„Urgestein“

Erwin Jäkel war über 4.000 Mal im Einsatz für die Feuerwehr Mühldorf - jetzt beginnt der Ruhestand

Lange Jahre an der Spitze der Mühldorfer Feuerwehr. Der damalige Kommandant Günther Starzengruber und sein Stellvertreter Erwin Jäkel (rechts).
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Lange Jahre an der Spitze der Mühldorfer Feuerwehr: der damalige Kommandant Günther Starzengruber und sein Stellvertreter Erwin Jäkel (rechts).
  • Josef Bauer
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Mit Erwin Jäkel geht ein Mühldorfer Feuerwehr-Urgstein in den wohlverdienten Ruhstand. Er hat die Mühldorfer Wehr in diesen fast 50 Jahren entscheidend geprägt. Bei über 4000 Einsätzen war er ehrenamtlich für die Bürgerinnen und Bürger unterwegs. Er hat die Mühldorfer Feuerwehrgeschichte in den letzten fünf Jahrzehnten mitgeschrieben und mitgeprägt.

Mühldorf – In 47 Jahren als Mitglied der Mühldorfer Feuerwehr hat der Ahamer Erwin Jäkel Feuerwehrgeschichte in der Kreisstadt geschrieben. Feuerwehr-Vorstand Dr. Gerhard Deißenböck und Kommandant Martin Straßer haben festgestellt, dass Erwin Jäkel in seiner Feuerwehr-Laufbahn zu über 4000 Einsätzen ausgerückt ist. Die Hilfe für den Nächsten stand dabei immer im Mittelpunkt. Es gab in dieser langen Zeit keine Aufgabe, die Erwin Jäkel nicht gemeistert hätte. Ob Brand oder technische Hilfeleistungen, ob Tierrettung oder Hilfsdienste bei den Feuerwehrfesten. Die jeweiligen Verantwortlichen konnten sich auf den Ahamer immer zu 100 Prozent verlassen.

„Wenn ich mir einen Feuerwehrmann für die Mühldorfer Wehr schnitzen könnte, dann wäre Erwin Jäkel die beste Vorlage“, sagte der langjährige Feuerwehr-Vorstand Josef Bauer senior.

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Anwerbung im Eichfelder Hof

Erwin Jäkel war in seinen 47 Jahren aktiver Dienstzeit bei geschätzt über 4000 Einsätzen dabei. Sein Eintritt 1971 erfolgte aufgrund eines persönlichen „Werbegesprächs“ mit dem „Boss“ (Sepp Penzenstadler) im damaligen Eichfelder Hof dem Vorgänger vom Sawas zusammen mit anderen Einwohnern der „Ahamer Enklave“. Er rückte noch vom alten Gerätehaus in der Spitalgasse aus. Damals musste man sich noch die Schutzausrüstung und Stiefel teilen, da nicht für jeden Feuerwehrdienstleistenden ein Satz da war und wer zu spät kam, der konnte nicht mit in den Einsatz.

Erwin Jäkel mit seinen Kameraden bei einem Unfalleinsatz auf der früheren B12 bei Mühldorf.

Vom Jugendwart bis zum Ausbilder

In seiner langen aktiven Dienstzeit hat der gelernte Kfz-Mechaniker und langjähriger Mitarbeiter der Firma Schörghuber sich immer in den Dienst der Mühldorfer Wehr gestellt. Er war von 1983 bis 1990 Jugendwart. Die Feuerwehrjugend lag ihm immer sehr am Herzen. Kümmerte sich von 1983 bis 2014 als Ausbilder um den Leistungsstand der aktiven Mannschaft und war von 1996 bis 2014 Stellvertretender Kommandant der Mühldorfer Wehr.

Erwin Jäkel ist erlebte Feuerwehrgeschichte pur. Auch Dank seiner Initiative wurde 1980 der erste Rüstwagen der Mühldorfer Feuerwehr in den Dienst genommen. Er war im Bereich der „Technischen Hilfeleistungen“ immer bestrebt neue Techniken im Feuerwehrdienst zur Hilfe der in Not geratenen Mitbürger einzusetzen.

Eingene Gesundheit zurückgestellt

Die Autos hatten zu dieser Zeit fast keine Knautschzone, Airbags oder Gurtstraffer. Es gab noch keine Rüstzylinder so wie wir sie kennen, zum Wegspreizen des Vorderbaus, wurde mit Ketten und Seilwinde gearbeitet. Auf diese Methoden greift man neuerdings wieder zurück.

Das Einsatzgebiet der Mühldorfer Wehr erstreckte sich damals fast über den ganzen Landkreis und da der Erwin seinen Arbeitsplatz in Mühldorf hatte, war er sehr oft im Einsatzgeschehen dabei. Hierbei zog er sich hin und wieder auch die eine oder andere Verletzung zu. Einmal quetschte er sich, beim Versuch eine verunglückte Person aus dem Auto zu retten, mit dem Spreizer die kompletten Finger einer Hand. Trotzdem stoppte er den Rettungsversuch nicht und ließ sich danach erst ärztlich behandeln.Ein weiter skurriler Einsatz: Starkregen prasselte auf Mühldorf ein, Erwin war damals stellvertretender Kommandant und die Mühldorfer Wehr wurde zu einem Wassereinbruch in einem Keller in die Altstadt gerufen.

Arbeit am Gerätehaus

Während seines Erkundens der Einsatzstelle, forderte er die Drehleiter nach, die im Einsatz befindlichen Kameraden schauten sich an, was will er jetzt mir der Drehleiter bei einem Wassereinbruch im Keller, aber Erwin Jäkel belehrte sie eines Besseren. Wegen einer verstopften Dachrinne lief das Wasser außen über das Fallrohr in den Keller, deshalb die Drehleiter.

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Erwin Jäkel war einer derjenigen, der den Bau der 3. Halle des Feuerwehrhauses vorantrieb und auch darüber schaute, dass dieser unter Führung unseres ehemaligen Stadtbaumeister Richard Faßer zügig abgeschlossen wurde. Erwin Jäkel war bei jeder Baumaßnahme am oder im Gerätehaus maßgeblich beteiligt, wie auch bei der Sanierung des Daches, die fast komplett durch die Mannschaft erfolgte.

Feuerwehrverein immer unterstützt

Der verheiratete Familienvater hatte immer ein offenes Ohr, was die Belange des Feuerwehrvereins betraf. So manches Anliegen wurde dadurch zeitnah und vor allem pragmatisch umgesetzt. Was er nicht selbst erledigen konnte, wurde anderweitig organisiert.

Er kümmerte sich jahrelang um das Feuerholz bei der Sonnwendfeier, stellte es mit einer kleinen Mannschaft auf und zündete es an Sonnwend zu später Stunde an. Hierbei trug die Strohpuppe an der Spitze des Holzturmes auch immer eine Arbeitshose aus Erwins Arbeitsleben.

Erwin Jäkel verkörperte langjähriges, ehrenamtliches Engagement und Einsatz für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger, wie kein Zweiter. Er hat sich um seine Heimatstadt Mühldorf in 47 Jahren mehr als verdient gemacht. Am heutigen Donnerstag, seinem Geburtstag, beginnt sein wohlverdienter Feuerwehr- Ruhestand.

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