Bundesvereinigung vor Auflösung?

Adlergebirgler machen sich Sorgen um Betreuung ihres bedeutenden Archivs in Waldkraiburg

Karl Mück, Bundesobmann der Adlergebirgler, macht sich Sorgen, wie es mit der Pflege und Betreuung des bedeutenden Archivs in Waldkraiburg weitergeht.
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Karl Mück, Bundesobmann der Adlergebirgler, macht sich Sorgen, wie es mit der Pflege und Betreuung des bedeutenden Archivs in Waldkraiburg weitergeht.

So wie alle Landsmannschaften und Heimatvereine verlieren auch die Adlergebirgler stetig Mitglieder. Die Waldkraiburger Ortsgruppe ist längst aufgelöst. Dieses Schicksal droht auch der Bundesvereinigung, deren Heimatmuseum mit Archiv sich in Waldkraiburg befindet.

Waldkraiburg – Der Bestand dieser Einrichtung ist durch einen Vertrag mit der Stadt gesichert. Doch Bundesobmann Karl Mück treibt die Frage um: Wie geht es weiter mit der Betreuung der Kultur- und Archivmaterialien, die wachsendes Interesse auf tschechischer Seite finden?

Stadt muss Museum und Archiv erhalten

Seit 1965 gibt es das Heimatmuseum, das der Lehrer Fritz Pischel mit Landsleuten aus dem ganzen Bundesgebiet nach der Vertreibung aufgebaut hat. In einem Raum im ersten Stock des Hauses der Kultur befindet sich heute die so genannte Adlergebirgsstube, im Keller ist zudem ein Archiv mit Dokumenten aus der Region Adlergebirge im Nordosten Böhmens untergebracht. Die Sammlungen geben einen Überblick über das Leben der deutschen Bewohner bis 1946, über Kultur, Besiedlungs-, Wirtschafts- und politische Geschichte.

Seit 2000: Stadt ist Eigentümer des Museums

1980 hat die Stadt Waldkraiburg die Patenschaft über Archiv und Museum übernommen. 20 Jahre später wurde die Kommune durch Schenkung Eigentümer des Heimatmuseums und hat sich vertraglich verpflichtet, bei einer Auflösung des Vereins das Kulturgut der Adlergebirgler im Museum weiter zu pflegen sowie Heimatstube und Archiv fortzuführen.

„Durch diesen Patenschaftsvertrag haben wir eine relativ gute Perspektive“, sagt Karl Mück, dessen Verein sich verpflichtet hatte, das Archiv im Auftrag der Stadt ehrenamtlich zu verwalten, zu betreuen und zu nutzen. In den vergangenen Jahren haben engagierte Mitglieder den gesamten Bestand inventarisiert.

Für viele Menschen aus der Heimatlandschaft Adlergebirge waren und sind die Stube und vor allem das Archiv eine wichtige Anlaufstelle. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs kommen auch Tschechen, die etwas über die Vorgeschichte ihrer Dörfer und Wohnhäuser wissen wollen.

Wachsendes Interesse bei Tschechen

Dort gibt es für die Zeit bis 1945 zum Teil gar keine Dokumente mehr. Die liegen in Waldkraiburg. Karl Mück: „Wir sind vielfach die einzige Quelle.“ Privatpersonen besuchen das Archiv, um Informationen zur Hausgeschichte zu bekommen. „Familienforschung spielt eine große Rolle.“ Auch für wissenschaftliche Arbeiten bieten sich die Bestände an. Regelmäßig kommen tschechische Bürgermeister und Archivare, um Dokumente, Fotos, Landkarten, Pläne, Urkunden zu sichten. Im Stadtmuseum Králiky, früher Grulich, war ein Teil der Sammlung bereits in einer Sonderausstellung zu sehen.

Verein in wenigen Jahren am Ende

„Diese Verbindungen liegen uns sehr am Herzen“, sagt Mück. Doch wer kann sich um Kontakte und Anfragen kümmern, wenn der Verein nicht mehr existiert? Wer bewahrt die Erinnerung ans Adlergebirge?

Der Verein wird das nicht mehr lange übernehmen können. Der Mitgliederstand, der zu den besten Zeiten laut Mück bei über 5000 lag, ist auf 660 zusammen geschmolzen. „Altersbedingt verlieren wir jedes Jahr etwa 80 Mitglieder.“ In drei bis fünf Jahren werde das Vereinsleben wohl eingestellt werden müssen, fürchtet der Obmann.

Mück: Das ist ein Stück Stadtgeschichte

Stadtarchivar Konrad Kern, den Mück wegen seines großen Engagements sehr schätzt, könne diesen Part nicht dauerhaft „als Einzelkämpfer“ übernehmen. „Das muss ehrenamtlich passieren.“

Mück, der in Tröglitz in Sachsen-Anhalt wohnt, aber egelmäßig nach Waldkraiburg kommt, ist deshalb auf der Suche nach geschichtlich interessierten Personen, die sich zu einem Arbeitskreis unter dem Dach des Fördervereins Stadtmuseum zusammenschließen. Das bietet sich aus seiner Sicht an, weil es bei dieser Arbeit nicht allein um das Adlergebirge, sondern um die Vorgeschichte Waldkraiburgs und seiner Gründer geht? „Das ist ein Stück Waldkraiburger Geschichte.“ Zu deser Gruppe könnten dann aktive Mitglieder der Adlergebirgler stoßen, die sich jedes Jahr mehrmals in Waldkraiburg treffen.

Mitgliederschwund hat finanzielle Folgen

Der Rückgang der Mitglieder hat erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Bundesvereinigung der Adlergebirgler, die sich zum Gutteil aus Mitgliedsbeiträgen finanziert. Das Jahresbudget beträgt laut Mück 45 000 Euro. Mit diesem werden zwei Zeitschriften herausgegeben, Jahreshauptversammlung sowie Archivverwaltung finanziert und Geschäftsführerin Elisabeth Pischel aus Waldkraiburg bezahlt. Ein Defizit, das vor zwei Jahren entstand, sei wieder ausgeglichen, so Mück. Auch die Stadt Waldkraiburg steht der Vereinigung zur Seite und hat für 2020, 2021 und 2022 jeweils einen Zuschuss in Höhe von 3000 Euro gewährt.

Förderverein sieht noch erheblichen Gesprächsbedarf

Ein erstes Gespräch, das Mück mit Vertretern von Landsmannschaften und Vorstandsmitgliedern des Fördervereins führte, hat nicht den von Mück erhofften Durchbruch gebracht. „Eine interessante Idee“ nennt Joachim Hellwig, Vorsitzender des Fördervereins, die Arbeitsgruppe. „Wenn sich eine solche Gruppe bildet, sehe ich das positiv.“ Ob und wie das in den Förderverein eingebunden werden könnte, lässt Hellwig noch offen. Dazu seien viele Gespräche notwendig. Der Vorsitzende schließt nicht aus, dass am Ende ein Arbeitskreis unter dem Dach des Vereins entsteht. Doch eines müsse klar sein: Der Förderverein Stadtmuseum sei kein Dach- oder Oberverein für alle Landsmannschaften und Heimatvereine.

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