13. August 2020

Tag der Linkshänder: Mühldorfer berichten von ihren Erfahrungen früher und heute

Die Mühldorfer Linkshänderin Anja Bartsch musste in der Schule noch umlernen.

Es gibt noch viele Linkshänder, die in der Schule lernen mussten mit rechts zu schreiben. Es sind ungute Erinnerungen für die Betroffenen. Heute ist das Leben eines Linkshänders wesentlich entspannter. Zum internationalen Tag der Linkshänder am 13. August berichten sechs Mühldorfer.

Anja Bartsch: Ich schrieb mit der „falschen Hand“

Die 52-jährige Anja Bartsch aus Mühldorf war eines der letzten Kinder, das in der Grundschule von der linken auf die rechte Hand umlernen musste, was für sie eine „Katastrophe“ bedeutete. „Meine Mutter musste unter meinen Hausaufgaben unterschreiben, dass ich sie mit der rechten Hand geschrieben habe.“

Die Umstellung auf die andere Hand führte damals bei ihr sogar zu einer Lese- Rechtschreibschwäche, wie die gelernte Schneiderin heute weiß. Diese verschwand erst mit den Jahren wieder, als sich das Gehirn auf das Schreiben mit der rechten Hand eingestellt hatte. Heute fühlt es sich für Bartsch normal an, mit der rechten Hand zu schreiben.

Alles andere, zum Beispiel die Schneiderschere, den Tennisschläger oder den Suppenlöffel halte sie aber mit der linken Hand. Im Alltag begegnen ihr immer wieder Utensilien, die eigentlich nur für Rechtshänder geeignet sind: „Beim Suppenschöpfer meiner Oma war der Ausgießer einfach auf der falschen Seite.“ Sst

Peter Schmid-Rannetsberger: Vieles geht mit auch mit rechts

Peter Schmid-Rannetsberger aus Waldkraiburg ist vielleicht kein Linkshänder im klassischen Sinne. Der technische Angestellte benutzt beide Hände zu unterschiedlichen Zwecken. „Im Kindergarten wurde mir vermutlich einfach der Stift in die rechte Hand gedrückt“, sagt der 54-Jährige. Das habe er auch nie infrage gestellt und schreibt und schneidet seitdem mit der rechten Hand.

Peter Schmidt-Rannetsperger

Im Sport bevorzuge er jedoch die linke Seite, erklärt der Waldkraiburger: „Beim Fußball schieße ich den Ball mit dem linken Fuß gut und weit, mit dem rechten sieht es schlechter aus.“ Auch beim Dartspielen könne er nur mit der linken Hand werfen. „Die Trefferquote mit links ist schon deutlich höher. Rechts ist kein Vergleich dazu“, sagt Schmid-Rannetsberger.

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Eine spezielle Situation aus der Kindheit ist dem 54-Jährigen in Erinnerung geblieben: „Ich hatte mal eine Gitarre in die Hand bekommen. Da hieß es: Du nimmst die Gitarre ja verkehrt herum!“ sst

Charlotte Konrad: Früher wenig Verständnis für Linkshänder

„Die Welt ist zwar auf Rechtshänder eingestellt, ich komme aber mit meiner bevorzugten linken Hand im Leben bestens zurecht“, sagt Charlotte Konrad. Sie erinnert sich an ihre Grundschulzeit: „Damals gab es wenig Verständnis für Linkshänder. Jeder, der Kreide oder Stift in die linke Hand nahm, wurde auf rechts gedrillt.“

Charlotte Konrad

Aus diesem Grund, erklärt die 61-Jährige, sei ihr Schriftbild bis zum heutigen Tag nicht perfekt. Im Elternhaus hätte man auf sie keinerlei Druck ausgeübt. „In meiner Generation kam man spätestens als Schulkind ziemlich in die Zwickmühle, weil es immer wieder hieß, man müsse die sogenannte schöne Hand zum Schreiben nehmen“, sagt die Erzieherin. Sie erinnert sich auch ungern an die Handarbeitsstunden. Mit der rechten Hand häkeln und stricken bedeutete große Anstrengung.

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Heute verlangt niemand mehr von Charlotte Konrad, Schals oder Socken zu stricken, worüber sie nicht traurig ist. Die Kindergarten-Leiterin betont, sie wäre auch mit ihrer rechten Hand nicht völlig ungeschickt, doch würden sämtliche Arbeiten, die etwas Kraft erfordern, ausschließlich mit links ausgeführt. Charlotte Konrads Tochter ist ebenfalls Linkshänderin. Was die Mutter freut: „In dieser Altersliga sah man die Sache mit der Händigkeit Gott sei Dank wesentlich entspannter“. Huc

Kathrin Moses: „I mach ois mit links“

Wie ihre Mutter ist auch die gelernte Malerin Kathrin Moses Linkshänderin. Im Gegensatz zu ihrer Mutter durfte sie aber in der Schule schon mit einem Füller für Linkshänder Schreiben lernen.

Seit jeher kennt die 31-jährige Niederbergkirchnerin das „Scheren-Problem“, das wohl allen Linkshändern bekannt sein dürfte. Wenn keine spezielle Schere für Linkshänder vorhanden ist, kann sie nichts schneiden.

Kathrin Moses

Mit der linken Hand einen Pinsel halten und streichen, das war für sie nicht schwer. Ihre linke Hand ist ihr in der Ausbildung sogar zugutegekommen, denn jeder Maler muss mit beiden Händen streichen können.

Abgesehen vom Malern macht Kathrin Moses „ois mit links“. Sie streicht das Butterbrot genauso mit links, wie sie den Stift in der Hand hält und Papier schneidet. Eine Ausnahme ist die Computermaus, die schon immer“ rechts neben der Tastatur lag. Sst

Marianne Gößl: Vorteile beim Tennisspielen

„Eigentlich ist es vor Schulbeginn niemanden so richtig aufgefallen, dass ich bevorzugt die linke Hand bei all meinen kindlichen Tätigkeiten benutzte“, erklärt Marianne Gößl aus Waldkraiburg. Erst als sie eingeschult wurde, ging es los mit dem sogenannten „Umlernen“. Die kleine Marianne musste die rechte Hand für sämtliche Schreibarbeiten einsetzen, auch wenn dies kein leichtes Unterfangen war. Widerrede gab es damals im Unterricht noch nicht.

Marianne Gößl

„Wir waren brave Kinder und sind der Lehrerin gefolgt“, sagt die 69-jährige Rentnerin, die bis zum heutigen Tag fast alles mit der linken Hand erledigt – egal ob es das Schmieren eines Butterbrotes ist oder das Auseinanderhacken eines Holzscheites für den Kachelofen.

Die rechte Hand wird nicht zwingend gebraucht. Worüber sich Marianne Gößl selbst wundert: „Eine Suppe löffle ich links aus, während ich mich bei Messer und Gabel aber wie ein Rechtshänder verhalte.“ Ihre besondere Händigkeit sieht sie nicht als Nachteil an. Im Gegenteil: Beim Tennisspielen hätte sie gegenüber den Rechtshändern sogar Vorteile, erklärt Gößl. Huc

Andreas Mader: Nur ein halber Linkshänder

Für Andreas Mader ist der Linkshänder-Tag bestimmt kein Feiertag: „Ich bin nur so ein halber Linkshänder.“ Beim Einschulungstest hieß es, das Kind sei beidseitig angelegt. Viele Dinge erledigt der Waldkraiburger daher mit der rechten und linken Hand. Andreas Mader spricht die Computer-Maus an, die er mit rechts bedient: „Mittlerweile gibt es die Computer-Maus auch für Linkshänder, aber das umzustellen, ist für mich jetzt nicht mehr erforderlich“, sagt der 32-Jährige, der als Sachbearbeiter im Rathaus tätig ist.

Andreas Mader

Wenn Andreas Mader im Kochtopf rührt oder einen Nagel in die Wand schlägt, dann kommt auf alle Fälle die linke Hand ins Spiel. Ebenso verhält es sich bei den Mahlzeiten. Essen und trinken mit links war im Knigge nicht vorgesehen. „Bei einer vornehmen Tafel ist das Besteck ja bereits eingedeckt. Aus Höflichkeitsgründen lege ich daher Messer und Gabel nicht um“, erklärt Andreas Mader. Daheim, im Kreise der Familie, oder bei Freunden nehme der junge Mann das Messer in die linke Hand, die Gabel halte er in der rechten.

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