Steiniger Weg zur Fair-Trade-Stadt: Mühldorf muss noch einige Hürden nehmen

Ein Zentrumfür fairen Handel ist der Welt-Laden auf dem Mühldorfer Stadtplatz. Dort berät Barbara Friedrich (links) Kunden und neue Mitarbeiterinnen wir Amman Abbas. Inzwischen bieten aber auch Supermärkte Waren an, für deren Produktion Bauern in Entwicklungsländer angemessen vergütet werden. honervogt
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Kaffee aus gerechtem Handel bei der Bürgermeisterin, im Café fair gehandelte Schokolade zum Kakao, Vorträge und Informationen über angemessene Löhne in der Dritten Welt: All diese Ziele muss Mühldorf erreichen, wenn die Stadt das Siegel „Fair-Trade-Town" erhalten will. Nach zwei Jahren hat sich noch nicht viel getan.

Mühldorf – Noch ganz am Anfang stehen die Bemühungen, Mühldorf zur „Fair-Traide-Town“ zu machen. Vor zwei Jahren beschloss der Stadtrat, sich der Initiative anzugschließen, in deren Rahmen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Beauftragter Dr. Georg Gafus (Grüne) zog jetzt vor dem Stadtrat eine zurückhaltende Bilanz. „Wir haben noch einiges zu tun, bis wir da wirklich voran kommen.“

Wie gerechter Handel aussieht, stellt Barbara Friedrich im Weltladen auf dem Mühldorfer Stadtplatz vor. Schmuck und Filzsachen. Töpferware, Handtaschen und Gläser, Wein, Kaffee, Schokolade: das helle Geschäft ist ein wahrer Gemischtwarenladen. 2017 ist von der Tuchmacherstraße dorthin gezogen, brummt das Geschäft, erzählt Friedrich, die zusammen mit 20 anderen, zumeist Ehrenamtlichen, den Laden führt.

Stammkundschaft und Laufkunden kommen vorbei, der Kauf von gerecht gehandelten Waren wird laut Friedrich immer normaler. „Die Leute trauen sich rein, der Laden wird angenommen.“ Dabei geht es nicht mehr klassisch nur um fair gehandelten Kaffee, längst sind die vielen Kunsthandwerksdinge zum Topseller geworden.

Raus aus der Pfarrbasar-Ecke

Fairer Handel, seit den 1970er Jahren ein Schlagwort, hat sich aus den Pfarreibasar-Ecken in Mühldorf zu einem schon fast normalen Geschäftszweig gewandelt. Die Genossenschaft Fair-Handels-Haus Bayern, die den Laden am Stadtplatz betreibt, zahlt Produzenten in Entwicklungsländern angemessene Preise für ihre Rohstoffe, achtet darauf, dass Kinder nicht für die Produkte arbeiten müssen und schaut zunehmend auch auf Bioqualität. Die Genossenschaft prüft auch, dass die Hersteller keine giftigen Substanzen zu verwenden.

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Vor allem im Kakao- und Kaffee-Bereich hat sich das Bewusstsein für alternativen Einkauf so weit entwickelt, dass auch die Supermärkte in der Stadt fair gehandelte Ware anbieten.

Der Weg Mühldorfs zur Fair-Trade-Town steckt trotzdem noch in den Kinderschuhen; seit dem Stadtratsbeschluss, ihn zu gehen, gibt es nur sehr kleine Erfolge. Fünf Kriterien sind zu erfüllen, bevor es das Siegel gibt. Die Stadt erfüllt nach Angaben von Stadtrat und

Beauftragten Gafus einige dieser fünf Kriterien. Vor allem bei der Motivation von Partnern hapere es aber noch, stellte Gafus fest.

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Erfüllt ist nach seinen Angaben die Verwendung fair gehandelter Produkte bei städtischen Veranstaltungen und im Büro der Bürgermeisterin. Auch gebe es eine Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten in der Stadt koordiniere, Schwerpunkte setze und den Informationsaustausch zwischen den Gruppen sicher stellen solle. Allerdings bestehe sie derzeit nur aus dem Leiter der Gruppe, Holger Lüttich, und ihm, Gafus, als Vertreter der Stadt. „Im Hintergrund sind aber mehr Leute tätig“, sagte der Grüne vor dem Stadtrat.

Nur wenige beteiligen sich

Von drei Gaststätten, die im Stadtgebiet fair gehandelte Ware anbieten müssten, sei erst einer gefunden, auch die Zahl der Vereine oder Institutionen, die sich beteiligten, sei mit zweien noch sehr gering. Nachholbedarf gebe es auch bei Veröffentlichungen über Aktionen in der „Fair-Trade-Town“-Mühldorf, die es allerdings auch noch nicht gebe, und bei Informationsveranstaltungen. Ein geplanter Vortrag sei ausgefallen.

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„Fair-Trade-Städte“ in der Region sind Burghausen, Burgkirchen, Tittmonning, Traunreut Trostberg, Pfarrkirchen und Waldkraiburg.

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