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Gefahr für Staatsforste verhindern

1500 Festmeter Holz in drei Wochen: Kiefern nach starkem Pilzbefall bei Waldkraiburg gefällt

Man mussgenau hinschauen, um die kleinen schwarzen Punkte auf der Rinde als Diplodia-Pilz auszumachen.
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Man mussgenau hinschauen, um die kleinen schwarzen Punkte auf der Rinde als Diplodia-Pilz auszumachen.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
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Der Diplodia-Pilz ist kein unbekannter Schädling im Wald. Dass er aber im Sommer so massiv aufgetreten ist, hat die Bayerischen Staatsforste zum Handeln gezwungen. Denn nur durch umfassende Fällarbeiten können weitere Schäden verhindert werden. Ein Besuch in den Staatsforsten.

Waldkraiburg – Der Staatsforst entlang der Staatsstraße Richtung Mühldorf ist deutlich ausgelichtet, in regelmäßigen Abständen sind Holzstämme aufgeschichtet. In der Ferne ist ein leises Knacken in den Baumkronen zu hören. Denn eine Terrassenstufe weiter unten ist ein Harvester noch immer im Einsatz, und die Arbeiten dauern an. Vermutlich noch bis Ende dieser Woche greifen die Bayerischen Staatsforsten massiv in einen Teil des Waldes ein, um einen kleinen Schädling in den Griff zu bekommen.

Als ob es Zahnstocher wären, greift sich der Harvester die gefällten Bäume und längt die Stämme ab.

Die Bayerischen Staatsforste sind in unterschiedliche Areale unterteilt, für die es jeweils Pläne gibt, wie sie bewirtschaftet werden. Die „Kippe“, das Areal zwischen Staatsstraße und Innkanal, sollte auf lange Sicht von einer Bewirtschaftung ausgenommen sein. Doch nach einem massiven Befall mit dem Diplodia-Pilz bestand Handlungsbedarf.

Vorschäden durch trockene Sommer

„Der Diplodia-Pilz ist in jedem Bestand allgegenwärtig, aber der Befall war jetzt zu massiv“, sagt Forstbetriebsleiter Heinz Utschig. Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre hätten die Kiefern vorgeschädigt, der Hagelsommersturm im Sommer war dann die Initialzündung. „Der Hagel verursachte neue Wunden an den Kiefern, über die der Pilz eindringen konnte“, erklärt Utschig. Der kühle nass-feuchte Sommer hat dem Pilz zusätzlich ein perfektes Klima geboten. Die Nadeln haben sich schnell rot verfärbt, Triebe sind abgestorben. Werden die befallenen Bäume nicht rechtzeitig eingeschlagen, gefährde man den restlichen Bestand durch Sekundärschädlinge.

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Viele abgebrochene Äste liegen kreuz und quer auf der freigeschlagenen Rückegasse. Einige Kiefernzweige stehen noch voll im Saft, haben grüne Nadeln. Doch andere sind schon deutlich ausgelichtet, an vielen Ästen haben sich die Nadeln längst rot verfärbt. Sobald mehr als 60 Prozent des Grüns betroffen sind, werde sich der Baum nicht mehr erholen. Wer die Ursache ausmachen will, muss genau schauen. Denn es braucht ein geschultes Auge, um die kleinen schwarzen Fruchtkörper des Diplodia-Pilzes zu entdecken.

Forstwirtschaftsmeister Dominik Loidl und Forstbetriebsleiter Heinz Utschig (rechts) zeigen, wie sehr sich die Kiefern in ihren Kronen ausgelichtet und sich die Nadeln rot verfärbt haben.

Die Arbeiten in der „Kippe“ haben es in sich: Das Gelände ist zum Teil sehr steil, der Wald an vielen Stellen nur schwer zu durchdringen, für das Holz gebe es kaum Lagerplätze. Über Jahrzehnte war dieses Areal unberührt. „Wir mussten erst einmal Büsche rausnehmen und dann die Rückegassen anlegen“, erklärt Forstwirtschaftsmeister Dominik Loidl.

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Und so arbeitet sich der Harvester Meter für Meter durch den Wald vor und greift sich alle Kiefern rechts und links der Gasse. „Etwa zehn Meter weit kann er greifen. Was er nicht erreicht, wird beigefällt“, sagt Loidl. Die Rückegassen sollen zwar erhalten bleiben, aber in das Areal wolle man auch weiterhin wenig eingreifen. „Wir bauen auf den Bestand auf“, sagt Utschig. Sobald die Fällarbeiten abgeschlossen sind, wolle man sich ein Bild davon machen, was vorhanden ist und ob vereinzelt nachgepflanzt werden müsse.

Auf natürliche Entwicklung setzen

Ansonsten setze man auf eine natürliche Entwicklung. „Mit Ahorn, Rubinie oder Birke ist hier schon eine gute Mischung vorhanden“, sagt Utschig. Bäume, die klimatolerant sind. Die Kiefer wird hier nicht mehr nachgepflanzt. „Sie verträgt nicht viel Hitze.“

Das Areal zwischen Staatsstraße und Innkanal ist von der Bewirtschaftung ausgenommen. Doch der massive Diplodia-Befall machte es nötig, dass die Kiefern gefällt werden mussten. Um den Restwald zu schützen.

Noch bis Ende der Woche dauern die Abeiten. Rund 1500 Festmeter Holz werden bis dahin gefällt, zugeschnitten und abtransportiert. „Wir machen das hier nicht aus holzwirtschaftlichen Gründen, sondern um ein Problem zu lösen. Der Diplodia-Pilz wäre sonst zu einer Gefahr für den restlichen Wald geworden“, fährt Utschig fort. Etwa 30 bis 35 Prozent macht die Kiefer in diesem Areal aus, ein Großteil davon war längst durch den Pilz geschädigt.

In regelmäßigen Standen ist das Holz aufgeschichtet, vorbereitet zum Abtransport aus dem Wald zum Lagerplatz an der Staatsstraße. Das eingeschlagene Holz soll weiterverarbeitet werden. „Wir wollten das Holz rechtzeitig einschlagen und verwerten, bevor es kaputt geht. Das wäre schade“, sagt der Forstbetriebsleiter.

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