Wie viel Hoffnung gibt es für lärmgeplagte Anwohner an der neuen A94?

Die dunklen Wolkenüber dem Weiler bei Frauenornau stehen symbolisch für die Situation vieler Anwohner entlang der neuen A 94. Wo früher Kühe, Vögel und ab und zu ein Auto zu hören waren, dröht jetzt Tag und Nacht der Verkehr. fib/Eß
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Die dunklen Wolkenüber dem Weiler bei Frauenornau stehen symbolisch für die Situation vieler Anwohner entlang der neuen A 94. Wo früher Kühe, Vögel und ab und zu ein Auto zu hören waren, dröht jetzt Tag und Nacht der Verkehr. fib/Eß

Seit der Eröffnung der A94 zwischen Heldenstein und Pastetten klagen Anwohner über eine hohe Lärmbelastung. Wo früher nur Kühe, Vögel und mal ein Auto zu hören waren, dröhnt jetzt die Autobahn von Mühldorf nach München. Die Autobahndirektion prüft alle Beschwerden - und zieht eine erste Bilanz.

Mühldorf –  Die Autobahndirektion geht derzeit allen Beschwerden über eine zu hohe Lärmbelastung der neuen Autobahn A 94 nach. Das sagte Sprecher Josef Seebacher jetzt auf Anfrage. Das gilt sowohl für mutmaßliche Lücken im Lärmschutz als auch für den in weiten Teilen verwendeten lärmmindernden Fahrbahnbelag, oft Flüsterasphalt genannt.

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Lautstark waren die Proteste vieler Anwohner rund um Schwindegg und Obertaufkirchen, die in den letzten Tagen ihrem Unmut über den Lärm Autobahn Luft gemacht und sich an den Mühldorfer Anzeiger und heimische Politiker gewandt. Diesen Protesten gehe die Autobahndirektion als staatliche Behörde derzeit nach, betont Seebacher: „Wir nehmen jeden einzelnen Hinweis sehr ernst, wir prüfen jede Einwendung sehr genau.“

Lärmschutz mit Lücken?

Im Zentrum steht Kritik an den Lärmschutzwänden und der sogenannte Flüsterasphalt, beide Schutzmaßnahmen bieten nach Ansicht betroffener Anwohner keine ausreichende Lärmminderung. Mitarbeiter der Autobahndirektion seien in den vergangenen Tagen mehrfach unterwegs gewesen, um Übergänge an Brücken, mutmaßliche Lücken in der Schallschutzwand oder fehlende Wälle zu überprüfen.

Auch der lärmmindernde Asphalt werde geprüft, die erste Kontrolle sei bereits durchgeführt, eine zweite stünde vereinbarungsgemäß im Frühjahr an. „Diese Überprüfung ist im Planfeststellungsbeschluss festgelegt.“

Das gilt auch für die Länge des Abschnitts, in dem diese spezielle Schicht verwendet wurde. 20 Kilometer ist sie lang und damit auf knapp zwei Dritteln der Strecke als Straßenbelag aufgebracht, der laut Seebacher eine Lärmminderung von mindestens drei Dezibel erreicht.

Obwohl die Prüfungen noch laufen, geht Seebacher davon aus, dass sich die Isental GmbH als Bauherr an die Vorgaben des Planfeststellungsbeschluss gehalten hat. „Nach unserer Ersteinschätzung ist alles ordnungsgemäß gebaut.“ Sollte sich herausstellen, dass Maßgaben des Planfeststellungsbeschlusses verletzt worden seien, würden sie nachgebessert.

Helfen Schwindegg und Obertaufkirchen?

Sollte es aber alles den Vorgaben entsprechen, kann er den Anwohnern wenig Hoffnung machen. Wenn die Vorgaben aus de Bundesimmissionsschutzgesetz eingehalten worden seien, werde der Staat keine weiteren Maßnahmen zum Schutz der Anwohner ergreifen.

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Das könnten nur die Kommunen tun, Obertaufkirchen und Schwindegg sind im Landkreis am stärksten betroffen tun. Seebacher verweist auf Gemeinden im Großraum München, die für ihre Anwohner mehr Lärmschutz wünschten, den aber auch selbst bezahlen müssten.

Wo Ruhe herrschte, ist es jetzt laut

Seebacher weiß um die bisherige Ruhe in diesem Bereich. „Es kommen Beschwerden von Menschen die 500 Meter oder einen Kilometer entfernt wohnen.“ Dort sei jetzt ein Grundrauschen zu hören, „weit unterhalb der Grenzwerte“. Die werden nicht gemessen, sondern nach mathematischen Daten berechnet. Eine Messung sei weder vorgesehen noch sinnvoll, da unterschiedliche Verhältnisse wie Windrichtung, Bewuchs oder Temperatur die Werte veränderten.

Für die einzelnen Weiler im sogenannten Außenbereich sei bereits besserer Lärmschutz gebaut worden als gesetzlich vorgesehen, betonte der Sprecher der Autobahndirektion. Es seien die strengeren Werte für Mischgebiete angewendet worden, obwohl das nicht gesetzliche Vorschrift sei.

Im Funkloch

Entlang des neuen Autobahnstücks geht manches Telefongespräch verloren. Während Telekom-Nutzer fast durchgehend, wenn auch streckenweise mit schlechter Empfangsqualität, telefonieren können, schauen Vodafone-Nutzer auf einigen Abschnitten mit dem Ofenrohr ins Gebirg. Auch Autobahndirektionssprecher Josef Seebacher kennt das Thema: „Wir benutzen immer noch Betriebsfunk, weil wir sonst unserer Leute nicht erreichen.“ Für die ausreichende Abdeckung seien die Mobilfunkanbieter zuständig, die Lücken entlang der Strecke aber leider kein A-94-Problem. „Das haben wir an vielen Autobahnen.“

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