Sprengmittel im Reisetrolley

Mühldorf/Garching. – Freitagnacht druckste ein schmaler Typ um den Fahrkartenautomaten am Bahnhof Garching an der Alz (Kreis Altötting) herum.

Der junge Mann mit Kappe tat so, als würde er sich ein Ticket nach Mühldorf ziehen. Drei Gepäckstücke brachte er dann gegen 22.05 Uhr mit in die Regionalbahn – eine Tasche, einen Rollkoffer, eine Art Inliner-Rucksack. Hinter dem Triebfahrzeugführer stieg er ein, eine junge Zugbegleiterin (21) kam auf ihn zu – so fing die Aufdeckung der Anschlagserie von Waldkraiburg an, bei der sechs Menschen verletzt worden waren. Die Anschlagserie ängstigte eine ganze Stadt, und hier vor allem die türkische Gemeinschaft. Denn nur wenig später fanden sich im Gepäck Bomben und Sprengstoff, der unscheinbare, dünne Mann – er ist der mutmaßliche Bomber von Waldkraiburg! Seit April waren dort Scheiben türkischer Läden eingeschlagen, ein Feuer in einem Gemüseladen gelegt worden.

Hinter den Taten steckt Muharrem D., Kind türkischer Eltern, in Deutschland geboren, gelernter Einzelhandelskaufmann. Er sitzt nun unter anderem wegen versuchten Mordes in 27 Fällen in U-Haft. Zum Zeitpunkt des Brandes befanden sich 27 Menschen im Gebäude – er habe die Taten laut Ermittlern gestanden. Die Nacht der Verhaftung war eine Folge von sich überstürzenden Ereignissen: Die junge Zugbegleiterin wollte die Fahrkarte von D. sehen, doch der konnte keine vorzeigen. Er blieb cool, ausweisen wollte er sich jedoch nicht. Deswegen wurde die Bundespolizei in Mühldorf angerufen, zur Personenfeststellung wegen des erhöhten Beförderungsentgelts beim Schwarzfahren. Das alles nahm Muharrem D. laut Zeugen weiter gelassen hin.

Am Bahnsteig in Mühldorf wurde er empfangen und sollte mit zur Wache kommen. Dabei bestand er aber offenbar darauf, dass die Beamten sein Gepäck tragen. „Mir ist das zu schwer.“ Die zwei Beamten machten Tasche und Koffer auf – und fanden zehn Rohrbomben und 20 Kilo Sprengstoff. Handschellen klickten, der Bahnhof wurde geräumt. Bisher war Muharrem D. nur zweimal durch kleinere Drogendelikte aufgefallen. Wegen eines solchen Delikts hatte er keinen Führerschein mehr und fuhr wohl deswegen bei seinen Touren mit dem Zug. Dass er es mit einer so aufmerksamen Zugbegleiterin zu tun habe würde, hatte er dabei offensichtlich nicht bedacht.

Lesen Sie dazu auch Stimmen zur Evakuierung und über die Erleichterung Waldkraiburger Geschäftsleute auf Seite 11.

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