Eine in der Türkei lebende Mühldorferin beobachtet Touristen mit Sorge – wegen Corona

Elke Ahern mit ihren Kindern Liv und Ava (von links) sowie ihrem Mann Brian. Die Familie lebt in der Türkei, nimmt den Umgang mit dem Corona-Virus mit gemischten Gefühlen wahr.
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Elke Ahern mit ihren Kindern Liv und Ava (von links) sowie ihrem Mann Brian. Die Familie lebt in der Türkei, nimmt den Umgang mit dem Corona-Virus mit gemischten Gefühlen wahr.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für bestimmte Bereiche der Türkei aufgehoben. Damit kommen wieder deutsche Touristen in der Land, in dem die Mühldorferin Elke Ahem seit 29 Jahren lebt. Sie ist nicht glücklich darüber, wie sich die Gäste angesichts der Corona-Bedrohung benehmen.

Mühldorf – Aydin, Antalya, Izmir und Mugla – Provinzen in der Türkei, für die das Auswärtige Amt in Deutschland die eigentlich bis Ende August geltende Reisewarnung aufgehoben hat. Aufatmen bei Türkeiurlaubern und den Menschen vor Ort, die zum großen Teil vom Tourismus abhängig sind. Trotzdem gibt es gemischte Gefühle, die diese neue Freiheit in Zeiten von Corona begleiten. Die Mühldorferin Elke Ahern, die seit zwölf Jahren in Marmaris lebt, spricht über Maskenpflicht, Realitätsverweigerer und ihre Angst in ungewöhnlichen Zeiten.

Über Homeschooling und weniger Arbeit

Diese ungewöhnlichen Zeiten begannen für die 44-Jährige Mitte März, als auch in der Türkei Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden. „Nur wenige Stunden vor Mitternacht hieß es damals: Wir dürfen nicht mehr raus!“, erinnert sich die ehemalige Mühldorferin.

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Einkaufsmärkte leer gekauft

Die Menschen kauften die Einkaufsmärkte leer, deckten sich mit allem Nötigen ein, um sich anschließend für mehrere Wochen zu Hause zu verschanzen. „Ich kenne niemanden, der sich nicht an die klaren Vorgaben gehalten hätte“, die Menschen hätten sich sehr diszipliniert verhalten, berichtet Ahern.

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Sie selbst habe sich um den Unterricht ihrer beiden Kinder Liv (5) und Ava (7) gekümmert. „Das wäre in Deutschland einfacher gewesen. Hier war das eine Herausforderung, weil ich kein Türkisch kann.“ Der Internet-Übersetzer habe geholfen oder die Lehrerin via Online-Unterricht. „Lediglich bei Mathe konnte ich selbst noch helfen“, blickt sie zurück.

Wochenlanger Hausarrest

Elke Aherns Kinder sind alle jünger als 20 Jahre, hatten wochenlang Hausarrest, durften nicht vor die Tür. „Wir hatten da noch Glück, weil wir zumindest einen kleinen Garten haben“, dort habe sich das Leben der Familie abgespielt.

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Elke Ahern Mann Brian lebt seit 29 Jahren in der Türkei, hat sich mit einem Yacht-Service an der Küste von Marmaris selbstständig gemacht. Für ihn und seine Familie hieß das: Einnahmen Null. „Einige nutzten den Lockdown, um ihr Boot selbst herzurichten. Andere kamen erst gar nicht“, schildert Ahern die Situation. Selten habe sie den Strand vor ihrer Haustüre so leer gesehen wie in dieser Zeit. Ihre Familie habe die Zeit überstanden, auch finanziell. Doch Restaurantbesitzer, Tauchschulen oder Anbieter von Bootsausflüglern? „Deren Existenz stand auf dem Spiel.“

Laxer Umgang mit dem Mundschutz

Aufatmen, als die deutsche Regierung bekannt gab, dass die Reisewarnung für die Türkei aufgehoben wird. Doch die Zahl der Touristen bleibt überschaubar. Was ihr auffällt: Viele nähmen das Virus auf die leichte Schulter. „Die Leute sind bei Weitem nicht mehr so vorsichtig, wie noch vor Monaten.“ Auch sie ist derzeit zu Gast in einem Hotel, da rücken ihr andere Gäste am Buffet schon mal zu dicht auf die Pelle. Obwohl es eine 100-prozentige Maskenpflicht gebe, die sogar im Auto gelte, hielten sich immer weniger daran. Sie trägt Maske, ihre Vorsicht geht so weit, dass ihr Mann in aller Herrgottsfrüh die Liegen desinfiziere, bevor sie sich darauf legen.

Hohe Strafen bei Verstößen

Ein Mundschutz bei 30 Grad Celsius sei eben nicht jedermanns Sache, vermutet Ahern. „Man hat Urlaub, wähnt sich leichtsinnig in Sicherheit und so gehen die Touristen auch entsprechend lax mit der Verordnung um.“ Eine Verordnung, die allerdings hohe Bußgelder bei Nichteinhaltung nach sich zieht. 900 Türkische Lira kostet ein Maskenverzicht. „Bei einem Mindestlohn von 2450 Lira ist das für einen Türken ziemlich viel Geld.“

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Doch Ahern glaubt nicht, dass Vergehen konsequent geahndet würden. „Man muss auf sich selbst schauen“, habe sie sich selbst in diesen Zeiten als Maxime vorgegeben.

Immerhin: Mit der Aussetzung der Reisewarnung gibt es endlich ein Wiedersehen mit ihren Eltern, deren jährlicher Besuch aufgrund von Corona gefährdet schien. Sie werden in den kommenden Tagen aus Deutschland anreisen – jedoch mit dem Auto. Auch weil sie das Infektionsrisiko während der Anreise auf ein Minimum reduzieren wollen, verzichten sie auf einen Flug.

Nicht in die Türkei reisen, aber...

Die Bundesregierung warnt offiziell vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Türkei weiterhin gewarnt. „Hiervon ausgenommen sind die Provinzen Aydin, Izmir und Mugla in der Ägäisregion sowie die Provinz Antalya in der Mittelmeerregion“ heißt es in der Reisewarnung für die Tourismuszentren. Dabei betont die Bundesregierung, Reisen seien nur sicher „unter der Voraussetzung der strikten Einhaltung des von der türkischen Regierung verfügten umfassenden Tourismus- und Hygienekonzepts“.

Dazu gehört ein Corona-Test vor der Rückreise noch in der Türkei, maximal 48 Stunden, bevor der Flieger geht. Die Kosten dafür müssen Reisende selbst tragen, sie liegen laut Bundesregierung zwischen 15 und 30 Euro. Wer an Corona erkrankt, muss 14 Tage in Quarantäne in der Türkei. Diese Regel gilt auch in den anderen Gebieten des Landes, für die Deutschland eine Reisewarnung ausgegeben hat.

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