PROZESS AM AMTSGERICHT

39.000 Euro fehlen in Vereinskasse: Ex-Kassierin aus Waldkraiburg bestreitet Vorwürfe vor Gericht

Fast 39.000 Euro sind vor Jahren aus der Kasse des „Feuerwehrmuseum Bayern e.V.“ verschwunden, der Träger des Feuerwehrmuseums in Waldkraiburg ist.
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Fast 39.000 Euro sind vor Jahren aus der Kasse des „Feuerwehrmuseum Bayern e.V.“ verschwunden, der Träger des Feuerwehrmuseums in Waldkraiburg ist.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Fast 39.000 Euro sind zwischen 2016 und 2017 aus einer Vereinskasse verschwunden. Wer ist dafür verantwortlich? Diese Frage muss das Amtsgericht Mühldorf klären, vor dem die ehemalige Kassierin aus Waldkraiburg steht.

Waldkraiburg/Mühldorf – Eine 41-jährige Frau aus Waldkraiburg, damals Kassierin des Vereins, ist wegen Untreue angeklagt. Sie stritt am ersten Verhandlungstag vor Amtsrichter Florian Greifenstein und seinen beiden Schöffen alle Vorwürfe ab. Pikant: Der Verein sitzt nicht in Waldkraiburg, die Institution, die er trägt schon. Es ist das Feuerwehrmuseum Bayern.

Veruntreuung in 77 Fällen?

Wie Staatsanwältin Fiona Linden in der Anklage ausführte, soll die Kassiererin in den Jahren 2016 und 2017 in 77 Fällen die stattliche Summe von 38.865 Euro veruntreut haben. Das Geld habe sie sich durch Entnahmen aus der Bargeldkasse, in der vor allem Eintrittsgelder für das vereinseigene Museum enthalten waren, und durch Abhebungen vom Bargeldkonto des Vereins angeeignet. Für dieses Konto besaß die Frau eine Geldkarte, es gab davon aber auch ein zweites Exemplar.

Kassierin war auch für Catering zuständig

Bei einer ersten Aussage ließ die Kassiererin, die seit 2015 im Amt war und bereits seit 2013 auf Wunsch von Museumsbesuchern das Catering übernommen hatte, durch ihren Rechtsanwalt Jörg Zürner erklären, dass sie den Tatvorwurf inhaltlich bestreite. Zusammen mit ihrem Rechtsbeistand wolle sie – soweit es ihr infolge der zeitlich schon länger zurückliegenden Anklagepunkte möglich sei – jeden einzelnen Punkt klären.

Das sei schwierig, weil sie nach ihrer Kündigung keinen Einblick mehr in die Kassenbücher des Vereins hatte. An der Wende von 2017 auf 2018 wurde sie nach Angaben der Vereinsführung sowohl von ihrem Ehrenamt als Kassierin entbunden als auch als Caterer gekündigt.

Plötzliche Unregelmäßigkeiten

Wie die Angeklagte aussagte, wurden die Eintritte in der Kasse, einem Touch-PC mit Mini-Bildschirm, gespeichert und Bons ausgedruckt. Richtige Eintrittskarten habe es nicht gegeben. Die Kasse habe sich bei einer Buchung nicht geöffnet, wie eine reguläre Registrierkasse. Die Eintrittsgelder wurden nach ihren Worten in eine separate Kasse gelegt, in der sich auch Bargeldabhebungen vom Vereinskonto befanden.

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Hieraus habe dann des Öfteren ein Vereinsmitglied bei Auslagen für Vereinszwecke, zum Beispiel für Tanken oder Reparaturen, Geld bekommen. Für einzelne Positionen seien Rechnungen vorgelegt worden, manchmal habe es auch nur Quittungen gegeben. Plötzlich, so die Angeklagte, hätten Belege gefehlt, es sei von Unregelmäßigkeiten die Rede gewesen.

Polizei sichtete vier Aktenordner

Polizei und Justiz wurden eingeschaltet. Ein Zeuge, ein 57-jähriger Hauptkommissar der Polizei Waldkraiburg, hatte die umfangreichen Ermittlungen in dem Fall geführt. Mit Hilfe der Kassenprüferin des Vereins seien vier volle Aktenordner gesichtet worden, so der Beamte.

Beamter spricht von unübersichtlichem Durcheinander in Kasse

Der Polizist sagte aus, dass Bargeldentnahmen zumeist nicht dokumentiert worden seien und dementsprechende Belege fehlten. In der Vereinskasse habe ein unübersichtliches Durcheinander geherrscht, die Barbestände hätten sich aus vom Konto abgehobenen Geldern und Eintrittsgeldern, aber auch aus Erlösen durch Verkäufe von Getränken oder Brotzeiten ergeben.

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Bei einer turnusgemäßen Kassenprüfung 2016 sei die gesamte Vorstandschaft – und damit auch die Kassiererin – aber noch entlastet worden.

Richter: „Eine Schlamperei“

Richter Greifenstein sprach in diesem Zusammenhang von „Schlamperei“.

Viele Personen hätten Zugriff auf die Bargeldkasse gehabt, so die Angeklagte. Sie sei nicht persönlich im Museum anwesend gewesen, wenn Besuchergruppen kamen, den Eintritt bezahlten oder sich etwas zu essen oder zu trinken kauften.

Verteidiger berichtet über verdächtigen CHat in vereininterner What’s App-Gruppe

Mit einer Überraschung wartete Rechtsanwalt Zürner im weiteren Verlauf der Verhandlung auf: Wie er berichtete, sei die Beschuldigte nach ihrem Ausscheiden weiter in einer vereinsinternen What’s App-Gruppe geblieben. Dort habe sie einen Chat zwischen zwei Vereinsmitgliedern mitbekommen, wonach ein anderes Vereinsmitglied 700 Euro für jemanden aus der Kasse mitgenommen habe. Jetzt fehlten Buchungen, habe es da weiter geheißen, die „der Schönheit halber“ nachgeschrieben werden müssten.

Das Gericht vertagte die Verhandlung auf einen neuen Termin. Dazu sollen vier Zeugen geladen werden: der Vorsitzende, die Kassenprüferin und zwei weitere Mitglieder des Vereins.

Und das sagt der Vorstand

Was war los im Feuerwehrmuseum Bayern e. V.? Wie konnte es dazu kommen, dass so viel Geld verschwand? Den Vorwurf der Schlamperei, der in der Verhandlung laut wurde, weisen die Vorsitzenden Alexander Süsse und Frank Müller entschieden zurück. Sie vertreten den Verein, der 2015 die Trägerschaft des Museums in der Duxer Straße nach wirtschaftlich schwierigen Gründerjahren von einer Privatperson und einem Förderverein übernommen hat.

Das Kassensystem im Museum habe seit 2015 die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, sagt Süsse. Es habe eine reguläre Registrierkasse gegeben. „Sonst wären die Unregelmäßigkeiten gar nicht nachweisbar gewesen.“ So weit bekannt habe man Eintritte und Buchungen im Nachhinein kontrolliert. Als die Unregelmäßigkeiten durch die Revision entdeckt worden seien, habe man 2017 die Entlastung verschoben, so Müller. Weil es keine zufriedenstellende Aufklärung für fehlende Beträge gegeben habe, sei die Kassierin 2018 von ihrem Amt entbunden worden.

Mittlerweile habe man die Verfahren optimiert. Seit dem Vorjahr gibt es ein digitales Besucherzählsystem und ein Kassensystem, das eine Vernetzung erlaubt. Die Kassenbestände könnten jederzeit auch vom Sitz des Vereins aus kontrolliert werden. Stichprobenartig werde überprüft, ob Kasseneingang und Besucherzahlen übereinstimme. hg

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