30 Jahre Deutsche Einheit

Von Mühldorf nach Sonneberg: Warum zieht es einen Thüringer zurück in die „neuen Länder“?

Zehn Jahre lang formte Günther Thomae (Bildmitte) die Volleyballer des TSV Mühldorf. Einige seiner Jugendlichen spielen jetzt in der zweiten Bundesliga.
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Zehn Jahre lang formte Günther Thomae (Bildmitte) die Volleyballer des TSV Mühldorf. Einige seiner Jugendlichen spielen jetzt in der zweiten Bundesliga.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Als junger Mann sogar in der Volleyball-Weltauswahl: Der ehemalige DDR-Nationalspieler Günther Thomae prägte als Trainer lange die Volleyballer des TSV Mühldorf. Der Thüringer fühlte sich wohl in Bayern. Dennoch entschied er sich, im Rentenalter in seine Heimat zurückzukehren. Die Gründe sind nachvollziehbar.

Mühldorf/Sonneberg – „Kein Westdeutscher kann auch nur erahnen, was die Grenzöffnung für uns emotional bedeutet hat!“ Günther Thomae kann sich noch genau an jenem Tag 1989 erinnern, als die Grenzzäune fielen. Mit einer Auswahlmannschaft von Jugendlichen war er gerade auf dem Rückweg von einem Turnier, „als uns die Nachricht erreichte, dass die Grenzen offen sind. Die sind natürlich gleich zur Grenze gelaufen.“ War ja auch nur ein Katzensprung von Sonneberg, das direkt hinter der damaligen Grenze zu Bayern in Thüringen liegt.

1975 in die Volleyball-Weltauswahl gewählt

Volleyball bestimmte seit jeher das Leben des gebürtigen 67-jährigen Sonnebergers, der 167 Einsätze in der Volleyball-Nationalmannschaft der DDR hatte und 1975 sogar in die Weltauswahl gewählt war. Er genoss das Privileg rumzureisen, nahm an Welt- und Europameisterschaften teil. „Doch den Gedanken an eine Flucht hatte ich nie!“ Er blieb seinem Sonneberg treu, auch nachdem 1990 die Wiedervereinigung offiziell war. Er war Bezirks- und Landestrainer und vermittelte auch als Sportlehrer am Gymnasium Sonneberg sein Wissen.

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Sportlich und gesellschaftlich die Abteilung bereichert

Tief verwurzelt in Sonneberg wollte er nie wirklich weg. „Als Trainer in Berlin hatte ich immer Heimweh!“ Beruflich bedingt wechselte er dann doch in die neuen Länder. 2009 war das der Fall, als er sich ausgerechnet Mühldorf ausgesucht hatte, um sein Volleyballwissen an die damalige Regionalliga-Mannschaft des TSV weiter zu vermitteln. Heute sagt er. „Das war die beste Zeit meines Lebens!“

Ausbildung zum Sportlehrer in der DDR nicht anerkannt

Er sei gut aufgenommen und immer unterstützt worden. Denn Jahr für Jahr sei es erneut ein Kampf gewesen, seine Anstellung am Gymnasium Waldkraiburg zu verlängern. „Weil meine Ausbildung zum Sportlehrer in der DDR hier nicht anerkannt wurde.“ Bis 2019 unterrichtete er an der Schule, bildete beim TSV junge Volleyballer aus.

Mit der Rente ging er aber vor einem Jahr zurück nach Sonneberg. Dort wo sein Elternhaus steht, in dem er mit Tante, Bruder, Tochter und Enkelkindern lebt. „Ich kann dort mietfrei leben und mich mit meinen handwerklichen Fähigkeiten nützlich machen“, erklärt der achtfache Großvater, weshalb er 2019 mit seiner Frau Babette schweren Herzens Mühldorf verlassen hat. Die Verbindung hat er aber nie gekappt. Man besucht sich, „und natürlich informiere ich mich, welch großen sportlichen Erfolge meine Jungs von damals heute feiern.“ Das mache ihn stolz. je

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