Die staade Corona-Zeit als Zeit für sich, für andere, für Gott

Pastoralreferentin Ann-Kathrin Lenz-Honervogt. Privat
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Pastoralreferentin Ann-Kathrin Lenz-Honervogt. Privat

Gedanken zum Palmsonntag von Pastoral-Referentin Ann-Kathrin Lenz-Honervogt aus Mühldorf

Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern während dieser Zeit in der Wochenend-Ausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der zweite Beitrag kommt von Ann-Kathrin Lenz-Honervogt, Pastoralreferentin in der Stiftung Ecksberg.

Palmsonntag in der staaden Zeit

„Das gab´s noch nie: der Palmsonntag fällt in die staade Zeit. Dabei nennen wir staad, doch eigentlich die Adventszeit und beklagen jedes Jahr aufs Neue, wie wenig still diese sogenannte staade Zeit ist: zu viel zu besorgen, zu viel zu tun, zu viele Feiern, zu viel Hektik.

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Gerade erleben wir eine wirklich stille Zeit. Die Umstände, die zu dieser Entschleunigung führen, sind schlimm. Es geht um Leben und Tod. Andererseits aber, hat das Coronavirus genau das zur Folge, was wir uns sonst immer in der Adventszeit wünschen: Ruhe, Entschleunigung, Muße.

Rückzug und Beschränkung betreiben wir aktuell nicht freiwillig. Trotzdem können wir versuchen, Terminabsagen, Arbeitsreduzierung, die gewonnene freie Zeit, als Chance zu nutzen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dann können wir es schaffen, dass aus Rückzug Besinnung wird; aus Entschleunigung Hinwendung zu unseren Mitmenschen und Gott. In dieser staaden Zeit haben wir die Gelegenheit zu Dingen, die sonst zu kurz kommen, wir können innehalten, zur Ruhe kommen, beten.

Warten auf das Ende der Corona-Krise

Auch das Warten, das wir sonst gerne der Adventszeit zuschreiben, lässt sich in dieser besonderen Situation wiederentdecken. Nicht als lästiges Loch im Zeitplan, das mit irgendeiner Ablenkung gefüllt werden muss. Wir können versuchen, die geschenkte Zeit als Warten anzunehmen, das hinführt zu einem Ziel. Dazu ist es natürlich gut, zu wissen, welches Ziel wir ansteuern. Wollen wir die vom Coronavirus bestimmte Zeit nur möglichst schnell überstehen? Wie soll es danach weitergehen? Was ist uns wichtig? Zeit zur Beantwortung dieser Fragen, haben wir jetzt.

Ostern als Zeichen den Neubeginns

Der heutige Palmsonntag, ist ein eigentümlicher Tag: Der gefeierte Einzug von Jesus in Jerusalem und sein qualvoller Tod am Kreuz stehen in den Texten im Gottesdienst gleichberechtigt nebeneinander. Freude und Leid sind untrennbar miteinander verbunden.

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Beides gehört auch zu unserem Leben. Das wird uns gegenwärtig besonders deutlich. Nach dem Palmsonntag aber kommt Ostern. Leben wird neu. Das ist unser Ziel. Gerade in dieser stillen Zeit.“

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