Tipps aus der Steuerkanzlei: Welche Steuererleichterungen gibt es für pflegende Angehörige?

Diese Steuerfachfrau und die Steuerfachmänner der Consilia haben unsere Fragen beantwortet. Von links: Michael Lehmann, Max Reichert und Charlotte Ries. Bauer
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    vonJosef Bauer
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2,59 Millionen Menschen werden zu Hause betreut – Außergewöhnliche Belastungen können abgesetzt werden

Mühldorf – Die Steuererleichterungen für Menschen, die zu Hause gepflegt werden, ob von Angehörigen oder von ambulanten Pflege-Diensten, sind sehr gering und gleichzeitig sehr komplex. Wir haben mit der Steuerkanzlei Consilia mit Geschäftsführer Maximilian Reichert, Steuerberaterin und Prokuristin Charlotte Ries und Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Michael Lehmann in Mühldorf über dieses Thema gesprochen. Die große Mehrheit der Pflegebedürftigen des Jahres 2017 wurde zu Hause versorgt, nämlich 2,59 Millionen, wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte. Bei 1,75 Menschen Pflegebedürftigen übernahmen Angehörige die Pflege, weitere 830 000 Menschen wurden teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste versorgt.

Welche Pflegekosten können als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden?

Reichert: Wenn zu Hause gepflegt wird beispielsweise die Aufwendungen für die ambulante Pflegekraft, die Inanspruchnahme von Pflegediensten, von Einrichtungen der Tages- oder Nachpflege, Kosten für Hilfsmittel, Medikamente. Nicht jedoch, wenn auch für Waschen, Kochen oder Putzen. Aufwendungen entstehen. Es müssen also Mehrkosten gegenüber der normalen Lebensführung. vorliegen. Letztere können jedoch bis zu einem gewissen Umfang als Steuerermäßigung berücksichtigt werden.

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Welche Voraussetzungen müssen für den Abzug erfüllt sein?

Lehmann: Das Finanzamt unterscheidet, ob der Gepflegte pflegebedürftig ist – krankheitsbedingte Aufwendungen – oder nicht. Festgestellt wird dies nach Antrag durch die soziale oder private Pflegekasse oder den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung durch Einstufung in einen der fünf Pflegegrade oder Vorliegen einer erheblichen Einschränkung im Alltag, etwa bei Demenzerkranken.

Was ist eine zumutbare Eigenbelastung?

Ries: Die geltend gemachten außergewöhnlichen Belastungen wirken sich steuerlich nur aus, wenn nach Abzug aller Erstattungen wie Pflegegeld oder Pflegetagegeld eine sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschritten wird. Zumutbar ist dabei zwischen ein und sieben Prozent des Gesamtbetrages des Einkommens abhängig vom Einkommen, Familienstand und Anzahl der Kinder. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Pflegebedürftige zuvor dem Pflegenden Vermögenswerte zugewendet hat, denn die Aufwendungen müssen den Wert des hingebenden Vermögens übersteigen.

Können also auch bei einer kurzfristigen Pflege außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden?

Reichert: Meist ist hier die gerade beschriebene Pflegebedürftigkeit nicht gegeben. Stellt jedoch ein anerkannter Pflegedienst die Aufwendungen gesondert in Rechnung, ist ein Abzug als außergewöhnliche Belastung möglich. Leider sind dabei die auf Unterkunft und Verpflegung bei einer Heimunterbringung entfallenden Kosten nicht abzugsfähig.

Können bei der Pflege haushaltsnahe Dienstleitungen in den eigenen vier Wänden geltend gemacht werden?

Lehmann: Die Aufwendungen für solche Leistungen sind sogar unabhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit begünstigt. Es reicht aus, wenn Dienstleistungen zur Grundpflege oder zur Betreuung in Anspruch genommen werden. Das Finanzamt ist hier großzügig und lässt dies auch für den Angehörigen der gepflegten Person zu, wenn diese in dessen oder in ihrem eigenen Haushalt betreut wird.

Wie komplex sind die Aufwendungen für die Menschen, die zu Hause pflegen?

Ri es: Angehörige die zu Hause pflegen, stehen sicherlich oft an ihrer Belastungsgrenze. Als Erstes bleibt die notwendige Antragstellung bei den Pflegekassen zur Feststellung der Pflegestufen und später die Abrechnung der Kosten. Hilfen wie Pflegedienste müssen organisiert werden. Um die steuerlich beste Abzugsfähigkeit zu erreichen, bestehen unterschiedliche Möglichkeiten. Vereinbarungen muss man steuerlich optimiert treffen – zum Beispiel im Hinblick auf Vermögensübertragungen im Vorfeld. Dies betrifft aber auch den Ansatz der tatsächlichen Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen, Steuerermäßigungen für Hilfen im Haushalt oder auch mögliche Pauschbeträge. Für letztere Beiden müssen weitere Voraussetzungen jeweils erfüllt sein.

Wie wirkt sich der Pflege-Pauschbetrag für Angehörige aus?

Reichert: Der alternativ anzusetzende Pflegepauschbetrag kann mit 924 Euro als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden. Vorausgesetzt ist, dass eine hilflose Person unentgeltlich persönlich gepflegt wird. Die Pflege kann dabei in der eigenen oder der des Gepflegten erfolgen. Meist stellt sich der Ansatz des Pflege-Pauschbetrages jedoch als ungünstiger heraus als der Ansatz der tatsächlichen Aufwendungen.

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