„The Masked Singer“: Kostümbildnerin aus Mühldorf gewinnt Deutschen Fernsehpreis

Zwei aus der letzten Showserie „The Masked Singer“ auf ProSieben: Kudu (vorn) und Monsterchen. Auch für die neue Staffel ab März haben Brandner und Meinl Masken und Gewänder in Mühldorf hergestellt. Wie sie aussehen, verraten sie nicht. DPA
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Zwei aus der letzten Showserie „The Masked Singer“ auf ProSieben: Kudu (vorn) und Monsterchen. Auch für die neue Staffel ab März haben Brandner und Meinl Masken und Gewänder in Mühldorf hergestellt. Wie sie aussehen, verraten sie nicht. DPA
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Alexandra Brandner und Marianne Meinl betreiben in Mühldorf ein Atelier für Gewandmacherei und Maskenbau. Die beiden Frauen arbeiten für renommierte Theater- und Opernhäuser und machen die Masken für „The Masked Singer“ auf Pro7. Wie die ab Mitte März aussehen, bleibt aber das Geheimnis der beiden Frauen.

Update 16. Juni

Fernsehpreis für Mühldorfer Kostümbauerinnen Mühldor

Sie haben es geschafft: Kostümbildnerin Alexandra Brandner und ihr Team haben den Deutschen Fernsehpreis für ihre Kostüme aus „The Masked Singer“ auf Pro Sieben gewonnen. Das teilte die Jury des Deutschen Fernsehpreises mit.

In der Kategorie Beste Ausstattung Unterhaltung setzen sich die Mühldorf gegen harte Konkurrenz durch. Auf Platz zwei landeten die Bühnenbildmacher der Helene-Fischer-Show, auf drei das Neo Magazin Royale fürs Szenenbild. Brandner und ihre Kollegin Marianne Meinl haben bereits zum zweiten Mal die Pro Sieben-Show ausgestattet, auch heuer fanden ihre aufwändigen Kostüme und Masken viele Fans – auch die Preis-Jury.

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Update 4. Juni

Alexandra Brandner für Deutschen Fernsehpreis nominiert

Die Mühldorfer Kostümbildnerin Alexandra Brandner ist für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Sie hatte zusammen mit Marianne Meinl und ihrem Team die Kostüme für „The Masked Singer“ hergestellt.

Die Sendung ist in den vergangenen Wochen auf Pro Sieben gelaufen. Brandner ist eine von drei Nominierten in der Kategorie „Beste Gestaltung Unterhaltung“. Wegen Corona wird der Preis allerdings erst im nächsten Jahr verliehen.

Die Kostüme vom Finale "The Masked Singer" 2020 in Aktion

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Der ursprüngliche Artikel vom 6. März

Mühldorf – Wochenlang ist es das mysteriöseste Geschäft Mühldorfs: Der Laden in der Hans-Sax-Passage am Stadtplatz, der früher zum Teppichhändler Teymouri gehörte. Die Fenster sind abgeklebt, dahinter brennt manchmal nächtelang Licht. Ein kleines Schild an der Tür weist auf die „Gewandmeisterei Brandner“ hin. Wer hinein will, muss klopfen, dann kommt die Chefin und bleibt selbstbewusst in der Tür stehen: Nein, rein darf niemand. Was sie macht? Das darf sie nicht sagen.

Seit einiger Zeit sind die Fenster nicht mehr verhängt, der Blick fällt auf Nähmaschinen und große Tische, im Fenster steht ein spektakuläres, barockes Theaterkostüm. Klopfen muss man immer noch, doch diesmal öffnet sich die Tür. Alexandra Brandner bittet hinein, vorbei an Schneidertischen, Trockenblumen und Stoffresten geht es die Treppe hinauf ins Obergeschoss, wo ein großes Sofa unter dem offenen Dach steht. Dort oben wartet mit Marianne Meinl eine zweite Frau, sie trägt einen schwarzen Overall, der voller Farbreste ist.

Was Brandner und Meinl herstellen, ist streng geheim

Wer verstehen will, was die beiden Frauen machen, sollte sich die Fernsehsendung „The Masked Singer“ auf Pro7 anschauen. Dort stecken Prominente in aufwendigen Fantasie-Kostümen hinter Masken. Sie singen unerkannt, bis das Publikum seinen Liebling gekürt hat.

Die Masken, die Gewänder: Sie kommen aus Mühldorf, streng geheim hinter abgeklebten Fenstern hergestellt von Gewandmacherin Brandner und Maskenbildnerin Meinl zusammen mit ihrem zehnköpfigen Team.

Eine etwa andere Ahnengalerie: Viele Prominente haben Alexandra Brandner und Marianne Meinl (links) schon ausgestattet. Einige von ihnen hängen als Bilder im neuen Atelier in Mühldorf. Honervogt

So verschwiegen die beiden Damen sind, wenn es um die nächste Staffel der verkleideten Sänger ab März geht, so gesprächig werden sie, wenn sie von ihrer Arbeit erzählen, ihrem Werdegang und Zusammentreffen, von gemeinsamen Projekten. Dann sprudelt es nur so aus ihnen heraus.

Als Erstes räumen sie Vorurteile ab: Die Gewandmacherei hat mit Nähen wenig zu tun, die Maskenbauerei wenig mit Bastelarbeiten. Beides ähnelt viel eher dem Bau von aufwendigen Kostümen. „Es ist wie bei einem neuen Automodell: „Man muss erst etwas entwickeln“, sagt Brandner.

Wenn die beiden Frauen, planen, wie ein Auftrag umgesetzt werden kann, wie Kostüme stabilisiert oder mit Masken verbunden werden können, wie die Technik des Maskenbaus die Stoffkostüme verbessern kann, dann, sagt Brandner: „Wir sind sozusagen ein Kopf.“

Ein Kostüm als statisches und akustisches Problem

Sie bauen ganze Körper, lösen schwierige statische Probleme oder – wie bei der Schau der maskierten Sänger – akustische Probleme: Wie kann jemand in einer kompletten Maske live so singen, dass er gut zu hören ist? Vom Sehen und sich Bewegen, ganz zu schweigen.

Wer die beiden kennt, kann sie in der Seilerei Weiß am Stadtplatz treffen, bei Dekorado, im Stoffladen oder bei Müller. Dort kaufen sie ihr Material ein. Besonders gerne im Baumarkt. Ein Pömpel wird zum Untergestell für Pinocchios Nase, aus Abflussrohren, Wurfzelten und Kinderschaufeln entstehen Kostüme.

Die Erwartungen an die Kostüme bei "The Masked Singer" sind riesig

Meist erzählt Brandner, die mit 47 Jahren die ältere der beiden ist. Sie stammt aus Garching, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitete bis zuletzt in Altötting. Ihr Atelier wurde zu klein, es folgte im Sommer der Umzug in die Hans-Sax-Passage in Mühldorf, wo Maskenbildnerei und Gewandmacherei gegenüber angesiedelt sind. Brandner sitzt aufrecht in ihrem Sessel, Retrobrille, schwarzer Pulli, weite Hose.

Ihre Bewegungen sind ausladend. Wenn sie über die Arbeit spricht, erzählt sie mit ihrem ganzen Körper über all die Jahre, von ersten kleinen Aufträgen an Theaterbühnen bis zu den jetzigen großen, spektakulären Jobs. Ben Becker als Tod bei den Salzburger Festspielen, Placido Domingo und Anna Netrebko, das Residenztheater, Pro7: „Da ist die Luft ganz dünn, die Erwartungen sind riesig“, sagt sie, „es ist ein Knochenjob.“ Mehrere 100 Arbeitstunden stecken in manchem Kostüm.

Lesen Sie auch: „The Masked Singer“: Treten diese Promis in der zweiten Staffel der Pro7-Show an?

Das sieht man vor allem Marianne Meinl an. Die 31-Jährige, groß, schlank, ist sehr blass. Sie sieht müde aus. 16 oder 17 Stunden hat sie am Stück gearbeitet, das Wochenende im Overall in ihrer Werkstatt verbracht, während der Freund in Wien seinen 40er feierte. Sie hat die Beine übereinandergeschlagen, das lange blonde Haar kaum gebändigt zusammengesteckt. Sie sagt: „Der Job ist so hart, das schaffst Du nur, wenn Du dafür brennst.“

Da ist der große Zeitdruck, wenn eine Premiere vor der Tür steht; da sind die vielen Nachtschichten, die Reisen ans Filmset, wie jetzt nach Köln, wo die „Masked Singer“ produziert werden; da ist das Leben im Hotel. Alle vom Team, die nicht wie Brandner in der Gegend leben, wohnen im Altöttinger Tor. Damit es trotzdem geht, sagt Brandner: „Wir passen aufeinander auf.“

Zusammen stark gegen Intrigen, Machtspiele und sexuelle Belästigung

Das gilt bei der aktuellen Arbeitsbelastung, das gilt schon länger, vor allem wenn es hinter den Bühnen und in den Studios rau zu geht. Intrigen, Machtspielchen, die beiden Frauen haben einiges von dem erlebt, was man dem Showbiz zuschreibt. Auch sexuelle Belästigung? Brandner nimmt Frauen in die Pflicht des Neinsagens – und zum einzigen Mal an diesem Nachmittag stimmt ihr Meinl nicht zu.

Sie ordnet ihre Haare neu, verschränkt die Arme, widerspricht. Erzählt, wie auch sie in jüngeren Jahren Anmache und sexuell motivierten Druck erlebt hat, die Sorge, einen Auftrag zu verlieren, wenn man sich widersetzt. Mit dem eigenen Geschäft haben sie sich davon unabhängiger gemacht, können selbstsicherer auftreten, wenn es nicht passt, gibt es keine Zusammenarbeit, betont Brandner.

Der große Traum vom Kostüm für Hollywood

Die beiden stehen unter Strom. Fragt man Meinl nach ihrem Traum, antwortet sie: „schlafen“. Doch dann stimmt sie ihrer Kollegin eifrig zu: „Wir hätten nix gegen Hollywood“, sagt Brandl, „wir wollen eine Auszeichnung“, sagt Meinl. Oscar oder Grammy? Das ist egal.

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Sollte es an die Vorbereitung dieses Traumes gehen, könnten Passanten es daran erkennen, dass wieder einmal die Fenster in der Hans-Sax-Passage abgeklebt sind. Und im Abspann eines großen Films bei den Kostümen die Namen von Alexandra Brandner und Marianne Meinl stehen.

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