Wieder verwenden oder wegwerfen: Streit um gebrauchte Eierkartons am Grünen Markt in Mühldorf

+
Josef Trager füllt Eier in eine gebrauchte Schachtel. Laut Anordnung der Lebensmittelkontrolle im Landratsamt darf er das nicht tun.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Bei einer Kontrolle des Gesundheitsamtes auf dem Grünen Markt am Mühldorfer Stadtplatz wurde den Verkäufern von Eiern untersagt, gebrauchte Eierschachteln wieder zu verwenden. Das sorgt für großes Unverständnis bei den Kunden

Mühldorf – „Aus meiner Sicht ist diese Hygienevorkehrung doch etwas übertrieben. Einige Kunden haben nur den Kopf geschüttelt, als sie das erfuhren“, sagt zum Beispiel Ursula Schörner-Grätz, die die Diskussion mitverfolgt hat und die Heimatzeitung nach dem Vorfall informiert hat. Das taten am gleichen Vormittag zwei andere Kundinnen. Auch andere hätten sich in die Diskussion eingeschaltet und auf die ihrer Meinung nach sinnlose Verschwendung von noch guten und intakten Verpackungen hingewiesen.

Sinnlose Verschwendung intakter Verpackungen?

Josef Trager nimmt einen großen Stapel gebrauchter Eierkartons in die Hand. Sie stammen von Kunden der verschiedenen Märkte, die er besucht. Sein Wagen, in dem es auch selbst gebackenes Brot gibt, steht in Ottobrunn, München-Laim, Schwabing und Unterschleißheim. Und Mühldorf. Kontrollen, erzählt er, gebe es überall, betroffen seien stets auch die Eierkartons. Immer verbunden mit dem Hinweis, dass die Verwendung eigentlich nicht zulässig sei.

Acht Cent kostet jeder Karton

In Mühldorf gebe es diese Toleranz nicht, die Lebensmittelkontrolle habe die Verwendung untersagt, berichtet er nach der Überprüfung an seinem Stand am vergangenen Donnerstagvormittag.

Acht Cent kostet ihn jeder Karton, der Preis sei aber nicht der Grund, für die Wiederverwertung. „Da geht es um Umweltschutz“, betont Trager. Nach seinen Angaben entstehen bei der Herstellung eines Kartons etwa 200 Gramm Co2, bei der Verbrennung sogar 300. Eine Umweltbelastung, die auch viele Kunden vermeiden wollen.

Landratsamt: Kartonagen lassen sich nicht reinigen

Sie bringen ihre Kartons mit und lassen sie wieder befüllen. Wer erst nach Wochen wiederkommt, bringt auch schon mal ein halbes Dutzend zurück, das dann in den Vorrat wandert. „Allerdings nur, wenn sie sauber sind“, sagt Trager und zerreißt eine fleckige Schachtel.

Salmonellen, so die offizielle Begründung, könnten von den Kartons auf die Eier übertragen werden. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Trager. In ein unbeschädigtes Ei könnten sie ohnehin nicht eindringen, die Schale schützt es. Das sieht das Landratsamt anders. „Aus hygienerechtlicher Sicht ist eine Wiederverwendung von gebrauchten Eierverpackungen aus Pappe nicht möglich“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage der Heimatzeitung. „Umhüllungen und Verpackungen, die für Lebensmittel wieder verwendet werden, müssen leicht zu reinigen und erforderlichenfalls leicht zu desinfizieren sein.“ Eierkartonagen seien nicht zu reinigen, nähmen Verunreinigung auf und speicherten sie.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Einen Ermessensspielraum sieht das Amt nicht: „Wir wurden von unseren vorgesetzten Behörden ausdrücklich aufgefordert, dies zu beachten. Es handelt sich um eine bayernweit gültige Anweisung der Verbraucherschutzbehörden.“ Am vergangenen Donnerstag war Selbstbedienung angesagt. Kundinnen durften sich Eier aus den offenen Papp-Paletten nehmen, in ihre eigenen Kartons legen, vorzeigen und bezahlen. Überzählige Kartons mussten sie wieder nach Hause tragen. Das ist laut Landratsamt erlaubt: „Grundsätzlich können Kunden ihre eigenen, selbst mitgebrachten Eierkartonagen selbst befüllen.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Ein Leben ohne Müll – wie eine bayerische Familie Abfall vermeidet

Der mühsame Kampf gegen die Verpackungsflut

Auch an diesem Donnerstag. Ob Eier- und Brothändler Trager dann aber da ist, ist fraglich: „Ich komme nicht mehr nach Mühldorf“, sagte er verärgert am Tag der Kontrollen. Seit 50 Jahren versorge seine Familie Marktbesucher mit Eiern und Brot. Zuerst die Eltern im damaligen Markt am Bahnhof jetzt der Sohn auf dem Stadtplatz. Ob ein 51. Jahr folgt, ist offen.

Das sagen Marktbesucher und Standbetreiber

Wir haben uns am Grünen Markt in Mühldorf umgehört: 

Robert Süßmann.

Robert Süßmann (64), Rentner, aus Mühldorf: „Diese Verordnung ist in meinen Augen Blödsinn. Irgendjemand muss die vielen Eierkartons ja zahlen, die nun in höheren Mengen eingekauft werden müssen. Und das sind die Verkäufer, sie haben durch die Hygienevorschriften viel mehr Aufwand. Ich sehe da kein gesundheitliches Problem, die Schachteln wieder zu verwenden. Man muss die Eier nur richtig zu Hause lagern, dann sind auch die Schachteln keimfrei und können beim nächsten Einkauf wieder mitgebracht werden.“

Patrick Merkel.

Patrick Merkel (35), Webdesigner aus Mühldorf: „Wir gehen auf den Wochenmarkt, weil die Produkte frisch und direkt vom Erzeuger angeboten werden. Man spart viele Ressourcen. Dass man dann die gebrauchten Kartons nicht noch mal verwenden darf und sie wegwerfen muss, ist nicht zielführend. Selbstverständlich ist jeder Kunde eigens verantwortlich, dass die Schachteln sauber sind. Dann gibt es auch keine Gefahr für die Hygiene. Auch Tupperdosen oder Stoffbeutel sind gut, um nachhaltig einzukaufen.“

Jennifer Hecker.

Jennifer Hecker (38),Flugbegleiterin aus Mühldorf: „Das ist doch lächerlich. Ich kaufe zwar selten Eier auf dem Markt ein, da ich sie meistens von einem Bekannten bekomme. Dennoch benutze ich die Schachteln danach wieder. Ich verstehe die Bedenken, die das Gesundheitsamt hat. Trotzdem ist das reine Panikmacherei. Es ist doch gut, wenn man so viele Produkte wie möglich wieder verwenden kann. Und diese Verordnung steht im direkten Widerspruch dazu. Wenn man etwas für die Umwelt tun möchte, dann zählt jede kleine Sache.“

Thomas Müller

Thomas Müller (39), Nebenerwerbslandwirt aus Ranoldsberg: „Ich verkaufe auf dem Mühldorfer Wochenmarkt auch Eier. Im Verkaufsraum ist es mir untersagt, benutzte Schachteln wieder zu verwenden. An meiner Theke habe ich frische Kartons und lose Eier. Natürlich kommen viele Leute mit ihren eigenen Schachteln und legen die Eier dort wieder hinein. Das ist meiner Meinung nach kein Problem. Ob eine Schachtel beschmutzt ist und nicht mehr verwendet werden sollte, das sagt mir doch der gesunde Menschenverstand.“

Kommentare