Wald-Experten im Interview: Borgenkäfer vernichtete heuer 70.000 Holz im Landkreis Mühldorf

Der Umbau der heimischen Wälder wird massiv von Bund und Land gefördert. Bauer
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Der Umbau der heimischen Wälder wird massiv von Bund und Land gefördert. Bauer

Dr. Martin Kennel, Forstdirektor, Leiter der Forstbehörde am AELF Töging, und Michael Erber, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Mühldorf, sprechen im Interview über den Zustand des Waldes, die Macht des Borkenkäfers und wie der Waldumbau im Landkreis Mühldorf gestaltet wird.

Mühldorf – Der Waldflächenanteil im Landkreis Mühldorf beträgt 22 Prozent, womit er deutlich unter dem bayerischen Waldflächenanteil von 36 Prozent liegt. Der Großteil des Waldes befindet sich im Landkreis in Privatbesitz (86 Prozent). 13 Prozent gehören dem Freistaat Bayern. Nur ein Prozent sind Kommunalwälder. Wie es dem Wald im landkreis geht, sagen Dr. Martin kennel und Michael Erber im Interview.

Wie würden Sie den Waldzustand im Landkreis Mühldorf bezeichnen?

Kennel: Nachdem bereits der Sommer 2018 sehr heiß und trocken war, folgte auch heuer wieder ein sehr heißer Sommer mit Rekordtemperaturen vor allem im Juli. Deutschlandweit war der Sommer 2019 der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, in Bayern als zweitwärmster Sommer sogar noch etwas heißer als der Sommer 2018.

Aufgrund der warmen Witterung konnte sich der Borkenkäfer auch heuer wieder sehr stark vermehren und große Schäden in den bayerischen Wäldern anrichten. Im südlichen Oberbayern kamen jedoch heuer im Gegensatz zu 2018 immer wieder Sommerniederschläge dem Wald zugute, sodass die Schäden in unserer Region nicht das katastrophale Ausmaß erreichten wie etwa in trockeneren Regionen Nordbayerns oder in anderen Bundesländern. Für den Landkreis Mühldorf rechnen wir für das Gesamtjahr 2019 dennoch mit einer erheblichen Borkenkäfer-Schadholzmenge von etwa 70 000 bis 80 000 Festmetern in den Privatwäldern.

Hat der Borkenkäfer im Landkreis Mühldorf schlimm gewütet?

Erber: Auch heuer hatten die Mitglieder der WBV Mühldorf wieder ähnlich stark mit dem Borkenkäfer zu kämpfen wie im Jahr 2018. Erfreulicherweise funktionierte die Holzabfuhr deutlich besser als in den letzten Jahren. Dies und die staatliche Förderung für das Ausfahren der Schadholzmengen haben ein weiteres Ausbreiten des Borkenkäfers verhindert.

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Aufgrund der drastisch gestiegenen überregionalen Schadholzmengen konnte ein erneutes Absinken des Holzpreises nicht vermieden werden. Insbesondere die Preise für Käferholz befinden sich zurzeit auf einem historischen Tiefstand. Die weitere Entwicklung ist im Moment noch nicht abzusehen. Einzig die Nachfrage nach Frischholz ist aktuell leicht gestiegen.

Wie weit ist der Waldumbau im Landkreis fortgeschritten?

Kennel:Die Waldbesitzer benötigen bei der Bewältigung der massiven Schäden und vor allem auch bei der Wiederbewaldung der Schadflächen dringende und schnelle Hilfe. Beim Nationalen Waldgipfel, zu dem im September über 200 Vertreter von 170 Organisationen und Verbänden nach Berlin eingeladen waren, hat Bundesagrarministerin Klöckner deshalb zugesagt, dass der Bund im Rahmen seines Klimaschutzprogramms 2030 Bundesmittel in Höhe von 547 Millionen zur Verfügung stellen wird, von denen in den kommenden vier Jahren rund 100 Millionen Euro nach Bayern fließen werden. Zusammen mit den vom Bayerischen Landtag bereits beschlossenen Geldmitteln für die Waldumbauoffensive Bayern 2030 werden somit im Jahr 2020 in Bayern insgesamt voraussichtlich rund 65 Millionen Euro staatliche Fördermittel für die Schadensbewältigung und für den klimafesten Umbau der Wälder zur Verfügung stehen.

Welche Baumarten werden den Anforderungen des Klimawandel bei und gerecht?

Erber: Aufgrund der niedrigeren Temperaturen und der kürzeren Tage stellt der Borkenkäfer seine Aktivitäten nun langsam ein und geht in die Überwinterung. Eine konsequente Aufarbeitung der befallenen Bäume ist trotzdem die wichtigste Maßnahme gegen erneuten Befall im kommenden Frühjahr. Sobald das befallene Holz beseitigt ist, kann man sich Gedanken über die Wiederaufforstung machen. Das Wichtigste ist dabei nicht das Propagieren einzelner Baumarten, sondern eine gezielte Risikostreuung. Hier kann man durch eine standortgerechte Mischung die Weichen für einen gesunden und widerstandsfähigen Mischwald stellen. Hilfestellung zu sämtlichen Fragen bezüglich der Wiederaufforstungen und den bestehenden Fördermöglichkeiten geben Ihnen gerne Ihre Revierförster des AELF und das Personal der Waldbesitzervereinigung Mühldorf. Auch bei den heurigen Herbstversammlungen der WBV Mühldorf wird das Thema Wiederaufforstung und Baumartenwahl ein Schwerpunkt sein (siehe Kasten).

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