AMTSGERICHT ALTÖTTING

Tausende von Kinderpornos - Töginger sagt vor Gericht, er habe die Seiten melden wollen

8000 Dateien mit Kinderpornos hatte ein Töginger gespeichert. DAfür muss er jetzt in Gefängnis.
+
8000 Dateien mit Kinderpornos hatte ein Töginger gespeichert. DAfür muss er jetzt in Gefängnis.
  • Jens Zimmermann
    vonJens Zimmermann
    schließen

„Ich bin da irgendwie rein gerutscht. Ich war neugierig“, sagte ein Angeklagter aus Töging, der sich jetzt vor dem Amtsgericht Altötting wegen Besitzes von Tausenden von Kinderpornos verantworten musste.

Altötting/Töging – Er selbst sei im Alter zwischen sechs und zehn Jahren vom Freund der Nachbarin missbraucht worden, so der Angeklagte. Ihm sei es darum gegangen, alle Seiten, auf denen er Zugriff auf Kinder- und Jugendpornos hatte, zu melden.

Für den Besitz von rund 8.000 Dateien wurde der Töginger nun zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – ohne Bewährung.

Angeklagter: „Das ist ja richtig krank.“

Für sein Motiv habe er die Inhalte herunterladen müssen, um zu kontrollieren, ob es sich wirklich um verbotene Inhalte handle. Die Videos habe er sich nicht komplett angeschaut, denn sexuell habe es ihn nicht erregt. „Das ist krank. Ich hätte aber alles wieder löschen müssen“, so der 44-Jährige. Stattdessen ordnete er ein Großteil dieser Inhalte auf seiner Festplatte. Hochgeladen habe er solche Inhalte aber nie.

Lesen Sie auch: Wegen Kinderpornographie vor Gericht: Bewährung für Ex-Polizisten aus dem Chiemgau

Seit Februar 2018 bis zur Wohnungsdurchsuchung 16 Monate später war er dafür im Darknet aktiv. Besonders dieser lange Zeitraum, und die ordentliche Speicherung der Daten sorgte aber bei der Staatsanwältin Stephanie Windhorst und dem Richter Thomas Wüst für Zweifel am Motiv des 44-Jährigen. Die Bilder könne man laut Staatsanwaltschaft auch nicht leugnen, der Grund dafür sei aber fraglich.

Sechsjähriges Kind geschlagen

Einigkeit herrschte dagegen beim zweiten Anklagepunkt. Der Töginger habe im September 2019 dem sechsjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin einen Schlag auf den Hintern und eine Ohrfeige verpasst, nach der das Kind mit dem Kopf gegen eine Sitzbank stieß. „Ich war in der Situation überfordert, und mir ist die Hand ausgerutscht“, zeigte sich der Angeklagte reuig.

Lesen Sie auch: Kinderpornografie: Traunsteiner Gericht verurteilt Grassauer (43) zu Bewährungsstrafe

Dass das Kind Wutausbrüche habe, würde laut Richter Wüst erklären, wie es dazu kam, aber die Tat nicht rechtfertigen. „Das geht gar nicht. Die Verletzungen zeigen auch, dass der Angeklagte gut hingelangt hat“, so Wüst. Positiv sei dagegen, dass es sich dabei wohl um einen Einzelfall gehandelt habe und das Kind dem Angeklagten vergeben habe.

Zehn Vorstrafen und keine Bewährung

Dass die Gesamtstrafe nicht auf Bewährung ausgesetzt wurde, lag auch an den zehn Vorstrafen des 44-Jährigen. Zwar seien das andere Delikte, aber die Tatzeit erstrecke sich über eine noch nicht abgelaufene Bewährung. An eine dauerhafte straffreie Zeit glaubt der Richter derzeit nicht. „Durchschnittlich hat der Angeklagte rund 500 Dateien im Monat heruntergeladen. Ich glaube nicht, dass jede gemeldet wurde. Zudem zeigt seine Herangehensweise im Darknet von einer gewissen kriminellen Energie“, so Wüst in seiner Begründung.

Mehr zum Thema

Kommentare