Klinik Mühldorf und Unternehmen im Landkreis wappnen sich vor zweiter Corona-Welle

Das Inn-Klinikum in Mühldorf ist nach eigenen Angaben gut auf eine zweite Welle vorbereitet. Auch im Regelbetrieb gelten Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört das Messer der Körpertemperatur bei jedem, der ins Haus kommt.
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Das Inn-Klinikum in Mühldorf ist nach eigenen Angaben gut auf eine zweite Welle vorbereitet. Auch im Regelbetrieb gelten Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört das Messer der Körpertemperatur bei jedem, der ins Haus kommt.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Josef Enzinger
    Josef Enzinger
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Nachdem die erste Corona-Welle überstanden ist, bereiten sich Menschen auf einen zweiten großen Ausbruch vor. Ob er kommen wird, ist nicht sicher. Was Menschen, Firmen und Kliniken dagegen tun müssen, schon.

Mühldorf – Bei der derzeitigen Diskussion um eine zweite Corona-Welle rechnen Vertreter des Gesundheitswesens und von Firmen in der Region mit eher räumlich begrenzten Ereignissen. „Im besten Fall werden nur regionale Ausbrüche in Form von Hot-Spots auftreten, sodass in anderen Regionen ausreichend Kapazitäten zur Versorgung von möglicherweise anfallenden Intensivpatienten vorhanden sind“, sagt Thomas Parnitzke Pandemie-Experte des Inn-Klinikums in Mühldorf.

Große Vorrat an Schutzausrüstung

Sollte die Zahl der Corona-Kranken in der Region wieder steigen, seien die Kliniken gut vorbereitet, sagt Parnitzke. Die erforderlichen Behandlungskapazitäten für Corona-Patienten könnten schnell geschaffen werden. „Gleichzeitig haben wir uns einen großen Vorrat an Schutzausrüstung, Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial angelegt.“ Auch technisch seien die Kliniken gerüstet: „Wir haben zahlreiche neue Beatmungsgeräte angeschafft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits technisch eingewiesen.“

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ÍHK mahnt zur Vorsicht

Nicht nur das Krankenhaus, auch die heimischen Arbeitgeber sind gefragt, die Entwicklung im Auge zu behalten, macht die Industrie- und Handelskammer (IHK) klar. Sie bittet, dringend an Schutzmaßnahmen festzuhalten. Geschäftsführer Herbert Prost betont: „Wir können uns keine zweite Welle leisten.“ Ein erneutes scharfes Herunterfahren wäre nach seiner Einschätzung eine Katastrophe. „Deshalb empfehlen wir, die Schutz-Maßnahmen beizubehalten.“

Wie gut die wirken, zeigt nach seiner Ansicht auch eine neue Umfrage der IHK unter den Mitgliedsbetrieben. Nach der sagen 82 Prozent, dass sie keine weiteres Geld vom Staat brauchen, um ihre Liquidität zu sichern.

Weniger Umsatz wegen Schutzmaßnahmen

Ein Unternehmen, das diese Empfehlung berücksichtigt ist die Firma Bachmann in Neumarkt-St. Veit, auch wenn sie dadurch auf Umsatz verzichten muss. Die knapp 130 Mitarbeiter arbeiten seit März im Schichtbetrieb, um Abstandsregelung einhalten und die Produktion sicherstellen zu können. „Besonders die Tatsache, dass die Mitarbeiter während ihrer Tätigkeit eine Gesichtsmaske zu tragen haben, setzt viel Verständnis voraus, das nicht immer vorhanden ist“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Bachmann. Die Corona-Beschränkungen hätten im April und Mai zu Einbußen geführt, jetzt laufe die Produktion wieder an, allerdings gebremst durch den Schichtbetrieb.

Keine Angst vor einer zweiten Welle

Angst vor einer zweiten Welle hat der Unternehmer nicht. Er rechne eher mit einer kleinen Welle, die sich womöglich durch die Reisezeit entwickeln könnte, die aber – wenn sie regional begrenzt sei – durch rechtzeitige und konsequente Maßnahmen kontrollierbar seien. „Im Herbst wissen wir sicher mehr!“

Den Ausbruch in den fleischverarbeitenden Betrieben in Nordrhein-Westfalen sehe er nicht als Anlass für allzu große Sorgen bezüglich weiterer Einschränkungen. „Da spielten Sonderfaktoren eine Rolle!“ Das ließe sich nicht verallgemeinern oder gar auf andere Bundesländer übertragen.

Baufirmen fürchten Corona-Spätfolgen

Mit Vorsicht gehen auch Baufirmen ans Werk, wie Thomas Größlinger, Firmenchef bei Palitza Hoch- und Tiefbau berichtet. „Die erste Welle ist relativ glimpflich an uns vorüber gegangen. Wir hatten kaum Ausfälle auf dem Bau, bis auf einen ungarischen Arbeiter, der sein Land nicht verlassen durfte“, sagt Größlinger, der 80 Mitarbeiter beschäftigt. „Alles lief nach Plan.“ Die Bautrupps seien nie zeitgleich auf den Baustellen gewesen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Baufirmen kaum betroffen

Die befürchtete zweite Welle treibt den Pallitza-Chef kaum um. „Wir arbeiten hauptsächlich draußen an der frischen Luft. Die Arbeiter halten Abstand. Ich kenne niemanden in der Baubranche, der auch nur einen Corona-Fall hatte.“ Sorgen bereiten ihm vielmehr die Hilfsgelder der Bundesregierung. „Finanzielle Mittel, die an anderer Stelle fehlen.“ Städte und Gemeinden würden wohl ihre Bautätigkeit zurückfahren, sagt Größlinger. „Ich rechne 2021 mit einer Flaute, denn es wird von der öffentlichen Hand gerade nichts geplant und auch nichts genehmigt.“

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