Vereinsarbeit öffnet Türen: Wie sich die Hoffmanns aus Dresden in Waldkriaburg integriert haben

Sind im Landkreis angekommen: Astrid und Jan Hoffmann.
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Sind im Landkreis angekommen: Astrid und Jan Hoffmann.

Vereinsleben öffnet Türen. Besonders in das gesellschaftliche Leben. Davon sind Astrid und Jan Hoffmann überzeugt. Das Ehepaar aus Waldkraiburg kam direkt nach der Wende aus Dresden in den Landkreis, weil der gelernte Werkzeugmacher Arbeit suchte; seine damals 18-jährige Freundin und heutige Frau zog nach.

Waldkraiburg – Der Liebe wegen sei sie aus der großen Stadt in das „oberbayerische Nirgendwo“, zunächst nach Kraiburg, gezogen, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Anfangs war es nicht zum Lachen

Wobei die Erinnerungen an die erste schwere Zeit für die Zuzügler aus den neuen Ländern, die noch argwöhnisch angesehen wurden, nicht unbedingt zum Lachen sind. Besonders für Astrid, die als einzige Schreinerin in einem Betrieb in Neumarkt-St. Veit nicht nur mit dem Dialekt zu kämpfen hatte. „Wir gaben uns fünf oder zehn Jahre. Jetzt sind daraus 30 geworden und wir sind angekommen.“

Darum sind sie geblieben

Warum die Hoffmanns geblieben sind? Vereine und Ehrenamt! Über die Arbeit Kontakt zu Kollegen finden, das war besonders für Jan kein Thema. Nach einer Weiterbildung und einigen Karrieresprüngen ist er heute Konstruktionsleiter in einer Trostberger Firma. Alles gut. Andererseits hat er gelernt, dass hier das kollegiale Beisammensein – im Gegensatz zur alten Heimat – „am Gartenzaun aufhört“. Die Bayern seien eben mehr unter sich. Wenn man sich allerdings ehrenamtlich engagiere, komme auch die soziale Einbindung. Auf den Verein gekommen ist er 1995, als er seinen Sozialdienst im Schullandheim Obermeierhof in Jettenbach absolvierte. Er ist geblieben und heute Vorsitzender.

„Sport war keine Frage des Geldes“

Da war noch lange nicht Schluss! Organisieren und Improvisieren – Talente, die in der Vereinsarbeit grundlegend sind – haben die Hoffmanns in der DDR gelernt. Da habe man auch manchmal aus nichts etwas basteln müssen. Als Tochter Michelle (13) zum Schwimmen in den VfL kam, waren die Eltern mit von der Partie – mit dem Ergebnis, dass sich beide jetzt im Vorstand der Schwimmabteilung Piranhas engagieren. Da kann Astrid als ehemalige Leistungs-Skilangläuferin in der DDR am besten mitreden – auch wenn Gatte Jan den Vorsitz hat. „Sport war überall. Die Vereinsarbeit wurde staatlich über die Betriebe geregelt.“

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Der Leistungsdruck samt Doping war allgegenwärtig. Trotzdem sehen die Hoffmanns auch Positives. „Man war sozial eingebunden. Abgesehen davon war Sport keine Frage des Geldes.“ Heutzutage müsse man es sich leisten können, sein Kind sportlich zu fördern. Und da kommt wieder der Verein ins Spiel. Klinkenputzen bei Sponsoren und Förderern, das sei das tägliche Geschäft. Aber für ihre Wasserratten sind sich die Hoffmanns nicht zu schade, viel Freizeit zu opfern – auch wenn sie schon längst angekommen sind und den Verein nicht mehr als Sprungbrett brauchen. pet

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