Wahlabend wie im Krimi

Der amtierende Bürgermeister Erwin Baumgartner.

Neumarkt-St. Veit – Sonntagabend. Krimizeit.

Nicht nur im Ersten. In Neumarkt-St. Veit war Spannung pur schon lange vor dem Tatort um 20.15 Uhr angesagt. Denn schon die ersten Hochrechnungen kurz nach 18 Uhr hatten gezeigt: Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Bürgermeister Erwin Baumgartner und dessen Herausforderer Michael Kulhanek. Am Ende dann die faustdicke Überraschung in Neumarkt-St. Veit: Michael Kulhanek zwingt den amtierenden Bürgermeister Erwin Baumgartner in die Stichwahl in zwei Wochen. 47,1 Prozent bei Baumgartner stehen Kulhaneks 46,9 Prozent gegenüber.

„Ich bin überrascht über das Ergebnis“, bewertet Erwin Baumgartner das Wahlergebnis in der Rottstadt. „Aber ich bin Demokrat genug, um dieses Wahlergebnis zu akzeptieren, das ich so nicht erwartet hätte.“ Schließlich blicke er über eine 18-jährige erfolgreiche Arbeit als Bürgermeister zurück. „Mir ist jedenfalls kein Grund bewusst, weshalb das Ergebnis so entstanden ist.“ Seine Vermutung: Die Diskussionen um die Stadtplatzsanierung scheinen ihm Stimmen gekostet zu habe, „obwohl die Entscheidungen dafür immer gemeinsam mit dem Stadtrat getroffen worden sind.“

Jetzt gelte es nach vorne zu blicken, wenn in zwei Wochen die Stichwahl über die Bühne geht. Er will dabei all jene mobilisieren, die nicht zur Wahl gegangen sind – im Falle von Neumarkt immerhin 40 Prozent. „Da sind sicher auch viele dabei, die sich den Urnengang erspart haben – eben weil sie mit der bisherigen Arbeit zufrieden sind“, hofft Baumgartner, der sich in seinem Wahlkampf nichts vorzuwerfen habe. Er habe stets als Realist argumentiert. Er habe keine Versprechnungen gemacht, sondern vor Augen gehalten, „was geht oder was nicht geht“.

Die Jugendlichkeit seines Hauptkonkurrenten der CSU könne ein Grund für eine Abwanderung von Wählern sei, so Baumgartner, „aber mit 62 Jahren gehört man auch noch nicht zum alten Eisen!“ Die Enttäuschung ist deutlich herauszuhören, dass er mit seiner Erfahrung nun eine derartige Schlappe hinzunehmen hat.

„Ich bin total begeistert. Ich habe auf ein gutes Ergebnis gehofft, aber dass ich so gut abschneiden werde, damit hatte ich nicht gerechnet. Eine brutale Bestätigung der Arbeit, die wir im Wahlkampfteam geleistet haben!“, freut sich Michael Kulhanek über den erfolgreichen Ausgang der gestrigen Wahl.

Er habe den Wahlabend als wahren Krimi miterlebt und interpretiert das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem amtierenden Bürgermeister so: „Die Hälfte der Wähler sind für einen Wechsel in Neumarkt-St. Veit!“ Die Kandidatur des Neumarkter Stadtrates Max Heimerl für den Landratsposten habe sicherlich auch der CSU in der Rottstadt gut getan, meint Kulhanek. Die 46,9 Prozent der Stimmen auf seine Person sieht er als Bestätigung dafür, dass die CSU insgesamt die richtigen Themen gesetzt habe, „weil wir mit den richtigen Personen Zukunftsthemen angesprochen haben.“ Er sehe eine starke Aufbruchstimmung, die einer Abbruchstimmung entgegenstehe.

6,0 Prozent – für die dritte Bewerberin um das Amt des Bürgermeisters, Michéle Gaulinger, „ist das Ergebnis okay“. Gaulinger, die im Zuge des Streits um eine Photovoltaik-Großflächenanlage in Erscheinung getreten war und kurz darauf von der offenen SPD-Liste zur Kandidaten erkoren wurde, hatte „mit ein paar hundert Stimmen gerechnet“. Mit den 180 sei sie zufrieden, „zumal ich nicht so bekannt bin“.

Es habe ihr Freude bereitet, im Zuge des Wahlkampfes mit Bürgern in Kontakt zu treten. Umso mehr würde sie sich nun freuen, wenn es für ein Stadtratsmandat reichen würde und ihre beiden Mitbewerber zu unterstützen in Zeiten, die mit der Corona-Krise gerade jetzt eine große Herausforderung bereit halte.

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