Gräfin von Pfuel zieht vor Gericht - Sie will Picknick-Konzerte in Tüßling

Stephanie Gräfin von Pfuel hofft darauf, dass die Picknick-Konzerte stattfinden können.
+
Stephanie Gräfin von Pfuel hofft darauf, dass die Picknick-Konzerte stattfinden können.

Ein Sommerabend im Tüßlinger Schlosspark, auf der Bühne Nena und die Leute genießen die Musik. Der Sommer könnte so schön sein, wenn nicht Corona wäre. Der geplante Raiffeisen Kultursommer ist abgesagt, aber Schlossherrin Stephanie Gräfin von Pfuel hat eine Alternative. Ob diese stattfinden kann, darüber muss das Verwaltungsgericht entscheiden.

Tüßling – Die Kulturszene liegt am Boden: Seit Monaten sind viele Veranstaltungen ausgefallen oder verschoben worden. Ob Beleuchter, Tontechniker oder Caterer – es hängen viele Jobs an Kulturveranstaltungen. Damit während des Sommers doch noch Konzerte stattfinden, hat sich Stephanie Gräfin von Pfuel mit Veranstalter Oliver Forster etwas einfallen lasen: Picknick-Konzerte im Tüßlinger Schlosspark.

Maskenpflicht bis zum reservierten Platz

Vier, fünf Leute aus einem Haushalt oder einer Familie auf einer Decke verteilt im Schlosspark. Nena, Max Giesinger oder Revolverheld sind als mögliche Liveacts im Gespräch. Doch eine Genehmigung gibt es bislang nicht: Das Landratsamt hat abgelehnt, deshalb soll jetzt das Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Konzerte sind mit 1000 Gästen geplant und fallen damit unter die Kategorie Großveranstaltung. Die sind allerdings bis Ende Oktober verboten. „Mit weniger Gästen lohnt sich ein Konzert nicht“, sagt Stephanie von Pfuel. Aber die Leute hätten in ihren Augen leicht Platz im weitläufigen Schlosspark – selbst mit Abstand.

Ein Bad in der Menge würde es nicht geben bei den Picknick-Konzerten im Tüßlinger Schlosspark. Max Giesinger ist einer der Künstler, der im Gespräch ist. Ob es soweit kommt, das wird das Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Leute würden geordnet in kleinen Gruppen auf den Rasen auf einer Decke sitzen, Getränke könne man selbst mitbringen. Es würde zwar auch Getränke- und Essensverkäufe geben, die wären aber weit voneinander entfernt angeordnet. Auf dem Weg zu seinem zugewiesenen Platz müsse jeder Maske tragen. „Wir haben ein schlüssiges Konzept vorgelegt. Ich verstehe nicht, warum das nicht möglich sein sollte“, sagt Stephanie von Pfuel.

Beim geplanten Dinoland im Schlosspark seien gleichzeitig aufgrund der Zehn-Quadratmeter-Regelung bis zu 3000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände erlaubt. Ein volles Flugzeug, eine volle Fußgängerzone oder Demonstrationen: An anderen Orten sei vieles möglich. „Warum sind dann nicht auch Konzerte unter freiem Himmel erlaubt?“, sagt die Schlossherrin.

Absage war zu erwarten

Aus dem Landratsamt nannte man unter anderem als Grund, dass ein Superspreader sich unter den Gästen befinden könnte. Außerdem ließe es sich nicht kontrollieren, ob nach Einbruch der Dunkelheit tatsächlich alle auf ihren Plätzen bleiben würden. „Wir hatten eine Absage erwartet. Dennoch ist es herabwürdigend für eine Branche, die am Boden liegt“, sagt sie. Jeder wolle Kultur, Museen hätten geöffnet, größere Konzerte seien aber nicht möglich.

Spielraum bei der Entscheidung hatte das Landratsamt nicht. „Die Konzerte sind mit mehr als 1000 Leute geplant, Großveranstaltungen sind aber bislang nicht erlaubt“, sagt Pressesprecher Klaus Zielinski. Die Rechtslage sei klar, weshalb eine Genehmigung nicht möglich gewesen sei. „Eine Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen wäre nicht zu gewährleisten.“ Aus diesem Grund blickt man im Landratsamt gelassen einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts entgegen.

Wegweiser für andere Veranstaltungen

Tüßlings Bürgermeister Helmuth Wittich bedauert es, dass die Picknick-Konzerte nicht stattfinden können. Gleichzeitig hat er Verständnis dafür, dass man „jedes Risiko ausschalten will“. „Aber das letzte Wort ist ja noch nicht gesprochen.“

Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsgericht. Dort hat Veranstalter Cofo Entertainment bereits vor einer Woche Klage eingereicht. „Wir hoffen, dass bald eine Entscheidung fällt“, sagt Stephanie von Pfuel. Manche Corona-Regeln wie zum Beispiel die 800-Quadratmeter-Regelung im Einzelhandel seien bereits vom Verwaltungsgericht gekippt worden.

Lesen Sie auch:

Vorsichtiger Start nach Corona-Beschränkungen für Maxlrainer Kultursommer geplant

Seit März keine Konzerte: Musiker aus der Region kämpfen in Corona-Zeiten um ihre Existenz

Auf ein ähnliches Urteil hofft auch Stephanie Gräfin von Pfuel. „Wir hoffen, dass die Konzerte erlaubt werden. Das wäre auch ein Wegweiser für andere Veranstaltungen.“ Aber die Entscheidung muss bald fallen, denn die Konzerte sollen im August stattfinden.

Kommentare