Debatte im Gemeinderat

„Unsere Baustellen kennen wir“: Warum Aschau nicht dem Energieeffizienznetzwerk beitritt

Energieeffizienz, zum Beispiel bei der Gebäudedämmung,  ist für viele Gemeinden ein wichtiges Thema. Auch in Aschau, dessen Gemeinderat aber nicht die Beratungsdienste des Energieeffizienznetzwerks in Anspruch nehmen will.
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Energieeffizienz, zum Beispiel bei der Gebäudedämmung, ist für viele Gemeinden ein wichtiges Thema. Auch in Aschau, dessen Gemeinderat aber nicht die Beratungsdienste des Energieeffizienznetzwerks in Anspruch nehmen will.

Die Gemeinde Aschau beteiligt sich nicht am kommunalen Energieeffizienznetzwerk, dessen Gründung im Landkreis vorbereitet wird. Im Gemeinderat wurden eine ganze Reihe von Gründen laut, die aus Sicht der Kommunalpolitiker gegen einen Beitritt sprechen.

von Jessica von Ahn

Aschau– Das Konzept des Instituts für Systematische Energieberatung (ISE) hatte das Gremium nicht überzeugt. Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) dauert es zu lange, bis es von der Erfassung und Besichtigung der gemeindlichen Liegenschaften in die Umsetzungsphase von konkreten Einsparungsprojekten geht. Einstimmig hat sich der Gemeinderat gegen den Beitritt ausgesprochen.

Beraterfirma stellt alternatives Konzept vor

Zuvor hatte Helmut Rischka einen anderen Dienstleister, das Unternehmen Veit Consulting, vorgestellt, das ebenfalls in Sachen Energieeffizienz berät: Für Neu- und Umbauten der Gemeinde gibt es enorme Fördermöglichkeiten, die Rischka detailliert vorstellte. „Deren Komplexität ist so hoch sein, dass eine Gemeinde ohne Hilfe keinen Überblick mehr erhalten kann.“ Das Unternehmen berate daher Gemeinden bei möglichen Einsparpotenzialen, suche Fördermöglichkeiten heraus und helfe beim Beantragen der Zuschüsse. Zudem unterstütze es einen künftigen Klimaschutzmanager der Gemeinde, der möglichst beim Bauhof oder Liegenschaftsangelegenheiten anzusiedeln sei.

UNternehmen rät dazu, einen Klimamanager einzustellen

Dritter Bürgermeister Ernst Doleschal und Thomas Wintersteiger (beide CSU) fragten, ob das Ingenieurbüro vor der konkreten Umsetzung eines Projekts auch berate, welche Maßnahmen möglich seien. Dazu Rischka: Sein Unternehmen berate zwar umsetzungsorientiert, aber auch zu Energieeffizienzmöglichkeiten ausgewählter Liegenschaften.

Daniela Reingruber (CSU) erkundige sich, ob der Klimamanager Rechenschaft ablegen müsse. Der Vertreter der Beratungsfirma verneinte dies. „In den ersten beiden Jahren nach seiner Einführung, kann er sich in die Liegenschaften einarbeiten und eine CO2-Bilanz erstellen.“ Diese Bilanz würde sein Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Klimamanager erarbeiten.

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Barbara Bischoff (AWG) interessierte, welche Ausbildung der Klimamanager mitbringen müsse. „Die meisten Gemeinden setzen jemanden ein, der eine kommunale Ausbildung einer Verwaltungsfachschule abgeschlossen hat“, so Rischka. Bei einem Personalwechsel des Bauamtsleiters oder Kämmerers stehe eventuell eine Person zur Verfügung. Auch ein Polier, der nicht mehr auf der Baustelle arbeiten könne, biete sich als Klimamanager an. Ob die Gemeinde eine Zusammenarbeit mit der Consultingfirma sucht, darüber wurde nicht entschieden.

Der Beitritt zum kommunalen Energieeffizienznetzwerk, das in einer vorangegangenen Sitzung vorgestellt worden war, ist dagegen vom Tisch. Bürgermeister Christian Weyrich sieht keine keine Vorteile: „Unsere Baustellen kennen wir. Wir brauchen Unterstützung bei der Umsetzung.“ Die von dem Netzwerk vorgesehene Planung über drei Jahre sei ihm zu langwierig.

Gemeinderäte wollen flexibleres Modell

Martin Höpfinger (SPD) sieht es ähnlich und hält den Zeitplan zu starr. Alexandra Kutschera (Bündnis Aschau) gefällt der Ansatz des Netzwerks. Sie bezweifelt aber, dass die dazugehörigen Netzwerktreffen aufgrund der Corona-Pandemie stattfinden. Kutschera wünscht sich ein Modell, dass flexibler sei und besser auf die Bedürfnisse der Gemeinde zugeschnitten.

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