Phänomen in der Corona-Zeit: Aus einem bunten Stein am Innkanal in Mühldorf werden hunderte

Christian Häusler mit seinen beiden jüngsten Töchtern Lena (11, links) und Mona (5).

Den ‚Stein des Anstoßes‘ gegeben haben Christian Häusler und seine beiden kleinen Töchter, die elfjährige Lena und die fünfjährige Mona. Der 43-jährige Schreiner und vierfache Vater wollte eigentlich inkognito bleiben, die Heimatzeitung hat in ausfindig gemacht und befragt.

Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Christian Häusler: Über Facebook. Da habe ich von einer solchen Aktion erfahren und dachte mir, das machen wir jetzt auch am Innkanal von einer Brücke zur anderen. Besonders meine zwei jüngsten Töchter, die Lena und die Mona, fanden das toll. Die Idee hat auch mich gleich gepackt, weil in Corona-Zeiten, wo der Abstand zwischen den Menschen groß sein muss, soll der Zusammenhalt eng sein.

Unter den Steinen sind wahre Kunstwerke.

Häusler: Richtig. Es sind auch Botschaften drauf, wie zum Beispiel ‚Corona, wir schaffen das‘. Tannenzapfen, sehr viele Tiere, Sprüche, alles Mögliche. Manche verzieren die Steine auch mit Glasperlen. Wunderschön. Hier bekommen die Leute richtig was geboten! 

Auch wir sitzen mittlerweile zuhause und werden immer kreativer mit unseren Steinen. Natürlich suchen wir auch die passenden Steine zum passenden Motiv. Die Ansprüche wachsen. Außerdem sind wir so jeden Tag gemeinsam in der Natur unterwegs.

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Welcher ist Ihr Lieblingsstein?

Häusler: Schwierig sich zu entscheiden. Sie sind alle toll! Was aber schön ist: auch andere Nationalitäten verewigen sich hier. Kroaten, Russen, Schweden.

Wie reagieren die Spaziergänger auf die Steinkette?

Häusler: Es ist wirklich interessant, die Menschen zu beobachten. Egal ob es nun Spaziergänger oder Wanderer sind. Auch Fahrradfahrer bleiben stehen und schauen. Manchmal stehen wir daneben und hört die Leute darüber reden. Dann kommt wieder eine Familie mit dem Fahrrad vorbei, den ganzen Korb voller Steine. Das steckt an. Ist doch besser, als sich zuhause einzugraben und fernzusehen, oder? Kurios, dass es ausgerechnet Corona schafft, dass die Leute wieder mehr raus an die frische Luft gehen.

Die Idee hat Funken geschlagen und eine Kettenreaktion im ganzen Landkreis ausgelöst. Haben Sie damit gerechnet?

Häusler: Überhaupt nicht. Eigentlich dachte ich, dass nach ein paar Tagen irgendeiner das Zeug in den Inn schmeißt [lacht]. Nach dem dritten oder vierten Tag, als die Steinkette zu wachsen begann, war klar, dass das was werden könnte.

Schön, dass Mühldorf so zusammen hält! Wir wollen, dass daraus wirklich eine gemeinsame Aktion wird. Ich bin schon sehr gespannt, wie lange die Kette werden wird und ob wir es bis zur Brücke schaffen.

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Nicht nur Mühldorf ist auf den Geschmack gekommen. Wo gibt es weitere Aktionen?

Häusler: Ich weiß von Schwindegg, Waldkraiburg, Ampfing bis nach Straubing. Auch im Nachbarlandkreis in Töging liegt schon eine Kette. Aber uns geht’s um die Mühldorfer. Die Kinder zählen jeden Tag, wie viele Steine neu hinzugekommen sind. Die Motive werden fotografiert.

Wie viele sind es denn derzeit?

Häusler: Zuletzt waren es knapp 600. Und es werden täglich mehr.

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