Nach dem Mangel: Das THW Mühldorf organisiert die Verteilung von Schutzausrüstung

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  • Markus Honervogt
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Auch nach Wochen der Corona-Krise ist Schutzausrüstung gefragt. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Mühldorf organisiert das THW die Verteilung. Dabei hat sich in den letzten Wochen viel verändert.

Mühldorf – Die Corona-Lage entspannt sich, das zeigt sich auf dem Hof des Technischen Hilfswerks (THW) in Altmühldorf. Anders als in den ersten Wochen fahren Autos heute mit großem zeitlich Abstand vor, passieren den Checkpoint am Hofeingang und halten vor der offenen Halle.

Schutzausrüstung nur mit Mundschutz abholen

Dr. Andrea Schöttler-Glas ist eine der ersten Kundinnen. Die Homöopathin und Kinderärztin aus Ampfing geht mit einem Din-A-4-Blatt in der Hand und vorschriftsmäßigem Mundschutz auf den Biertisch zu, der vor der offenen Halle steht. Balthasar Reinhard und Thomas Heller überprüfen die Positionen auf dem Zettel, gehen zu den großen Kartons in der Halle und füllen eine blaue Tüte: medizinischer Mundschutz, Plastik-Handschuhe, Schutzkittel: Das THW betreibt den zentralen Umschlagplatz für Schutzausrüstung im Landkreis.

Über 1000 Einsatzstunden

Seit sechs Wochen wechseln sich 45 Ehrenamtliche jeden Abend ab, um Arztpraxen, Sozialdienste und Altenheime auszustatten. „Wenn es sein muss, fahren wir die Sachen auch aus“, sagt THW-Sprecher Andi Gölkel. Im Regelfall aber kommen die Vertreter der Einrichtungen auf den Hof des Hilfswerks gefahren.

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Zu Beginn der Corona-Krise ging es anders zu: Dutzende Autos warteten, die ersten schon vor der Öffnung um 18 Uhr, bis zu 80 Abholer am Abend. Denn Schutzausrüstung war knapp. „Der Bedarf war weit größer als das Angebot“, sagt Daniela Obermeier, im Landratsamt für die Beschaffung von Hilfsausrüstung zuständig. Landrat Max Heimerl spricht von Mangelverwaltung. „Jetzt gibt es Strukturen, es ist genug da“, betont er.

Kein Angebot für Privatleute

Das Landratsamt organisiert das Schutzmaterial und entscheidet, wer was bekommt. Nur, wer einen Ausgabenachweis des Landratsamt vorlegt, bekommt Schutzbrillen oder Desinfektionsmittel. Berechtigt, das betont Landrat Heimerl, sind aber nur Praxen und Hilfsdienste, Privatleute können sich beim THW nicht versorgen.

"Die Leute sind froh"

Auf über 1000 Einsatzstunden sind die THW‘ler in den letzten Wochen gekommen, um in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt die Versorgung mit Sicherheitsausrüstung zu gewährleistern. „Die Leute sind froh, dass sie was abholen können“, sagt stellvertretender Ortsbeauftragter Andreas Herrmann.

Führungsaufgaben und die Versorgung mit Nachschub im Katastrophenfall gehören zu den Kernaufgaben des Mühldorfer THW, berichtet Zugführer Robert Barth. Entsprechend gut ist die Ausstattung des Hilfewerks mit Material, Autos, technischem Gerät. Damit sind die Mühldorfer auch überregional bei großen Einsätzen unterwegs.

Die häufen sich in den letzten Jahren, sagt Zugführer Bark. Moorbrand in Meppen, Einsätze bei der Schneekatastrohe vor einem Jahr, Hochwasser in Simbach. Oft sind die THW‘ler tagelang unterwegs, eine hohe Belastung für die Ehrenamtlichen und ihre Arbeitgeber.

Entspannte Stimmung bei der Ausgabe

Diese Belastung sieht man den Helfern Reinhard und Heller nicht an. „Wir sind froh, dass wir helfen können. Und die Leute, dass sie Hilfe bekommen“, spricht Heller von einer „entspannten Stimmung, bevor er mit dem Gabelstapler große Kanister mit Desinfektionsmittel palettenweise heranfährt. Auch sie gehören zum Nachschub für Altenheime oder große Sozialeinrichtungen.

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Laufende Inventur durch Landratsamt Mühldorf

Daniela Obermeier überprüft ein ums andere Mal auf ihren Listen, welche Schutzausrüstungen an diesem Abend verteilt werden. Immer wieder kommt sie die Mitarbeiterin des Landratsamts während der Ausgabezeit zu den Ehrenamtlichen des THW, um Inventur zu machen und so die Versorgung mit Schutzausrüstung sicher zu stellen.

Die Helfer an diesem Abend sich sich einig: Es ist noch nicht vorbei, die Arbeit geht weiter. THW-Sprecher Gölkel beruhigt aber, dass seine Organisation diese Aufgabe noch einige Zeit wahrnehmen kann: „Wir sind auf lange Lagen vorbereitet.“

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