Seit 150 Jahren

Vaterländisches Symbol wurde zum Naturdenkmal: Mächtige Eiche in Kraiburg feiert Jubiläum

Ein Naturdenkmal feiert Jubiläum: Seit 150 Jahren ist die Eiche ein stiller Begleiter der Kraiburger. Manchen fällt der beeindruckende Baum am Rande der Guttenburger Straße im Ortskern gar nicht auf. Meling
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Ein Naturdenkmal feiert Jubiläum: Seit 150 Jahren ist die Eiche ein stiller Begleiter der Kraiburger. Manchen fällt der beeindruckende Baum am Rande der Guttenburger Straße im Ortskern gar nicht auf. Meling
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Sie steht für eine wechselvolle Geschichte: die Eiche in der Guttenburger Straße in Kraiburg. Einst war sie ein Symbol des Nationalismus. Heute ist sie ein beeindruckendes Naturdenkmal mitten im Ort.

Kraiburg – Seit genau 150 Jahren steht eine mächtige Eiche an der Guttenburger Straße in Kraiburg. Ursprünglich wollte die Ortsgruppe des Bund Naturschutz dieses Jubiläum eines Naturdenkmals mit einem großen Fest zu feiern. Doch jetzt ließen sich die Naturschützer etwas anderes einfallen.

Lieder und Sekt zum runden Geburtstag

Sie unternahmen einen Rundgang zu acht markanten Bäumen im Ortskern von Kraiburg. Dabei erzählte Ökologin Christine Herfort Interessantes und Wissenswertes zur Biologie, Mythologie, Heilkunde und zum Brauchtum rund ums Thema Bäume. Höhepunkt der Tour war die beeindruckende Eiche. Durch ihren Standort am Rande der Straße fällt sie vielen Leuten nicht auf. Dabei ist am Stamm ein Schild angebracht. Demnach wurde die Eiche 1870 „aus Anlass der Wiedereingliederung von Elsaß-Lothringen in das Deutsche Reich gepflanzt“.

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Für eine musikalische Würdigung des Naturdenkmals sorgte das Ensemble Vocabile Kraiburg, das auf dem Marktplatz vor dem Bischof-Bernhard-Haus Baum- und Naturlieder zum Besten gab. Die Zuhörer und Sänger konnten mit einem Glas Sekt auf die alte Eiche anstoßen. Neben der Info-Tafel am Baumstamm ist auch ein Geburtstagsgruß des Bund Naturschutz sowie das Zeichen „Naturdenkmal“ angebracht.

Zur Erinnerung an den Sieg über Frankreich und die Reichsgründung gepflanzt

Die Eiche in der Guttenburger Straße erinnert an einen siegreichen Krieg, der viele Deutsche in einen nationalen Taumel stürzte, den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Endlich war der Erbfeind besiegt worden, Deutschland ein einig Vaterland, größer und reicher als zuvor, und Elsaß-Lothringen wurde Teil des Deutschen Reichs. Als unmittelbare Folge des Krieges wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser proklamiert.

Nicht allen Bayern hat zwar geschmeckt, dass die Reichsgründung ausgerechnet unter preußischer Führung passierte. Doch wie das Beispiel Kraiburg zeigt, hat man sich auch im Süden des Reiches dem deutschnationalen Begeisterungssturm nicht entziehen können und wollen.

Wie hier so wurden auch in vielen anderen Orten Eichen, die als die „teutschesten“ aller Bäume galten, zur Erinnerung gepflanzt. Und Jahr für Jahr wurde dieses militärischen Sieges gedacht, vor allem das kaisertreue Bürgertum, Adel, Militär und Beamtenschaft pflegten die vaterländischen Feste mit einem Überschwang, der den Deutschen heute, nach zwei verlorenen Weltkriegen, vollkommen fremd ist, so wie die deutsch-französische Konfrontation, die längst einer engen Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union gewichen ist.

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