Über 700 Bürger fordern Planungsstopp der B15 neu – Einwendungen jetzt übergeben

Gisela Floegel hat die Einwände von mehr als 700 Bürgern gegen die B15neu übergeben

Mehr als 700 Privatleute haben ihre Bedenken gegen den Bau der Straße eingereicht. Das teilte die Initiative „Stopp B15 jetzt“ mit. Die Anwohner zwischen Haag und Landshut fürchten eine höhere Verkehrsbelastung und mehr Lärm. Sie verweisen auch auf die Erfahrungen der Anwohner an der neuen Autobahn A94.

Mühldorf/Schwindegg – Fristgerecht Ende Mai haben mehr als 700 Bürger ihre Einwendungen gegen das erste Teilstück der B 15 neu südlich der Autobahn A 92 eingereicht. Das teilte die Initiative „Stopp B 15“ jetzt mit.

Hunderte persönliche Einwendungen sind nach Angaben der Initiative zusammengekommen, die Betroffene aus rund 60 Gemeinden in den Landkreisen Landshut und Mühldorf formuliert und unterschrieben haben. Sie fürchten die höhere Verkehrsbelastung und um ihre Lebensqualität. Die Einwender leben entlang der Trasse der B15 neu zwischen Rosenheim und Landshut, die in verschiedenen Varianten in der Vergangenheit von Planern und Politik diskutiert worden ist. Im Landkreis Mühldorf sind vor allem Obertaufkirchen und Schwindegg betroffen.

Anwohner fürchten Dammbruch

In zwei dicken roten Ordnern hat Gisela Floegel, die Vorsitzende der Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der Trasse die Einwendungen gesammelt und stellvertretend der Regierung von Niederbayern übergeben.

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Auch wenn der Anlass für die vielen Einwendungen nur ein gerade mal 1,8 Kilometer langer Teilabschnitt der vierspurigen, autobahnähnlichen B15 neu ist, sehen viele Verfasser darin den Dammbruch für weitergehende Planungen um die Stadt Landshut herum und durch die südlich angrenzenden Landkreise. Das vorgegebene Ziel, eine Entlastung Landshuts vom Verkehr, werde damit nicht erreicht, erheben sich Gegenstimmen.

Kritik an geologischen Untersuchungen

Zündstoff beinhaltet laut Floegel insbesondere ein beigelegtes anwaltliches Schreiben. Es listet die juristischen Unzulänglichkeiten der Planung aus Sicht der Gegner auf und belegt sie mit Auszügen aus einem geologischen Gutachten, in dem auf Probleme durch den Eingriff in die Grundwasserströme der Isar eingegangen wird.

Die Kritik entzündet sich auch an fehlenden Alternativen: dem fehlenden Ausbau des ÖPNV in Landshut oder einer nicht in Betracht gezogenen Verlagerung des Güterfernverkehrs auf die Schiene. Schwerwiegende Eingriffe in die Struktur des tertiären Hügellands werden moniert, eine Trassenführung quer zum Verlauf der Flüsse, der hohe mutmaßlich Flächenverbrauch durch Einschnitte und Dämme, das alles stehe im Widerspruch zum Bekenntnis für einen sparsameren Flächenverbrauch durch Landes- und Bundespolitik.

Bauabschnitt würde Weiterbau erzwingen

Der erste kurze Planungsabschnitt endet an einer Kreisstraße. Verkehrstechnisch sei damit die Weiterführung zwingend. Verständlich, dass sich Widerstand an allen bisher diskutierten Trassenverläufen regt. „Die Salamitaktik“ empört die Gemüter“, sagt Floegel. In Sachen Lärm ziet die Initiative Parallelen zu den Erfahrung der Anwohner an der A 94.

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Die 60 Jahre alte Planung der B15 ist nach Ansicht der Initiative völlig ungeeignet, heutige Probleme zu lösen. Es sei von Umwelt- und Klimaschutz wenig die Rede, und auch die Verkehrsströme hätten sich im Lauf der Jahrzehnte verändert. Wie wenig aussagekräftig auch Wachstumsprognosen seien, zeige sich gerade jetzt, wo die Corona- und die Klimakrise zum Umdenken zwingen. Wenn dazu jetzt milliardenschwere Konjunkturpakete benötigt werden, sei dies „nicht mehr die Zeit, um Millionen für nutzlosen und schädlichen Autobahnneubau zu verplanen“, sagt Floegel. re

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