Wachsmarkt

Was von einem fast vergessenen Brauch an Maria Lichtmess in Mühldorf noch übrig geblieben ist

Professor Hans Gärtner, Autor dieses Beitrags, befasst sich seit Langem mit dem Brauch zu Maria Lichtmess. Er ist auch eifriger Sammler von Wachsstöckln.
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Professor Hans Gärtner, Autor dieses Beitrags, befasst sich seit Langem mit dem Brauch zu Maria Lichtmess. Er ist auch eifriger Sammler von Wachsstöckln.

Mit Maria Lichtmess, dem Feiertag am Dienstag, sind viele Bräuche verbunden. Vor allem auf dem Land hatte er früher eine hohe Bedeutung, schließlich wechselten traditionell Mägde und Knechte ihre Dienstherren - auch in Mühldorf.

Von Hans Gärtner

Mühldorf – Für Handwerke bedeutete der Tag den letzten, an dem sie ihre Arbeit bei künstlichem Licht leisten mussten. Grund genug, den Nachmittag frei zu machen. Aber auch in der Bevölkerung gab es zahlreiche Bräuche, die heute verschwunden sind. Zu ihnen zählte der Mühldorfer Wachsmarkt. Mit Traunstein, Wasserburg, Eggenfelden und Pfarrkirchen soll er einmal zu den größten seiner Art in Südbayern gehört haben. Die kunsthandwerklich tätigen Wachszieher „der weiten Umgebung“ haben, wie der Mühldorfer Volksschullehrer Lorenz Strobl berichtet, früher die gut besuchten Wachsmärkte beschickt.

Ein Geschenk zum Dank fürs Aufbetten

Die fast vergessene Zunft der Wachszieher hatte sich mit den Bäuerinnen gut stellen müssen. Diese nämlich sollen es vor allem gewesen sein, die „um Sebastiani herum das von den Bienen gewonnene Wachs in `Pfadln` (Fladen oder Scheiben) zum Wachszieher“ gebracht haben, um „dafür gebleichtes Wachs, Lichterstöckl und Kerzen“ einzutauschen.

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Sogenannte Lichterstöckl aus Bienenwachs gehörten einst in jeden Haushalt, selbst in den wohlhabendsten – denn auch ein solcher verfügte im 19. Jahrhundert oft weder über Petroleum noch über Elektrizität. Er war „auf den Kienspan und die trüben, rauchenden Rapsölfunzeln angewiesen“. Und so zählten keineswegs nur arme Leut` zu den Kunden einer Wachszieherei, die meistens zugleich Lebzelterei war, also selbst produzierte Lebkuchen und Met verkaufte.

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Im Band XIX der „Blätter zur Geschichte des Inn- und Isengaues“ („Das Mühlrad“) verfasste „Volksschriftsteller“ Lorenz Strobl (1894 bis 1958) einem kurzen Beitrag. Er handelt „von Wachsziehern und Lebzeltern“.

Strobl berichtet, dass der Bauer an diesem Tag oft „seiner Bäuerin einen Lichterstock mit einem aufgeklebten Marienbild, das von einem Goldreifen umsäumelt war“, geschenkt hat. Der Knecht machte es dem Bauern einem seiner Dirndl gegenüber nach, um es „für das Aufbetten unterm Jahr“ zu entschädigen. Wenn es den Hof an Lichtmess verließ und zu einem anderen Brotgeber wechselte, gab er ihm einen Wachsstock in Hufeisenform als Glücksbringer mit.

Wachsstöckls in Buchform mit dem Andachtsbild der hl. Barbara. Gärtner

Wer heute einen Flohmarkt besucht und sich nach brauchtümlichen Wachs-Arbeiten aus alter Zeit umschaut, kann noch einen Fang machen. Es glückt ihm vielleicht, auf bunte gedrehte Wachsstöcke zu stoßen, in Buch- oder Knäuelform. Wenn er Glück hat, kriegt er gar einen der besonders bei reichen Bauern und Bürgern beliebten Bildnis-Wachsstock zu bekommen, schön eingepackt in einen Karton und in ein Papierspitzendeckchen gelegt. Kann sein, dass diese raren Objekte aus dem Fundus einer Wachszieherei stammen, wo es, wie Lorenz Strobl wusste, „wächserne Körbchen mit hauchzarten Wachsblumen und gold- und silberverzierte Schmuck- und Geschenkkerzen zu kaufen gab“.

Hufeisenförmige Wachsstöckl als Glücksbringer schenkte früher am Lichtmesstag der Knecht einer seiner bevorzugten Dirndln, namentlich dann, wenn dieses an diesem Tag den Hof verließ.

Mit dem Beil auf den „Zelten“ schlagen

Die Bauernjahrmärkte, auf denen auch die Lebzelter und Wachszieher ihren Stand hatten, sind längst Geschichte. Strobl kann noch von Holzstöcken mit Beil neben dem Marktstand reden, auf denen ein „großer Zelten“ lag: „Gegen ein Entgelt konnte man mit dem Beil auf denselben einschlagen. Wurde der Zelten genau in der Mitte geteilt, fiel er dem Schlagenden zu. Im andern Falle war das Einsatzgeld verloren. In der Hauptsache häufelten sich die Burschen um den `Zeltenblock`, die für ihre Dirndl den Preis gewinnen wollten“.

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Und Strobl erwähnt am Ende seines Aufsatzes den Wachszieher, Lebzelter und Konditor Blumschein von Neumarkt-St. Veit, der vom Jahr der Veröffentlichung seines Beitrags 1977 an gerechnet schon etliche Jahre zuvor „das 225-jährige Geschäftsjubiläum begehen“ konnte.

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