Vier Kandidaten, fairer Schlagabtausch

Diskutierten am Podium: (von links) Amtsinhaberin Sissi Schätz (SPD), Herausforderer Bernd Schneider (CSU), Moderatorin Heike Duczek, Wasserburger Zeitung, Kandidat Klaus Breitreiner (FWG) und Herausforderer Josef Hederer (PWG). Bauer

Haag – Die Podiumsdiskussion mit den vier Bürgermeisterkandidaten läutete im Stadel des Hofcafés den Endspurt des Haager Kommunalwahlkampfes ein.

In drei Stunden zeichneten die Kandidaten dem Wähler ein Bild ihrer politischen Ziele und persönlichen Vorstellungen.

Viele Zuhörer wurden in ihrer Wahlabsicht für den 15. März bestätigt, manche fanden erst jetzt ihren Kandidaten. Alle lobten den sachlichen, in den Augen einiger Gäste fast zu harmonischen Ablauf der gemeinsamen Veranstaltung von SPD, CSU, Parteifreier Wählergemeinschaft (PWG) und Freier Wählergemeinschaft (FWG) Haag.

Moderatorin Heike Duczek, leitende Redakteurin der Wasserburger Zeitung, lobte die Kandidaten und auch das „sehr disziplinierte Publikum“. Als gutes Zeichen wertete Heike Duczek die hohe Resonanz: Der Stadel war mit rund 250 Besuchern voll besetzt.

Schon zur Vorstellung war die Zeit nach Minuten limitiert. Das Los der Reihenfolge, gezogen von Hausherr Matthias Bachmeier, bestimmte Klaus Breitreiner, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, als ersten Redner. Er legte einen Akzent auf die Unterstützung des Gewerbes. Hier gebe es dringenden Handlungsbedarf. Bernd Schneider, Kandidat der CSU, will, dass im Gemeinderat wieder mehr die Sachlichkeit im Mittelpunkt steht. Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) belegte den ihrer Meinung nach kontinuierlichen Einsatz für Haag, der schon vor Jahrzehnten mit dem Kampf gegen die Mülldeponie begonnen habe. PWG-Chef Josef Hederer will sich bemühen, alle Lebensbereiche lebenswerter zu gestalten und den Dialog vom Rathaus zum Bürger zu intensivieren.

Gemeinde müsse Flächen vorhalten

Firmen würden aus Haag abwandern, die Gewerbesteuer sinke, monierte Klaus Breitreiner. Die Gemeinde müsse Flächen vorhalten und auch die Märkte in Schwung bringen, damit Haag als Einkaufsort gegen die Konkurrenz bestehen könne.

Die zu langen Verfahren – etwa beim Flächennutzungsplan – kritisierte Bernd Schneider, der ebenfalls vom Abwanderungstrend der Firmen sprach. Sie müssten motiviert werden, sich für den Standort Haag zu interessieren: „Warum funktioniert das in Kirchdorf?“

Sissi Schätz betonte, die Möglichkeiten für neue Gewerbeflächen in Haag seien angesichts der Landschaftsräume begrenzt. Sie plädierte für einen sparsamen Umgang mit den Flächen – auch aus Rücksicht auf die Landwirte. Oft scheitere die Verhandlung am Kaufpreis. Im Vergleich zu ähnlichen Kommunen stehe Haag mit der Gewerbesteuer gar nicht schlecht da, fand sie. Einen „gesunden Mix“ von Dienstleistung, Handel und Gewerbe will Josef Hederer verwirklichen. Die Attraktivität von Haag sei zu stärken: „Dann wächst Haag.“ Wachstum auf Teufel komm raus dürfe es aber nicht geben, so Hederer.

Der Bürger soll mitentscheiden

Zur Gestaltung des Ortszentrums sprachen sich alle vier Kandidaten für das Gespräch mit dem Bürger aus. Bernd Schneider empfahl, den Leerstand zu bekämpfen und auf die Eigentümer zuzugehen. Spontanen Applaus erntete er mit seiner Frage: „Was passiert mit dem Zeller?“ Josef Hederer will das „Herz von Haag“ zum Wohnzimmer gestalten, den Bräuhausplatz beleben, aber auch darauf achten, dass nach Haag hereingefahren werden kann. Bernd Schneider betonte, die Bedürfnisse der Geschäfte hätten Vorrang vor der Verkehrsberuhigung: „Wir brauchen keinen toten schönen Ortskern.“ Klaus Breitreiner setzt auf eine Entlastungsstraße an der B12. „Der Fahrplan steht, wir bekommen keine Fußgängerzone“, so Sissi Schätz. Unterschiedliche Ansichten gab es zur zukünftigen Nutzung des Zehentstadels: Der Integration eines Kinos erteilte Bernd Schneider eine Absage, der Aufwand sei zu groß.

Nicht alle stimmten Sissi Schätz zu, dass der Schlosshof „sehr gelungen gestaltet“ sei. Schneider drängte auf Fertigstellung, Breitreiner monierte die von „500 000 auf 900 000 Euro“ gestiegenen Kosten, Hederer forderte vorrangig die baldige Nutzung ein.

Ein heikles Thema spitzte Moderatorin Heike Duczek mit dem Hallenbad an: „Läuft es finanziell aus dem Ruder?“ Bürgermeisterin Sissi Schätz blieb gelassen: „Wir sind im finanziellen sowie zeitlichen Rahmen.“ Bernd Schneider bedauerte, dass die Alternative des neuen Standortes nicht ausreichend berücksichtigt wor-den sei. Klaus Breitreiner prophezeite eine Kostenexplosion. Werde er Bürgermeister, werde er die Kalkulation auf den Kopf stellen und notfalls einen Baustopp verfügen. Ein Neubau sei für ihn nach wie vor die beste Lösung.

Beim Themenkomplex „Bauen und Wohnen“ waren sich die Kandidaten ei-nig, dass mehr unternommen werden sollte. Sissi Schätz vertraut auf das eingeführte Ansiedlungsmodell, mit dem die Gemeinde günstigeres Bauen anbieten kann. Josef Hederer legt den Schwerpunkt beim Bauen auch auf energetische Versorgung: „Unsere Waldbauern könnten ein Heizkraftwerk versorgen.“ Ferner gelte es, alte Bestände wie Schul- und Pfarrhaus in Oberndorf zu nutzen. Abhilfe gegen sinkende Schülerzahlen verspricht nach Klaus Breitreiner nur stetes und moderates Wachstum. Vor einer Seniorengemeinde Haag warnte Bernd Schneider. Mit Umweltenergie müsse die Gemeinde Vorreiter sein und Vorgaben – etwa nach klimaneutralen Heizungen – auch in den Bebauungsplänen festschreiben, betonte er.

Seniorenkonzeptsoll erweitert werden

Eine „Tafel“ für Bedürftige warf Klaus Breitreiner beim Themenkomplex „Soziales und Kultur“ in die Debatte. Feste müssten künftig wieder mehr „von Haagern für Haager“ gestaltet werden. Es gehe nicht an, dass das Straßenfest mit viel Geld subventioniert werde und für das Haager Herbstfest fast nichts übrig bleibe. Mit einem Hort an der Schule und Ausweiten des Seniorenkonzeptes ist nach Sissi Schätz der Sozialbereich nachzurüsten. Josef Hederer will das „hohe Niveau der Lebensmittel in Haag“ halten, er setzt auf regionale Lebensmittelangebote und verwies auf das Erfolgsmodell des Bauernmarkts.

Forian Haas hob nach drei Stunden die Anzeige: Die Zeit war um. Die Gäste suchten danach noch das persönliche Gespräch mit den Kandidaten.

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