"Trauen wir uns unseren Glauben zu leben"

"Ankommen heißt dann aber nicht stehen bleiben und sich ausruhen, sondern sich engagieren, vertiefen und weitergehen": Schwester Ulrike Schnürer, Gemeindereferentin in der Stadtkirche Mühldorf. Foto re
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"Ankommen heißt dann aber nicht stehen bleiben und sich ausruhen, sondern sich engagieren, vertiefen und weitergehen": Schwester Ulrike Schnürer, Gemeindereferentin in der Stadtkirche Mühldorf. Foto re

n Was war für Sie das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres?

Im Jahr 2011 gab es viele große und wichtige, schlimme und schöne Ereignisse, die mich beeindruckten und nachhaltig innerlich beschäftigen: Nicht nur all das, was durch die aktuellen Nachrichten in der Welt verbreitet wurde. Sondern vielmehr die vielen kleinen persönlichen Anliegen, die Freuden und geglückten Momente, die Sorgen und Grenzerfahrungen in Leid und Unversöhntheit, all das, was ich selber in Gesprächen und Erlebnissen erfahren durfte.

Doch möchte ich eine ganz persönliche Erfahrung beschreiben, die mich seit Längerem beschäftigt: Es ist das Thema: "Ankommen". Ich gehöre zur Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser ("Garser Schwestern") und war zwölf Jahre in der Mission in Bolivien tätig. Seit zwei Jahren lebe ich nun wieder in Deutschland und versuche nicht nur äußerlich hier anzukommen, sondern mich auch innerlich wieder zurechtzufinden. Es ist ein schwieriger Prozess, den alle kennen, die einen Ortswechsel hinter sich haben.

Seit Gründung der Stadtkirche Mühldorf arbeite ich hier in der Seelsorge als Gemeindereferentin. Und erneut stellte sich mir gerade in diesem vergangenen Jahr die Aufgabe, wiederum "ankommen" zu lernen, hier "anzukommen", hineinzuwachsen einmal in die Pfarrei St. Laurentius, Altmühldorf, für die ich die Ansprechpartnerin vonseiten des Seelsorgeteams der Stadtkirche bin, dann die Verschiedenheiten der sechs Pfarrgemeinden der Stadtkirche Mühldorf, sowie deren Bräuche und Riten kennenzulernen und zugleich in die Geschichte und Kultur dieses Landkreises Mühldorf hineinzuhorchen.

Für mich persönlich war es im vergangenen Jahr wichtig erfahren zu dürfen, dass ich immer mehr ankomme. Und das spüre ich einmal in dem "Vertrauterwerden" mit den Menschen in Mühldorf, mit denen ich ihre Sorgen und Freuden teilen darf. Zum anderen erfahre ich, dass mir Landschaft und Brauchtum näher kommen und ich sie schätzen und lieben lerne.

"Angekommen sein" heißt für mich zu wissen, wo mein Platz ist, wo ich hingehöre, wo ich sozusagen meine Wurzeln wieder in den Boden stoßen darf. Ankommen heißt dann aber nicht stehen bleiben und sich ausruhen, sondern sich engagieren, vertiefen und weitergehen.

n Was ist die wichtigste Aufgabe für das neue Jahr?

Mich noch mehr zu verwurzeln in meinem persönlichen Umfeld der Ordensgemeinschaft sowie natürlich auch in der Stadtkirche Mühldorf. Konkret wäre dies hier, das stetige Zusammenwachsen der sechs Pfarreien zu begleiten, den Menschen durch geistliche Impulse wie zum Beispiel in "Exerzitien im Alltag" zu helfen anzukommen bei sich selber, den Glauben zu vertiefen, auch ihren Platz zu finden in der Pfarrgemeinde, in dem ganzen Beziehungsgeflecht, das Leben heißt. Und da freue ich mich, überall auf viele Ehrenamtliche zu treffen, die sich engagieren, die ihren Glauben bewusst leben, ihn lebendig halten möchten und weitergeben wollen, die auch mich als Hauptamtliche durch ihr Glaubenszeugnis stärken.

Eine weitere Aufgabe stellt sich gerade für uns in der Pfarrei St. Laurentius, Altmühldorf: Es ist die Renovierung unserer Kirche, die hoffentlich zur 500-Jahr-Feier im Jahr 2018 abgeschlossen werden kann. Ich sehe da auch noch eine weitere Herausforderung für die kommende Zeit: Mit den zuständigen Gremien der Pfarrei möchte ich gerne Ideen entwickeln, wie wir die äußere Renovierung der Kirche mit einer inneren "Glaubens-Renovierung" durch verschiedene Angebote verbinden können.

Eine Stärkung im Glauben erfahren wir immer wieder neu, wenn wir das Weihnachtsfest feiern. Die lebendige Gegenwart Gottes wird uns nicht nur an Weihnachten zugesprochen, sondern gilt immer. Es ist gut, wenn wir uns immer wieder neu in kleinen oder großen Gruppen zusammenfinden, von unserem Leben und unserem Glauben erzählen, das Wort Gottes auch ab und zu konkret neu hören und seine Gegenwart in der Eucharistiefeier konkret erfahren, wenn wir uns mit unseren Talenten einbringen in das Leben der Pfarreien, denn dann können wir Beheimatung erfahren in der Gemeinschaft der Menschen, die mit uns zusammenleben.

n Ihr Neujahrswunsch?

Trauen wir uns unseren Glauben zu leben und zu gestalten, vertrauen wir darauf, dass jeder, jede von uns auf vielfältige Weise erfahren wird, Gott ist mit uns, er geht alle Wege mit, jeden Tag!

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