Über 200 Anschlüsse tauchen nicht in Telefonbuch auf - Ärger in Taufkirchen

Da hilft kein Suchen: Irmi Kinzner aus Schergenham blättert vergeblich im „Örtlichen“. Die Telefonnummer von Johann Kinzner, der eine große Biogasanlage betreibt, ist nicht zu finden. Und wie den Kinzners geht es vielen Teilnehmern aus der Gemeinde Taufkirchen.
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Da hilft kein Suchen: Irmi Kinzner aus Schergenham blättert vergeblich im „Örtlichen“. Die Telefonnummer von Johann Kinzner, der eine große Biogasanlage betreibt, ist nicht zu finden. Und wie den Kinzners geht es vielen Teilnehmern aus der Gemeinde Taufkirchen.
  • vonMarianne Fill
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Stell Dir vor, es gibt ein Telefonbuch – und niemand steht drin. So oder so ähnlich könnten sich die Taufkirchner vorkommen, die in der neuen Ausgabe des „Örtlichen“ für 2020/21 vergeblich nach ihrem Namen suchen. Das halbe Dorf rätselt, warum es rausgeflogen ist.

Taufkirchen – Eins ist klar, es hat was mit der Firma „Amplus“ zu tun, dem neuen Anbieter, zu dem viele Taufkirchner Teilnehmer im Zuge des Breitbandausbaus gewechselt und durchaus mit dem schnellen Internet zufrieden sind. Doch auch bei „Amplus“ scheinen sie noch nicht zu wissen, was da genau passiert ist.

Vor allem für ältere Leute ein Problem

Natürlich weiß Gabi Galneder vom gleichnamigen Baugeschäft, dass heutzutage die meisten Leute nicht mehr auf ein Telefonbuch angewiesen sind, um eine Nummer rauszukriegen. Trotzdem findet sie es ärgerlich, dass es ihre Firma auch erwischt hat.

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„Viele schauen halt doch immer wieder im Buch nach, vor allem die älteren Leute, die es mit dem Internet nicht so haben.“ Wie ihr, so geht es fast jedem zweiten Taufkirchner Teilnehmer.

Gut 200 Anschlüsse, die im alten Telefonbuch standen, sind im neuen nicht mehr drin, weiß Marianne Fill, freie Mitarbeiterin der Heimatzeitung, die ebenfalls drauf angewiesen ist, dass sie im „Örtlichen“ steht. Aber rausgeflogen ist.

Auch Bürgermeister hat‘s erwischt

Damit ist sie in bester Gesellschaft: Auch Bürgermeister Alfons Mittermaier hat’s erwischt. Dabei weiß er „ganz bestimmt“, dass er beim Anbieterwechsel auf dem Antragsformular die Eintragung in ein Telefonbuch angekreuzt hat. Selbst wenn einige Teilnehmer keine Eintragung mehr wollten, eine Erklärung für die enormen Lücken kann das nicht sein.

Thema im Gemeinderat

Auch im Gemeinderat war das Telefonbuch schon Thema. So viel ist mittlerweile klar, am Verlag, der das Ding druckt, liegt das mysteriöse Verschwinden vieler Taufkirchner nicht.

Dass einzelne Teilnehmer sich beschweren, weil sie nicht mehr im Telefonbuch stehen, das gehört bei der Kunze Medien AG zum Alltag. Doch in diesem Ausmaß scheint es neu zu sein. Die Verantwortung dafür weist eine Sprecherin auf Anfrage zurück.

Telefonbuch-Verlag weist Verantwortung zurück

„Kostenfreie Standardeinträge verwalten die Provider, die Anbieter, die die Daten an die Verlage weiter geben. Wir dürfen bestehende Datenbestände nicht rauswerfen.“

Alles spricht also dafür, dass die Panne bei Amplus zu suchen ist, dem neuen Anbieter. Beim Wechsel sind irgendwelche Daten unter die Räder gekommen. Freilich sind nicht alle Amplus-Kunden betroffen. Marianne Fill: „Unser Sohn und wir sind beide zu Amplus gegangen. Er steht wieder drin, wir sind draußen.“ Da soll einer schlau werden draus.

Der Internet-Anbieter im Bayerischen Wald, der nach eigenen Angaben über 150 Kommunen in Bayern versorgt, hat sich auf Anfrage der Heimatzeitung an die Ursachenforschung gemacht.

Taufkirchner müssen sich noch gedulden

Das vorläufige Resultat einer ersten „Sofortprüfung“: „Wir haben in der Gemeinde Taufkirchen rund 100 bestehende Kundenverträge gefunden, die über uns Telefonie- und Internetleistungen beziehen. Wir werden nun im Laufe der Woche sämtliche Kundendaten überprüfen.“ Sollte dabei ein vom Kunden gewünschter, aber noch fehlender Standardeintrag gefunden werden, sagt die Firma zu, diesen umgehend nachträglich anzufordern. „Gerne halten wir Sie weiter auf dem Laufenden...“

Die Taufkirchner müssen sich also noch ein bisschen gedulden.

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