1.000 Euro Budget: Mark Lohr aus Waldkraiburg dreht seinen zweiten Kinofilm

Mit „Easy Raver“ hat Mark Lohr bereits einen Film ins Kino gebracht – mit null Euro Budget. Aktuell laufen die Dreharbeiten zu seinem zweiten Film, bei dem vieles anders sein wird. Nicht nur, dass es jetzt zumindest ein kleines Budget gibt.

Waldkraiburg – „Morgen sind wir tot“ – der Titel klingt im ersten Moment nach einem Science-Fiction-Film oder einem Action-Streifen. Der Untergang der Welt droht, die letzte Nacht auf Erden steht bevor. Der Film von Mark Lohr ist aber tiefsinniger, setzt sich mit dem Sinn des Lebens auseinander und wie die Hauptrollen damit umgehen.

Vieles auf freiwilliger Basis

Der Film dreht sich um die Geschichte von sechs Freunden (darunter Corinna Blädel und Mario Pruischütz), unter ihnen der erfolgreiche Jungunternehmer Paul (Luca Garnreiter). Er fängt gerade erst an, die Früchte des Lebens kennenzulernen, als ihm das Leben einen Strich durch die Rechnung zieht: Klimawandel, Überbevölkerung – das Ende der Welt droht. Die womöglich letzte Nacht steht bevor. Wie wird er sie nutzen?

Ob Darsteller oder Filmcrew – auch bei den aktuellen Dreharbeiten läuft vieles auf freiwilliger Basis. Das mache es manchmal etwas schwierig, die Leute zeitlich zu koordinieren. In Waldkraiburg, Mühldorf und Neumarkt-St. Veit laufen seit Anfang Juli die Drehtage, 25 bis 28 sollen es am Ende sein. Ein deutlicher Unterschied zum ersten Film: Erst nach 52 Drehtagen waren alle Szenen im Kasten.

„Der erste Film wurde ohne Budget produziert. Gerade Kostüm und Kulisse haben darunter gelitten“, sagt der Filmemacher im Nachhinein. Für den aktuellen Film gibt es ein Budget von 1000 Euro, das unter anderem genau dafür genutzt wird. Der aktuelle Dreh steht im Vergleich zu den Arbeiten zu „Easy Raver“ auf professionelleren Beinen: Das technische Equipment ist neu und an der Organisation hat sich vieles verändert. Vier Teams – für Organisation, Technik, Ton sowie Maske und Kostüm – geben der Produktion eine feste Struktur, erlauben aber weiter eine gewisse Flexibilität. Jeweils zehn Leute gehören einer Gruppe an, die in ihren Bereich eingearbeitet sind. „So ist sichergestellt, dass immer aus jeder Gruppe Leute da sind. Das hat immer super funktioniert.“

Seine ersten Erfahrungen hat der 23-Jährige mit elf Jahren gemacht. „Kleine Filme im Garten der Eltern.“ Es folgten Kurzfilme und Werbefilme, vergangenes Jahr der erste Kinofilm. „Ich hab mir alles selbst beigebracht.“ Mittlerweile hat er eine eigene Firma gegründet, studiert zudem noch Theaterwissenschaften in München. Viel Zeit für‘s Studium bleibt gerade aber nciht. „Der Film ist sehr zeitaufwendig. Seit einem Jahr hab ich nichts anderes im Kopf“, sagt er.

Die nächsten Tage bleiben anstrengend. Bis 9. November sollen alle Szenen im Kasten sein, der Film geschnitten und vertont sein. Die Zeit eilt. „Wir machen uns den Druck selbst, weil bis dahin der Einsendeschluss zur Berlinale ist. Den wollen wir schaffen“, sagt Mark Lohr. Es werde knapp, aber es sei realistisch. Drehen, schneiden, vertonen – was bei Profiproduktionen nacheinander passiert, läuft bei seiner Produktion deshalb gerade parallel.

Aus den Erfahrungen gelernt

Aus den Erfahrungen des ersten Films hat Mark Lohr viel gelernt, ist deshalb vieles beim zweiten anders angegangen. Auch die Meinungen der Zuschauer von „Easy Raver“ hat er aufgenommen. „Die Message und die Musik kamen gut an, aber viele Zuschauer bewerteten die Story als zäh. Das Positive wollten wir behalten, das Negative abarbeiten.“ Sein zweiter Film wird mit maximal 110 Minuten deutlich kürzer als der Vorgänger. Zusammen mit den Co-Autoren Corinna Blädel und Tobias Marschall war er verantwortlich für das Drehbuch, das im Vergleich zum ersten Film „viel mehr Gewicht bekommen hat“. Der Soundtrack stammt aus der Feder von Johannes Rauscher und Artur Murawskij.

Einen Teil des Budgets investiert der Filmemacher in die FSK-Prüfung. Ohne eine solche Prüfung ist ein Film erst ab 18 Jahren freigegeben. Beim ersten Film hat er noch aus finanziellen Gründen darauf verzichtet, jetzt ist es ein „Muss“. „Wir wollen die Vorteile nutzen, damit der Film für alle frei zugänglich ist.“

Die Berlinale als großes Ziel

Im Kino soll der Film ab Januar laufen. „Easy Raver“ sahen etwa 2000 Zuschauer deutschlandweit in zwölf Kinos. Mit diesen Kinos will der Filmemacher bald erneut das Gespräch suchen, aber mit „Morgen sind wir tot“ will er in „mehr Kinos reinkommen“. Er zielt ab auf größere Städte, wo es Kinos gibt, die regelmäßig kleinere Produktionen zeigen. Doch jetzt einmal gilt es, den Einsendeschluss für die Berlinale zu schaffen. Das große Ziel für den zweiten Spielfilm von Mark Lohr.

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