Überleben nur dank Freunden - So meistert Mühldorfer Zirkus die Corona-Krise

Im Stall Foto Petzi
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Im Stall beim Circus Carl Brumbach.
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    vonNicole Petzi
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Der heimische Circus Brumbach sitzt auf unabsehbare Zeit in auf einem Sportplatz Julbach fest. Dort hätte er Anfang März spielen sollen. Dann kam Corona. Die Zirkusleute aus Mühldorf und Waldkraiburg haben wenig Hoffnung, dass sie bald wieder auftreten dürfen. Damit beginnt der Kampf ums Überleben.

Mühldorf/Julbach – Manege frei! Das hieß es im heimischenCircus Carl Brumbach erst ein einziges Mal seit der Winterpause. Nach dem Gastspiel in Emmerting und dem Beginn der Corona-Einschränkungen sitzen die 17 Mitarbeiter des Mitmachzirkus in ihren Wohnwagen neben dem Sportplatz in Julbach fest, wo sie eigentlich hätten auftreten sollen. Auch 20 Tiere warten auf Gäste. Die dürfen aber vor dem 31. Oktober auf keinen Fall kommen.,

Seitdem bleibt die Kasse leer, die Kosten laufen weiter, erzählt Stefanie Frank. Staatliche Hilfen: Fehlanzeige. Bisher. Aber Frank und Danny Brumbach, die beiden Zirkus-Leiter, haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Und sie sitzen auf gepackten Zelten. Warten auf den Startschuss.

Die Tiere dürfen nach Herzenlust grasen

„Wenigstens lässt uns die Gemeinde hier an Ort und Stelle bleiben. Und das ohne Platzmiete. Die Tiere können auf der Koppel nach Herzenslust grasen und werden immer fülliger.“ Zirkusdirektor Danny Brumbach schmunzelt. Sein Blick geht aufmunternd zu Lebensgefährtin Stefanie. Den Humor nicht verlieren. Nicht ganz leicht, wurden sie doch mit dem Auftrittsverbot gerade in der Hauptsaison zwischen März und September „kalt erwischt“.

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Den Winter hatte der Circus wie schon häufiger auf dem Parkplatz des Kingdom Parcs in Mühldorf verbracht und dort unteranderem zugunsten der OVB-Spendenaktion gebracht. Dann begann die Frühjahrstournee, die so abrupt endete.

Im Stall beim Circus Carl Brumbach.

„Natürlich haben wir Verständnis für die Entscheidung. Das ist kein leichter Job“, sagt Stefanie Frank, die allerdings bemängelt, dass Künstler oder Zirkustruppen kaum auf dem Schirm der Verantwortlichen seien – im Gegensatz zur Fußball-Liga. „Wer definiert schon, was systemrelevant ist?“

Schon viele Krisen durchgestanden

Krisen durchgestanden hat der Familienbetrieb seit 1846 in bereits siebter Generation, so manche. Durststrecken wie die Finanzkrise habe man stets selbst meistern können. Wenn das Zirkuszelt mit den rund 400 Plätzen nicht so gut besucht war, trat man in den Seniorenheimen oder in Kindergärten auf. Um den traditionellen Zirkusbetrieb am Laufen zu halten, müsse man sich eben etwas einfallen lassen – auch ohne Corona-Krise.

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Zum Beispiel der Mitmachzirkus. „Das bedeutet, dass wir regelmäßig in die Schulen gehen und die Kinder unterrichten“, erklärt Stefanie. Eine Woche lang können Nachwuchsclowns, -jongleure oder -akrobaten in die Zirkusarbeit hinein schnuppern und das Gelernte aufführen. Auch das ist derzeit tabu. Eine ungewohnte Situation, auch für die jungen Brumbach-Artisten wie die 16-jährige Tochter Liliana, die sich sonst in der Manege durch die Lüfte schwingt. Sie übt derzeit neue Akrobatik-Nummern ein; der zehnjährige Miguel darf sich ganz aufs Lernen konzentrieren.

Nicht nur Menschen vermissen Applaus

Und das mehrere Wochen am Stück an nur einer Schule. Auch eine neue Erfahrung – ist doch der Wanderzirkus sonst bayernweit auf Tournee und nie lang an einem Ort.

Und was machen die Tiere? Die scharren derzeit nicht nur sprichwörtlich mit den Hufen. Anstatt mehrmals am Tag in Bewegung zu kommen und aufzutreten, lassen es sich Kamel Ivan und seine tierischen Mitstreiter das Lama, die Ponys und Ziegen im zum Stall umfunktionierten Zelt oder auf der Weide gut gehen, während die Brumbachs die Zeit nicht nur für Trainingseinheiten, sondern auch für aufgeschobene Reparaturen nutzen.

Futterspenden helfen zu überleben

Keine Zeit, um den Kopf in den Sand zu stecken. Wobei: Dem Applaus-hungrigen Ivan fehle der Zirkusbetrieb schon ganz besonders. „Unser Star muss wirklich bei Laune gehalten werden!“ Danny Brumbach lacht. Aber eigentlich fehle es den Tieren an nichts. Dank den vielen Futterspenden von Zirkus-Fans. „Ohne diese großzügige Unterstützung würden wir nicht durchhalten. Wir freuen uns wirklich über alles, was uns die Menschen vorbeibringen.“

Und jetzt, wo es schon Lockerungen des Kontaktverbots gibt, könnten die ein oder anderen ‚Gäste‘ am Julbacher ‚Zirkusplatz‘ gerne auch die Tiere besuchen. Wenn schon kein Zirkus, dann doch wenigstens ‚Streichelzoo‘!

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