Wasserkraft

250 Millionen Euro-Projekt bei Töging: So steht es um das neue Innkanal-Kraftwerk

Die Arbeiten an der Wehranlage in Jettenbach sind in vollem Gange. In zwei Jahren soll das 250 Millionen Euro teuere neue Wasserkraftwerk in Betrieb gehen.
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Die Arbeiten an der Wehranlage in Jettenbach sind in vollem Gange. In zwei Jahren soll das 250 Millionen Euro teuere neue Wasserkraftwerk in Betrieb gehen.
  • Frank Bartschies
    vonFrank Bartschies
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Sein 100-jähriges Betriebsjubiläum hätte das Wasserkraftwerk Jettenbach-Töging 2024 gefeiert. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: In zwei Jahren soll das neue Kraftwerk in Töging, unmittelbar neben dem jetzigen „Wasserschloss“ gelegen, seinen Betrieb aufnehmen.

Jettenbach/Töging – Um ein Viertel werde die jährliche Stromerzeugung steigen, wenn das Kraftwerk fertig ist, teilt dazu das österreichische Energieunternehmen VERBUND mit, das die Innkraftwerke 2009 erworben hat. Die neue Anlage wird dann den Strombedarf von rund 200 000 Haushalten decken können.

VERBUND investiert 250 Milliionen Euro

Die VERBUND Innkraftwerke GmbH mit Sitz in Töging investiert in das Neubauprojekt 250 Millionen Euro.

Das Projekt umfasst neben dem Kraftwerksneubau in Töging auch die Erneuerung der Wehranlage in Jettenbach sowie Baumaßnahmen am 20 Kilometer langen Innkanal. Um den notwendigen Wasserzulauf für das neue Kraftwerk in Töging sicherzustellen, mussten die Betonwände des Kanals in die darüber liegenden Wiesenböschungen erhöht werden. „Die dafür benötigten Flächen werden gemäß der Verpflichtung zum Flächenausgleich im Projektgebiet wieder hergestellt.

Arbeiten an zwei Kanalbrücken bei Waldkraiburg stehen noch aus

So wird sichergestellt, dass kein hochwertiger Naturraum verloren geht. In unserem Fall wandeln wir intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in Magerrasenflächen um“, teilt VERBUND mit. Die Arbeiten am Kanal seien bis auf punktuelle Restmaßnahmen weitestgehend fertiggestellt. Ausständig seien noch Arbeiten an den Innkanalbrücken Au-Moos und Hart bei Waldkraiburg.

Wasserstand um 70 Zentimeter gehoben

In Töging ist mittlerweile mit dem Bau des Kraftwerks begonnen worden, aktuell würden die ersten Maschinenteile geliefert, so das Unternehmen. Dank moderner Technik würden in dem neuen Kraftwerk nur noch drei Kaplan-Turbinen anstelle der bisher 15 Francis-Turbinen zum Einsatz kommen. Mit dem Einbau des ersten Kaplan-Turbinenlaufrads rechnet die VERBUND GmbH für Februar oder März nächsten Jahres, die beiden weiteren sollen Mitte und Ende 2021 folgen.

Neues Wehr in Jettenbach mit kleinem Kraftwerk

In Jettenbach wird das Wehr, dem ebenfalls ein kleines Kraftwerk angegliedert ist, mit den derzeit sechs Wehrfeldern durch einen Neubau mit nur noch vier, dafür aber größeren Wehrfeldern ersetzt. Jedes der neuen Wehrfelder ist 26 Meter breit, neun Meter hoch und über 100 Tonnen schwer. Zwei dieser Wehrfelder sind inzwischen fertiggestellt.

Das Stauziel am Wehr in Jettenbach – der Wasserstand im Kanal – werde um 70 Zentimeter angehoben, die bisherige Stauanlage nach dem Bau des neuen Wehrs abgerissen, so VERBUND-Pressesprecher Wolfgang Syrowatka.

Baustelle wird fit für höhere Wasserführung gemacht

Derzeit beginne die Niedrigwasserphase, was insbesondere für die Arbeiten auf der Wehrbaustelle von besonderer Bedeutung sei. Nur jetzt könnten die Maßnahmen zur Herstellung der noch fehlenden Wehrfelder 1 und 2 begonnen werden. Sie müssten rechtzeitig abgeschlossen werden, denn wenn im alpinen Einzugsgebiet des Inn die Schneeschmelze einsetzt, wäre eine Fortsetzung der Arbeiten erst im Herbst/Winter des nächsten Jahres wieder möglich.

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„Der Kanal brachte alles durcheinander“

„Vor dem Beginn des Sommerhalbjahres machen wir die Baustelle fit für die höhere Wasserführung. Dank dieser Vorbereitungen haben auch die heurigen Phasen verstärkter Wasserführung keine negativen Folgen gehabt – auch wenn es natürlich spektakulär aussieht und klingt, wenn beim Wehr in Jettenbach das Wasser dahin rauscht und ganze Bäume an der Baustelle vorbeitreiben“, erklärt dazu Bernhard Gerauer, Projektleiter der VERBUND-Innkraftwerke.

Projekt durch Corona nicht behindert

Mit dem Fortschritt des Projekts zeigt sich der Energieversorger sehr zufrieden: „Die Kostenplanung und Kostenentwicklung entspricht ebenso wie der Zeitplan unseren Erwartungen. Die aufkeimende Covid-19-Situation hat anfangs durchaus für Unsicherheiten gesorgt, es hat sich aber gezeigt, dass sich die Wirtschaft sehr rasch auf die neuen Herausforderungen eingestellt hat. Sowohl Fachkräfte wie auch Material und Bauteile konnten zur Baustelle gelangen.“

Altbestand – Neuanlage: Die technischen Daten im Vergleich

Kraftwerk Töging:

Turbinen (Anzahl/Typ): 15 Francis (14 in Betrieb) - künftig: 3 Kaplan.

Maximal nutzbare Wassermenge: 340 Kubikmeter/Sekunde – 410 KubikmeterSekunde.

Fallhöhe: 30,6 Meter – 31,1 Meter.

Leistung: 85 Megawatt – 118 Megawatt.

Jahreserzeugung: 557 Gigawattstunden – 696 Gigawattstunden.

Wehrkraftwerk Jettenbach:

Turbinen: 2 Kaplan-PIT – 2 Kaplan-PIT

Maximal nutzbare Wassermenge: 75 Kubikmeter/Sekunde – 75 Kubikmeter/Sekunde.

Fallhöhe: 8,8 Meter – 9,5 Meter.

Leistung: 5 Megawatt – 5 Megawatt

Jahreserzeugung: 29 Gigawattstunden – 30,6 Gigawattstunden.

Wehranlage Jettenbach:

Wehrfelder (Anzahl/Breite): 6 / 17 Meter – 4 / 26 Meter.

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