Im Takt bleiben: Heldensteins Bürgermeisterin Antonia Hansmeier zwischen Gemeinderat und Bullenmast

Heldensteins neue Bürgermeisterin Antonia Hansmeier an ihrem neuen Arbeitsplatz. Ihr Amt will sie mit ganzem Herzen erfüllen. Petzi

Mitten in der Corona-Krise ist Heldensteins Bürgermeisterin Antonia Hansmeier in eine Herausforderung gestartet. Für ihr Amt hat sie in den nächsten Jahren viel vor.

Von Nicole Petzi

Heldenstein – Antonia Hansmeier ist ein durch und durch ‚getakteter‘ Mensch. Sie liebt die Ordnung. Dementsprechend hat die neue Bürgermeisterin von Heldenstein als erstes nicht nur ihr neues Büro im Rathaus in ihrem Sinne gestaltet, sondern auch die Schautafeln davor strukturiert – Neues aus dem Bauamt, aus dem Gemeinderat, Aktuelles auf einen Blick eben.

Die Verwaltung auf neue Beine stellen, dazu sieht die 36-Jährige von der CSU aber keine Veranlassung. „Heldenstein ist gut aufgestellt!“ Dennoch: Wichtige Projekte stehen jetzt in der Gemeinde vor der Tür. Es gibt Handlungsbedarf, den sie mit ihrem jugendlichen Elan angehen möchte.

Mit der Politik in den Stall

„Ich möchte das mir anvertraute Amt mit ganzem Herzen erfüllen – gerade weil es auf ehrenamtlicher Basis ist“, beteuert die junge Landwirtin und zweifache Mutter. Ihr Ehemann werde ihr auf dem Hof den Rücken freihalten. Und auch wenn eine mechanisierte Bullenmast einiges an Arbeit abnehme, so gehe Antonia Hansmeier abends gerne in den Stall. Um abzuschalten. Manchmal nimmt sie allerdings auch die Kommunalpolitik mit: „Im Stall übe ich manchmal meine Reden ein. Schade, dass ich dafür kein Feedback erhalte.“ Die Landwirtin lacht.

Diskutiert wird dafür mehr als genug im Gemeinderat. Die konstituierende Sitzung war geprägt von schroffem Gegenwind. Erwartet habe Antonia Hansmeier das nicht, schließlich habe man eine fraktionsübergreifende Vorbesprechung eingeführt, um die Tagesordnungspunkte vorab zu klären.

Ob sie das als Kritik an ihrer Person betrachtet? Der ein oder andere müsse sich vielleicht erst an eine junge Frau an der Spitze der Gemeinde gewöhnen. „Ich will mein Bestes geben, denn es geht mir um das Wohl aller gemeindebürgerinnen und -bürger.“

Um für die Zukunft Schärfe aus den Sitzungen herauszunehmen, werde die Verwaltung diese akribisch vorbereiten. Und noch etwas ist neu: Auch die Bürger sollen mehr in die Gemeindearbeit mit einbezogen werden.

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Statt Referenten gibt es nun Beauftragtenstellen in den jeweiligen Fachbereichen wie etwa Landwirtschaft oder Gewässerschutz. „Die Beauftragten sollen als Bindeglied zwischen Gemeinde und Bürgern fungieren.“

Nah am Bürger, nah am Unternehmer. Auch mit diesem möchte Antonia Hansmeier viel enger ins Gespräch kommen. Einladungen zu einem geplanten ‚Unternehmerstammtisch‘ seien schon in Planung. Sobald es die öffentliche Sicherheit erlaubt, könne man mit dem gebotenen Abstand zu Corona-Zeiten in der Turnhalle abhalten.

„Natürlich ist Heldenstein nicht so sehr wie andere Gemeinden von Gewerbesteuereinnahmen abhängig“, erklärt die Bürgermeisterin. Allerdings könnte sich die Situation mit vermehrt ansässigen Unternehmen aufgrund der A94-Anbindung in Zukunft ändern. Allein zwei Gewerbeanfragen habe Antonia Hansmeier an nur einem Tag erhalten. Bleibt die Frage nach den Grundstücken… Das ist allerdings Zukunftsmusik.

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Noch in diesem Jahr soll sich für die Heldensteiner allerdings die strittige Frage um den Badeweiher klären. Aufgrund Neuerungen im Infektionsschutzgesetz im Jahr 2017 wird der Weiher als künstliches Gewässer eingeordnet. Deshalb ist das Wasser aufzubereiten. Deshalb möchte Antonia Hansmeier den Badeweiher mit einem Regenerationsbecken und biologischer Filtration umgestalten. Zielführende Gespräche konnten bereits in kürzester Zeit mit dem Landratsamt und den Fachbereichsleitern geführt werden.

„Der Badeweiher soll als Naturbad erhalten bleiben und möglichst noch diesen Sommer als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde wieder eröffnet werden.“ Vorausgesetzt, das Virus lässt dies zu, könnte der Spatenstich in wenigen Wochen stattfinden. Säuberungen laufen bereits.

Debatte um mögliche Trasse

Was dagegen noch in den Sternen steht, ist eine Lösung der Debatte um eine mögliche Trasse Blumenau im Zuge des zweigleisigen Bahnausbaus. „Ich möchte mich für die Sonderproblematik um Weidenbach einsetzen und das beste Ergebnis erzielen“, sagt Hansmeier. „Aber eine Trasse mitten ins Grüne hinein und entgegen der Gewerbeentwicklung zu platzieren, ist einfach nicht zukunftsträchtig. Ob diese Lösung am billigsten ist, ist auch nicht gesagt!“ Hier sei auf jeden Fall nachzurechnen. Antonia Hansmeier wirkt bestimmt. Gespräche im Landratsamt, mit der Deutschen Bahn und Abgeordneten stehen an. Das letzte Wort sei hier noch nicht gesprochen.

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