukirche im Markt, die provisorisch abgestützt werden musste, und vor allem auf die dringend notwendige Erneuerung der Jahrzehnte alten Ölheizung in der Marktpfarrkirche, die für die Seelsorge natürlich wesentlich wichtiger ist als St. Aegidius. Dort wird nur noch im Sommer einmal in der Woche Gottesdienst gefeiert.

Kirchenstiftung kann Projekt nicht stemmen

Die Komplettsanierung übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Pfarrkirchenstiftung Kraiburg ohnehin bei weitem. Nach Informationen unserer Zeitung steht im Finanzierungsantrag an das Ordinariat aus dem Jahr 2007 ein Betrag von 1,5 Millionen Euro für die Gesamtkosten. Das zeigt schon die Größenordnung an, um die es da geht.

Antrag im Ordinariat in der Warteschleife

Der Antrag der Kirchenstiftung auf eine großzügige Finanzierung durch den Bauetat der Erzdiözese sei „in Abgleich mit vielen anderen, noch dringender erforderlichen, Vorhaben zurückgestellt“ worden, teilt die Pressestelle des Ordinariats mit.

„Derzeit wird eine Möglichkeit der höheren Priorisierung von St. Aegidius geprüft“, so Steffens, der von Voruntersuchungen durch das Erzbistum berichtet in den vergangenen Jahren berichtet. Fachleute haben unter anderem Statik und Bodenstruktur analysiert, ein Wandrestaurator den Malereien einen „relativ guten Zustand bescheinigt“. Doch ob und wann die Sanierung kommt, dazu kann er keine Angaben machen.

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