Traditionelle bairische Krippeng`sangl und Dreikönigslieder

Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner (mit Zither) gab beim traditionellen bairischen Krippeng`sangl einen Einblick in die Entstehungen der Lieder und Bräuche vom Klopfersingen bis zu Drei König. friedrich

Unter dem Motto „Es werd scho glei dumpa“ organisierte Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner sein traditionelles bairisches Krippeng`sangl in der Schlossgaststätte. Er hatte mit rund 30 Besuchern gerechnet, mehr als die doppelte Anzahl fand sich in der Gaststube ein.

Walkersaich – Dabei erzählte Baumgartner den Besuchern viel über die Entstehung der Weihnachts-, Krippen- und Hirtenlieder. Aber auch über die Umzugsbräuche wie das Klöpfelgehen zum Neujahr und die Sternsinger-Umzüge, die zur musikalischen Volkskultur gehören, berichtete er. Die ältesten Dokumente zu dieser musikalischen Volkskultur findet man, so Baumgartner,  nachweislich ab dem Jahr 1500 in Kostenrechnungen von Baumburg bei Altenmarkt. Dabei zogen auch Musiker aus der Gegend um Mühldorf als Hirten umher, fanden sich vor den Krippenfiguren ein und spielten dort mit Dudelsack, Pfeifen, Schalmeien, Querflöten oder Schwegelpfeifen. Selten waren hierbei Gitarren, Lauten, Klarinetten, Geigen und Kontrabass dabei, erst ab 1850 kam die Zither dazu. Viel Hintergrundwissen erhielten die Besucher über die Hirtenlieder, sowie Hirten– und Weihnachtsspiele. Sie waren in Oberbayern und im angrenzenden Tirol zur Weihnachtszeit sehr beliebt. August Hartmann war der wichtigste Vertreter der Volksmusik-Forschung in Oberbayern. Er zeichnete eine Vielzahl von Spielen und Liedern auf, vor allem im Chiemgau und im Rupertiwinkel, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammten. Hierbei wurde das Weihnachtsgeschehen, aber auch die Erschaffung der Welt, an den Feiertagen dargestellt. Die Weihnachtsspiele, wie das Laufener Adam- und Eva-Spiel, wurden im Winter von den arbeitslosen Schiffsleuten vorgetragen. Dabei uferten die Weihnachts- und die Hirtenspiele, zum Missfallen der Pfarrherren, oft in heitere Szenen aus, bei denen auch lokale Gegebenheiten und lustige Ereignisse eingefügt wurden. Auch während der Christmette war es mancherorts üblich, solche Szenen aufzuführen, bis die geistliche Obrigkeit dem lustigen Treiben um 1800 ein Ende setzte.

Zwischen den Berichten spielte Dr. Baumgartner zusammen mit Maria Königsbauer, beide auf der Zither, immer wieder Lieder zum Mitsingen. Zudem spielten sie Menuette von Annette Thoma, Kiem Pauli, oder Peter Huber, besser bekannt als der Müllner Peter von Sachrang.

Wichtig waren ab dem Jahr 1850 die Personen, die die Lieder, die vom Volk gesungen wurden, aufschrieben und so der Nachwelt erhielten. Dies waren beispielsweise August Hartmann, der Kiem Pauli zusammen mit Professor Kurt Huber sowie der Wastl Fanderl, die sich im Land umhörten und die Lieder und Texte aufschrieben.

Im zweiten Teil ging es um das Brauchtum rund um die Weihnachtszeit, beispielsweise die Rau- und Zwölfnächte, die zwischen den Jahren liegen. Zudem gab es noch die Losnächte. Das Los zu werfen war im Mittelalter üblich, wenn es um die Erkundung des göttlichen Willens ging. In unüberschaubar vielen Bräuchen und zu vielfältigen Anlässen wurde gelost oder ein Orakel befragt.

Baumgartner erzählte vom Heimatdichter, Schriftsteller, Liedersammler und Liedermacher Franz Xaver Rambold, der aus der Rambold-Lederer-Familie in Mühldorf stammte. Er war 32 Jahre lang Oberlehrer an der Wörthschule in München. 1911 begann er bei seinen Liedersammlungen mit einer ersten Version eines „Alten deutschen Weihnachtsspiels“ und verfasste im Jahr 1926 „Die heiligen drei Könige – ein lustiges Neujahrsspiel“.

Beendet wurde der unterhaltsame und lehrreiche Nachmittag mit dem gemeinsamen Lied: „Es werd scho glei dumpa“. tf

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