AM RANDE NOTIERT

Tradition gegen Terror

Wer unbeschwert leben will, muss sich dieses Lebens sicher sein.

Seit München, Würzburg und Ansbach ist manch einem diese Unbeschwertheit gründlich vergangen.

Dem Mühldorfer Volksfest auch? Bis vor wenigen Jahren ging es in Sachen Sicherheit darum: Wie verhindern wir, dass ein Festgänger dem anderen den Bierkrug etwas zu heftig auf dem Kopf aufsetzt oder der Nächsten unters Dirndl fasst? Wie können Feuerwehr und Rotes Kreuz schnell genug zu Werke gehen, sollte der Fischstand brennen oder ein Autoskooter verunglücken? Und: Wie kommen die Menschen möglichst heil hinaus, wenn’s ans Rennen geht?

Und heuer? Zaun, Rucksackkontrolle, Leibesvisitation? Der Ordnungsamtsleiter warnt: Ein Volksfest muss ein Volksfest bleiben.

Das ist keine Binse, wie sich in den vergangenen Tagen zeigte. Da wurde der Amoklauf in einem Einkaufscenter dank bewusst falscher oder hysterischer Meldungen im Internet zum Terrorangriff auf eine ganze Stadt. Und viele rannten um ihr Leben, weit ab vom Geschehen. Der Terror, das ist nicht erst seitdem gewiss, setzt sich zuerst im Kopf und im Herzen fest.

Godel Rosenberg, einst Sprecher von Franz Josef Strauß, lebt seit 1998 in Israel, wo in den vergangenen zwölf Monaten 33 Menschen bei Attentaten starben. Er sagt: „Wer Angst hat, hat schon verloren. Wenn ich in ein Café oder in einen Bus steige, schaue ich mich nie ängstlich um, ob da einer verdächtig aussieht oder einen Rucksack trägt. Ich lebe in Israel keinen Deut anders, als ich die 50 Jahre vorher in München gelebt habe: Ich arbeite dort, ich gehe abends in Restaurants oder in Konzerte.“

Dort bräuchte es die Nachricht aus Erharting nicht, wo ein Heiratswilliger über die Heimatzeitung vermelden lässt: Beim Polterabend gibt es abends um acht ein kräftiges Böllerschießen, grad so, wie es sich gehört. Dank der Warnung des Jubilars muss sich niemand fürchten: Der Lärm ist kein Terror, sondern Tradition. Markus Honervogt

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