In diesem Mangelberuf? Mühldorferin findet nach Studium keinen passenden Job in der Region

Steht bisher vor verschlossenen Türen: Laura Zwicker sucht nach ihrem Studium der Kindheitspädagogik einen angemessenen ArbeitsplatzFoto Petzi
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Steht bisher vor verschlossenen Türen: Laura Zwicker sucht nach ihrem Studium der Kindheitspädagogik einen angemessenen ArbeitsplatzFoto Petzi
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    vonNicole Petzi
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Kaum ein Bereich sucht so händeringend nach Fachkräften, wie der Sektor Erziehung und Bildung.  Laura Zwicker hat sich dafür neben der Arbeit als Erzieherin zusätzlich qualifiziert. Durch ein Bachelorstudium in Mühldorf ist sie Kindheitspädagogin. Jetzt findet sie keine passende Stelle.

Mühldorf – Nach ihrem Studium der Kindheitspädagogik am Campus Mühldorf erntet Laura Zwicker bisher nur Jobabsagen – trotz hohem Bedarf. Sie sagt, dass es zu wenig angemessen bezahlte Stellen gibt.

Laura Zwicker wollte nach dem Abschluss ihres Studiums der Kindheitspädagogik am Campus Mühldorf beruflich durchstarten. Dreieinhalb Jahre hat die 30-jährige Mühldorferin eine Doppelbelastung ausgehalten und neben ihrer Arbeit als Erzieherin an der Montessori-Schule in Eberharting am Campus Mühldorf der Hochschule Rosenheim studiert. Doch jetzt, nach dem Abschluss, sieht sich seit Wochen vor verschlossenen Türen der Einrichtungen stehen, in denen sie ihre Fachexpertise einbringen möchte.

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Auf dem Land nicht angekommen

„Das Problem ist, dass das Berufsbild des Kindheitspädagogen bisher noch nicht in den Tarifvertrag aufgenommen wurde“, sagt Zwicker, die sich nach eigenen Angaben bei zahlreichen Kitas oder sozialen Einrichtungen beworben hat. Stets mit der Rückmeldung, dass ein Kindheitspädagoge im Gegensatz zum Erzieher oder Sozialpädagogen nicht finanziert werde.

Ganz schön frustrierend

Ganz schön frustrierend, betont Laura, die nach dem Studium nicht weiter als Erzieherin arbeiten möchte. Besonders im ländlichen Bereich sei der neue Abschluss noch nicht bei den Arbeitgebern angekommen.

Anders sehe es größeren Städten wie Rosenheim oder München aus; dort werden explizit Stellen für Kindheitspädagogen ausgeschrieben. Das ist für die junge Mühldorferin allerdings zu weit weg. Ein Dilemma, das sich nur durch eine rasche tarifliche Einordnung lösen lasse.

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Laura Zwicker will den Studiengang nicht schlecht reden. Im Gegenteil: „Die Mischung aus pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Fächern ist ausgewogen. Darüber hinaus erhält man einen viel professionelleren Blick mit fachlichem Tiefgang, als es die Erzieherausbildung leisten kann!“

Theorie und Praxis in einer Ausbildung

Diese Ausbildung können die Studierenden zusätzlich zum Bachelor absolvieren, Theorie und Praxis gehen dann Hand in Hand. Während sich Laura Zwicker eher im Jugendbereich arbeiten möchte, hätten sich die meisten ihrer Studienkolleginnen für die Kinderbetreuung entschieden, deshalb stelle sich deren Jobsuche womöglich einfacher dar.

Neun von Zehn haben schon eine Stelle

Eine Überlegung, die sich mit der Aussage von Prof. Sabina Schutter, Leiterin des Campus Mühldorf, deckt, wonach von den ersten zehn Absolventen bereits neun eine ‚adäquate und attraktive‘ Stelle gefunden hätten. Zwölf stecken nach ihren Angaben noch in ihren Bachelor-Arbeiten.

Der Fachkräftebedarf sei immens, sagt sie. „Bis 2025 fehlen in Deutschland mehr als 300 000 Erzieher und Erzieherinnen, was daran liegt, dass ein Großteil der jetzt Beschäftigten bald das Rentenalter erreicht, und die Betreuung gleichzeitig ausgebaut wird.“

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Das sagt die Leiterin des Campus Mühldorf

Schutter ist von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Studiengangs überzeugt. Sicher müsse man mitunter örtlich flexibel sein; und wenn es nicht gleich mit der Leitungsposition in einer Kita klappe, wäre auch der Gruppendienst eine Möglichkeit. „Viele wollen da aber nicht unbedingt rein“, gibt die Campus-Leiterin zu bedenken. Allerdings habe man mit dem Bachelor in der Tasche auch die Möglichkeit, einen Master drauf zu packen. „Mit dem Studium stehen einem alle Wege offen.“

Noch ein weiteres Studium will Laura Zwicker nicht absolvieren. Nach dreieinhalb Jahren, in denen sie nicht voll verdienen konnte, möchte sie nun endlich angemessen bezahlt werden. „Wozu bin ich staatlich anerkannte Kindheitspädagogin geworden, um dann weiter als Erzieherin zu arbeiten?“

Noch ein weiteres Studium?

Wenn alle Stricke reißen, wäre es allerdings für sie denkbar, noch Module im Studiengang ‚Soziale Arbeit‘ zu belegen, um auch noch diesen Bachelor-Abschluss zu erwerben. Das wären allerdings noch einmal dreieinhalb Jahre, in denen Laura nicht voll verdienen könnte und Abstriche machen müsste.

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