Vom stolzen Schloss in Steeg blieb nur die Kapelle

Schloss Steeg auf einem Kupferstich.

Eine bewegte Geschichte steht hinter der Schlosskapelle in Steeg

Von Franz Rampll

Buchbach/Steeg – Die Schlosskapelle in Steeg bei Buchbach gelegen, ist das Überbleibsel des Schlosses und Mittelpunkts der ehemaligen Hofmark Steeg. Wo jetzt nur noch dieses Kirchlein steht, war zuletzt der Sitz der Freiherrn von Mandl.

Ein Wasserschloss von seltener Schönheit, wie urkundlich nachgewiesen ist. In manchem Hausflur in Steeg und Umgebung hängt noch ein Kupferstich von diesem einzigartigen Bauwerk. Dabei ist fraglich, ob es sich dabei wirklich um die originale Ansicht handelt, nachdem es ein weiteres Gemälde von Balthasar Mang von 1805 gibt, das im Foyer im Buchbacher Rathaus hängt.

Den Kupferstich kennen viele

Der Kupferstich ist aber weit verbreitet und fand auch Platz in die Historie der Steeger Schützen, die mit Harry Albrecht, Georg Lantenhammer, Josef Häusler und Hans Kerbl das Schloss als Miniatur zur 1200-Jahrfeier von Buchbach 1988 nachgebaut hatten. Dieses Miniaturschloss wurde zum Jubiläum des Gartenbauvereins zum Blumencorso 2017 restauriert und soll nun weiter bei besonderen Anlässen mitgeführt werden.

Bei der Schlosskapelle in Steeg handelt es sich um einen schlichten Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, dessen Ausstattung vom letzten Rest des Wasserschlosses Steeg stammt. Das Schloss Steeg hat eine bewegte Geschichte hinter sich und so sollen nach dem letzten Gerichtshalter der Maendl’schen Schlossherrschaft in der dortigen Schlosskapelle schon um 1257 Messen gelesen worden sein. Urkundlich erstmals erwähnt sind die Pfäffinger von 1203 bis 1476. Dabei stiftete der „Ritter Hanns Pfäffinger zum Steeg und Erbmarschall in Bayern“ 1449 das erste Benefizium. Einiges an Inventarium befindet sich noch heute im Besitz der Pfarrkirche.

Ihnen folgen von 1476 bis 1641 die Loßnitzer, wobei von Rittmeister Cuno von Loßnitz laut Dekret des Papstes 1492 und 1581 für die Schlosskapelle eine Reihe von Ablässen erwirkt wurden. Sie kam in dieser Zeit zu einer überörtlichen Bedeutung, weiEine bewegte Geschichte steht hinter der Schlosskapelle in Steegl Ablässe, meist mit einem finanziellen Beitrag in die „Opferpixn“ (Opferbüchse) verbunden waren und einen gewissen Wohlstand sicherten.

Es gab auch ein Brauhaus

Was vielen nicht bekannt ist: Durch Stephan Cuno von Loßnitz wurde 1625 ein Bräuhaus in Steeg errichtet. Nach den Aufzeichnungen wurden die Wirte von Steeg und Wörth mit dem Bier beliefert. Kein langes Kapitel: Nach knapp 100 Jahren 1723 hat Probst Gelasi von Gars als „Testaments-Exekutor“ dem Freiherrn Simpert von Mandl die Braupfannen aus dem ruinösen Bräuhaus von Steeg weggenommen und ins Kloster Gars verbracht, was das Ende der Brauerei bedeutete.

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Von 1641 bis 1653 kamen die Riemhofer, wobei Ludwig Riemhofer, der Schwager der Beatrix von Loßnitz, 1649 das Benefizium neu stiftete. Darauf folgten die Freiherrn von Maendl (1659 bis 1849) mit dem Hofkammerpräsidenten des Kurfürsten Maximilian von Bayern, Freiherr Johann von Maendl, der 1649 das Schloss Steeg erwarb. Sein Neffe Simpert von Maendl(1688-1723) machte die Schlosskapelle zu einem Mittelpunkt der Marienverehrung und führte mit Hilfe der Franziskaner und Kapuziner von St. Peter in München 1712 die vom Papst genehmigte Bruderschaft der Marianischen-Liebesversammlung ein; sie zählte in der Blütezeit über 1939 Mitglieder.

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Mit dem Tod des Simpert von Maendl im Jahr 1723 fand die Bruderschaft ihr Ende. Sein Nachfolger Thaddae von Maendl versuchte 1780 für seine Schlosskapelle den besonderen Status als „Capella regia“ (mit vorherrschender Bedeutung) zu erwirken, wobei es mit der Salzburger Obrigkeit zum Konflikt kam. In einem Ordinariats-Befehl wurde die Schlosskapelle schließlich zur Filialkirche der Pfarrei St. Jakob in Buchbach erklärt. Zum letzten Mal wurde im Jahr 1836 durch Freiherrn Johann Anton Maendl und dem Domkapitular Leonhard Kurzmiller, einem Steeger Wirtssohn, das Benefizium neu errichtet.

Nach dem Abbruch Rückzug nach Tüßling

Als 1849 die Gutsherrschaft zu Ende ging, wurde das Steeger Schloss abgebrochen und die Freiherrn von Maendl zogen sich auf ihren Besitz in Tüßling zurück. Vor ihrem Wegzug ließ der Schlossherr das sogenannte Herrenhaus (WeindlhSaus, jetzt Vielhuber) in Steeg und später die jetzige Kapelle errichten und gründete ein selbstständiges Benefizium.

Durch diese großzügige Stiftung konnte hier ein alter, gebrechlicher Priester seinen Lebensabend verbringen. Das ganze Vermögen ist schließlich der Inflation zum Opfer gefallen und das Benefizium wurde 1917 der Pfarrei Buchbach einverleibt.

Heute ist vom ehemaligen stolzen Schloss Steeg nur noch ein kleines, schmuckes Kirchlein übrig geblieben und man sieht ihm nicht an, dass es auf über 750 Jahre lebendige christliche Tradition zurückblicken kann.

Weitere, ausführliche Informationen über das Steeger Schloss und die Hofmark Steeg findet man im Heimatbuch die „Puechpecken“ von Max Wallner und auf der Website der Steeger Schützen, www.sg-steeg-1886.de, mit den Grundholden des ehemaligen Rittergutes Steeg.)

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