89000 Euro ergaunert: Asylsuchender wegen Geldwäsche am Amtsgericht Mühldorf verurteilt

Am Amtsgericht Mühldorf musste sich ein Asylsuchender wegen Geldwäsche verantworten. Ein Bekannter hatte sich über illegale Methoden 89000 Euro ergaunert, die auf das Konto des Angeklagten einbezahlt wurden.
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Am Amtsgericht Mühldorf musste sich ein Asylsuchender wegen Geldwäsche verantworten. Ein Bekannter hatte sich über illegale Methoden 89000 Euro ergaunert, die auf das Konto des Angeklagten einbezahlt wurden.

Insgesamt 89000 Euro hat ein 29-jähriger Asylbewerber aus Nigeria an einen alten Bekannten aus Nigeria weitergegeben. Geld, das zuvor illegal erbeutet worden ist. Wegen Geldwäsche musste sich der Mann nun vor dem Mühldorfer Amtsgericht verantworten.

Waldkraiburg – Der 29-Jährige, der vor Gericht von einer Dolmetscherin unterstützt worden ist, wollte einem alten Bekannte aus der nigerianischen Heimat einen Gefallen erweisen. Dieser hatte ihn nach einem zufälligen Treffen in München nämlich laut Anklageschrift darum gebeten, Geld für ihn auf seinem Bankkonto in Empfang zu nehmen. Er selbst habe nämlich keins. Das Geld, das für einen Autokauf bestimmt sein sollte, wolle er dann bei ihm in Waldkraiburg abholen, wo der Angeklagte in der Ankerdependance untergebracht war.

Doch es blieb nicht bei einer Überweisung und die Gelder gehörten auch nicht von dem nigerianischen Bekannten. Denn mit immer neuen Methoden erschleichen sich Betrüger das Vertrauen von anderen Menschen und versuchen somit, Geld vom Opfer zu erbeuten. Eine neue Masche ist das sogenannte Love Scamming, bei dem mit falschen Liebesversprechungen und angeblichen Notfällen via Telefon oder Internet unterschiedliche hohe Summen Geld entlockt werden.

400 Euro Provision für den Angeklagten

Mittels dieser Methode soll sich der Bekannte die Gelder illegal verschafft haben, die er sich dann bei dem Angeklagten abgeholt hat. Staatsanwalt Chris-Dominik Kempel warf dem Asylsuchenden Geldwäsche in 43 Fällen vor. Insgesamt hatte der Nigerianer mehr als 89 000 Euro von seinem Konto abgehoben und an seinen Bekannten weitergegeben. Was mit dem Geld passiert ist, ist unklar.

Weniger profitabel war es für den Angeklagten: Nach längerem Überlegen kam er auf insgesamt 400 Euro Provision, wie er auf die Frage von Richter Dr. Christoph Warga einräumte. Gelegentlich sei er auf einen Kaffee oder ein Getränk eingeladen worden. Er gestand schließlich, dass er 43-Mal Geld in unterschiedlicher Höhe abgehoben und sie jeweils seinem Freund ausgehändigt hat. Die Beträge lagen zwischen 500 und 28 000 Euro. Europaweit hatte sein Bekannter Geld von Opfern abgegriffen.

Banken decken Betrug auf

Bei den ersten Überweisungen hätte er sich noch nichts dabei gedacht, aber mit der Zeit hätte er doch ein schlechtes Gefühl bekommen. Er wollte sich davon lösen, hätte sich aber gegenüber seinem Bekannten nicht durchsetzen.

Auf die Schliche gekommen war man dem Betrug bei der Bank. Der Angeklagte hatte zwei Bankkonten, eines in München, eines in Mühldorf. Wie ein Polizeibeamter der Kripo Traunstein, der bei einer Sonderkommission zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität arbeitet, vor Gericht aussagte, hätten die beiden Banken eine sogenannte „Geldwäscheverdachtsanzeige“ gemacht. Aus diesem Grund hätte man die Geldbewegungen genauer untersucht.

43-mal Geld abgehoben

Polizeilich ist der Mann bislang nicht wirklich in Erscheinung getreten. Das Bundeszentralregister wies nur einen Eintrag wegen versuchter unerlaubter Einreise auf, weshalb er zu 30 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt worden ist. Richter Warga vermutete, dass er wahrscheinlich ohne Pass kontrolliert worden sei. Außerdem war die Vorstrafe erst nach den 43 Fällen wegen Geldwäsche aktenkundig geworden.

43-mal ging Geld auf sein Konto ein, 43-mal gab er das Geld an seinen Freund weiter – der Angeklagte war vor Gericht geständig. Dies wertete Staatsanwalt Kempel in seinem Plädoyer auch positiv, ebenso, dass die schweren Betrugstaten, bei denen das Geld ergaunert wurde, ihm nicht zugeordnet werden könnten. Dennoch hätte ihm klar die kriminelle Herkunft der beträchlichten Summen klar sein müssen. Kempel forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, ausgesetzt drei Jahre auf Bewährung.

Pflichtverteidiger Norbert Wilhoff bewertete das Geständnis als positiv, „Lovescammings“ kenne er nicht. Der Angeklagte habe nur 400 Euro für seine Dienste bekommen, er besitze keine kriminelle Ader, ist in die „Sache hineingeschlittert“. Wilhoff hielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung für ausreichend.

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Auto verkauft, aber nicht herausgerückt

Richter Dr. Warga verhängte schließlich eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Der Angeklagte muss den angerichteten Schaden in Höhe von 89000 Euro ersetzen. „Ich denke, dass der Bewährungsdruck für den Angeklagten sehr hoch ist. Beim geringsten Vorkommnis, so er mit dem Gesetz in Konflikt gerät, muss er die Bundesrepublik verlassen. Die Chance hierzubleiben, die bekommt er. Ob er sie nutzt, muss sich zeigen“, sagte Warga.

„Lovescamming“ als Betrugsmasche

Eine besonders perfide Art ist das sogenannte „Lovescamming“. Mit vorgegaukelter Liebe versucht ein „scammer“, ein Betrüger, in Online-Partnerbörsen oder auch in sozialen Netzwerken an das Geld des Opfers zu gelangen. Zunächst wird Vertrauen aufgebaut, die Opfer werden mit Zuwendungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Die Betrüger spiegeln eine sehr seriöse Identität vor, geben sich als Geschäftsleute oder amerikanische Offiziere im Auslandseinsatz aus. Nachdem eine emotionale Bindung aufgebaut worden ist, tritt plötzlich der „Notfall“ ein: Ihnen sei auf einer Geschäftsreise der Pass gestohlen worden oder sie benötigten dringend Geld für die lebensnotwendige Operation eines Kindes. Da die Opfer oft von ihren Internetpartnern emotional abhängig geworden sind, zahlen sie meist die geforderten Geldbeträge, die dann verschwinden. Diese Betrugsmasche wurde unter dem Namen „Nigeria Connection“ (Nigeria-Verbindung) bekannt.

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