Vor 25 Jahren wiederaufgebaut

Viel Arbeit in kirchliches Kleinod gesteckt: Fünf-Wunden-Kapelle bei Kraiburg wird renoviert

Das Dach der Fünf-Wunden-Kapelle ist wieder dicht. Andre Soballa (von links), Maik Huml, Sepp Auer, Robert Berger und Dominik Stenger vom Zimmererverein freuen sich über die gelungene Arbeit.  Meling
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Das Dach der Fünf-Wunden-Kapelle ist wieder dicht. Andre Soballa (von links), Maik Huml, Sepp Auer, Robert Berger und Dominik Stenger vom Zimmererverein freuen sich über die gelungene Arbeit. Meling

Sie ist ein heimatliches Kleinod, das seit über 150 Jahren tief im Bewusstsein vor allem der gläubigen Bevölkerung seinen Platz hat: die Fünf-Wunden-Kapelle in Kraiburg. Vor 25 Jahren wurde das Kirchlein wiederhergestellt. Jetzt steht erneut eine Renovierung an.

von Georg Meling

Kraiburg – Die Kapelle zwischen Kraiburg und Ensdorf steht über einem Bach, der sich in den Berghang eingegraben hat und zur früheren Kumpfmühle fließt. Sie ist wohl im Jahr 1860 errichtet worden (siehe Infokasten).

Der einzige schriftliche Hinweis ist in der „Statistischen Beschreibung des Erzbistums München-Freising“ 1880 zu finden: „Auf dem Fußweg von Kraiburg nach Ensdorf ist eine schöne Grotte bemerkenswert, in welcher ein Crucifixbild, dessen fünf Wunden Wasserstrahlen entströmen, wie dies ja eine früher häufig gewählte schöne Benutzung der großen Erlöseridee für Brunnen war. Das frommgläubige Volk hat die Grotte mit vielen Votivbildern geschmückt.“

Kapelle durch private Initiative gerettet

An der alten Holzkapelle nagte der Zahn der Zeit und so war sie schon stark verwahrlost und dem Verfall preisgegeben, als sich 1995 auf Initiative von Alois Schmalhofer der Verein für Heimatpflege, der Grundbesitzer, die Gemeinde, private Personen, Firmen und Banken durch Arbeitsleistungen und großzügige Spenden bereit zeigten, die Kosten von 13 000 Mark für die grundlegende Renovierung zu übernehmen.

Viele helfende Hände

Vor allem dem selbstlosen Einsatz des Zimmerers Josef Manstetter war es zu verdanken, dass die Kapelle damals fachkundig wiederhergestellt wurde. Alois Schmalhofer reinigte und renovierte viele alte Votivtafeln. Hans Mühlbauer installierte wieder die Kreuzdarstellung in der Grotte.

Franz Stenger hat sich der Renovierung angenommen

Nach 25 Jahren stellte nun Franz Stenger senior von der gleichnamigen Holzbaufirma fest, dass die Dachverkleidung erneut unter der Witterung gelitten hat. Stenger beschaffte neue Holzschindel aus Obing. Im Zimmererverein fand er Unterstützer, die in zweitägiger Arbeit das Dach komplett sanierten.

Doch damit ist für Franz Stenger die Arbeit noch nicht getan. Er will nun auch das Innere der Holzkapelle restaurieren lassen. Aus dem „Fünf-Wunden-Kreuz“ fließt nur noch teilweise Wasser, die Tuffsteine der Grotte sollen sauber gemacht werden. Auch die großteils stark verrosteten Votivtafeln will er so weit möglich herrichten lassen. „Das ist meine persönliche Angelegenheit“, sagt er und macht damit auch klar, wer die Kosten tragen wird.

Bei der Stützmauer gibt es Probleme

Der Kulturkreis Kraiburg hatte sich zudem bereit erklärt, die Treppenstufen und das Geländer des Aufgangs zur Kapelle herzurichten und sicherer zu machen. Da ist den Verantwortlichen des Kulturkreises dann aber das Sicherheitsrisiko, das dann auf den Verein übergehen würde, zu groß.

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Es müsste eine Stützmauer errichtet werden und der Weg über den Hang in einer Schleife zur Kapelle führen. Da aber spielt bislang die Erbengemeinschaft der Grundbesitzer nicht mit.

Die Geschichte der Fünf-Wunden-Kapelle

Erbaut haben soll die Holzkapelle der Kraiburger Bürger und Apotheker Josef Lerch um das Jahr 1860. Es war die Einlösung eines Gelübdes für die Heilung seines kranken Sohnes. Von den weit über 300 angesammelten Votivgaben stammt die älteste Tafel aus dem Jahr 1861. An den Wänden sollen noch nach dem letzten Krieg Erinnerungstäfelchen angebracht gewesen sein, deren Jahreszahl bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Deshalb könnte die „Wallfahrtskirche“ in ursächlichem Zusammenhang mit der benachbarten Wallfahrt Fisslkling stehen.

Um die Wallfahrt „Zum gekreuzigten Heiland in der Fisslkling“ würdiger zu gestalten, richtete man an der Straße dorthin Kreuzwegstationen ein. Ausgangspunkt für den Kreuzweg war die inzwischen abgebrochene Mühlecker-Kapelle am Nussbichl. Der Weg folgte dann der Straße nach Ensdorf bis kurz vor dem Sachsen- oder Fischerschlössl und ging dann am Hang entlang neben dem Bach weiter bis zu den drei Kreuzen am Kalvarienberg in Fisslkling.

Der Volksglaube hängt an der Wunderkraft der Quelle, die hier in einer künstlichen Felsgrotte ihren Ursprung hat und sich in leise plätschernden Strahlen aus den fünf Wunden des Gekreuzigten ergießt. Nach Überlieferungen pflegten die Besucher sich die Augen mit dem Wasser zu benetzen, um sich gegen allerlei Anfälligkeiten zu feien. Andere tranken das Wasser wie ein Heilmittel.

Für eine gute Schneid bei der Heumahd

Aufzeichnungen gemäß sollen besonders am Gründonnerstag hier die Bauern der weiten Umgebung sogar ums „Kumpfwasser“ gegangen sein. Vor der Heumahd und vor dem Getreideschnitt füllten sie damit ihren „Kumpf“ (Wetzsteinbehälter) und tauchten den Wetzstein ein, damit die Sense „a guate Schneid“ bekam und die Ernte gut ausfiel. Bis in die 1950er-Jahre wurde dieser Brauch gepflegt.

Wie hoch Fisslkling, der Kreuzweg und die Fünf-Wunden-Kapelle in der Gunst vieler Gläubiger standen, zeigt ein zeitgenössischer Bericht, „daß an manchen Tagen die Straße von Kraiburg nach Ensdorf schwarz vor Menschen war“. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam die Wallfahrt fast gänzlich zum Erliegen. Die Kapelle verwahrloste.

Nach der grundlegenden Renovierung und Neugestaltung 1996 sowie der Wiederherstellung des alten Wallfahrtsweges und der Aufstellung von sieben neuen Kreuzwegstationen wurden Kapelle und Kreuzweg am Gründonnerstag 1996 bei heftigem Schneetreiben durch Pfarrer Josef Hamberger wieder eingeweiht.

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