Spanisches Drogenabenteuer erleidet Schiffbruch

Mühldorf. – Zwei Jahre und drei Monate muss ein deutscher Staatsbürger mit kasachischen Wurzeln ins Gefängnis, weil er gedacht hatte, mit dem Ankauf von Drogen in Spanien seinen eigenen Konsum billiger zu gestalten.

Auch blieb der Verdacht nicht ausgeräumt, er habe mit den Drogen einen Handel aufziehen wollen. So warf ihm Staatsanwältin Litzlbauer den unerlaubten Besitz von Drogen und die Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor.

Der 41-jährige Mann wurde Amtsrichter Dr. Christoph Warga in Handschellen vorgeführt, zwei Polizeibeamte hatten ihn aus der Justizvollzugsanstalt Mühldorf ins Gericht gebracht. Dort sitzt er seit dem 31. Januar diesen Jahres in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwältin bezog sich in dieser Hauptverhandlung auf folgenden Vorfall: Am 30. Januar 2020 wurde der Angeklagte bei einer zufälligen Polizeikontrolle im Waldkraiburger Stadtgebiet mit 100 Gramm Marihuana erwischt, bei einer daraufhin angeordneten Wohnungskontrolle fanden die Polizeibeamten weitere elf Gramm dieser Droge. Dies brachte das Fass zum Überlaufen: Wegen des gescheiterten Drogendeals erwartete ihn sowieso eine Anklage, jetzt wurde er aber wegen dieser weiteren Straftat umgehend ins Gefängnis Mühldorf eingeliefert.

Als erster Zeuge sagte ein 59-jähriger Kripobeamter aus Traunstein aus, man habe Hinweise auf den 29-jährigen Mann erhalten, einen 29-jährigen rumänischen Staatsbürger aus Waldkraiburg. Eine daraufhin angeordnete Telefonüberwachung habe den weiteren Tatverlauf an den Tag gebracht: Der Rumäne sei nach Spanien geflogen, habe die Drogen dort besorgt und sie dem Lkw-Fahrer übergeben. Der Rumäne war wegen dieser Tat bereits verurteilt worden, er sitzt seine Strafe im Mühldorfer Gefängnis ab. Der Lkw-Fahrer sollte für seinen Transport 1000 Euro erhalten.

Der an der Tat beteiligte Rumäne sagte als Zeuge Nummer zwei aus. Er war wegen des Schmuggels von Marihuana bereits zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnisstrafe verurteilt worden und sitzt seit März 2019 seine Strafe in der JVA Mühldorf ab.

Nachdem er arbeitslos geworden war, so der Rumäne, hätten sich Schulden in Höhe von 10 000 Euro angehäuft, verursacht unter anderem durch Glücksspiel. Diese hoffte er mit dem Drogendeal zu begleichen. Er kannte einen rumänischen Lkw-Fahrer, der die Strecke Spanien – Deutschland wöchentlich befuhr. Der Rumäne hatte gute Kontakte nach Spanien, wo er 13 Jahre gelebt hatte.

So flog er im März 2019 nach Spanien (das Geld für den Flug hatte er sich von seiner Schwiegermutter geliehen), besorgte das Marihuana, übergab es dem Trucker und flog zurück. Bei der versuchten Übernahme des Rauschgiftes in Deutschland schnappte die Falle in der Nähe von Baden Baden zu, der Rumäne und der Lkw-Fahrer wurden verhaftet. Laut Aussage des Rumänen hätte sein Waldkraiburger Kunde etwa 400 Gramm Marihuana für seine 3000 Euro erhalten, also zu einem Grammpreis von 7,50 Euro. Für die restlichen 1,6 Kilogramm hätte er Abnehmer gesucht. Er hoffte, damit seine Schulden in Höhe von 10 000 Euro begleichen zu können. Der dritte Zeuge war der Polizist, der den Beschuldigten im Januar 2020 in Waldkraiburg zufällig kontrolliert hatte. Im Rucksack hätte man ein Päckchen mit 112 Gramm Marihuana gefunden, eine daraufhin angeordnete Wohnungsdurchsuchung brachten weitere 11,7 Gramm des Rauschgiftes zu Tage.

Staatsanwältin Litzlbauer sah beide Anklagepunkte voll bestätigt, dies hätten die Zeugenaussagen ergeben. Sie hielt dem Angeklagten sein Geständnis zugute, außerdem sei Marihuana eine weiche Droge und die beschlagnahmte Menge nicht in Umlauf gelangt. Negativ fielen die zwei einschlägigen Vorstrafen und die hohe Menge des Rauschgiftes ins Gewicht (das 44-fache der nicht geringen Menge). Sie plädierte auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Frank Erhard sah das Geständnis seines Mandanten als wertvoll an, dieser sei von Marihuana abhängig und habe acht Monate in U-Haft verbracht, noch dazu unter erschwerten Bedingungen, wegen Corona durfte er keine Besuche empfangen. Er forderte eine Gefängnisstrafe, die unter der des rumänischen Dealers liegen sollte (dieser war zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden).

Richter Florian Greifenstein entschied schließlich auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Er wertete für den Angeklagten positiv, dass es nur beim Versuch geblieben wäre, das Rauschgift zu erwerben. Er habe zusätzlich 3000 Euro verloren. Bedenklich stufte der Richter die sehr große Menge ein.

Der 41-jährige Mann hat einen zehnjährigen Sohn, für den er Unterhalt zahlt. Wiedersehen wird er ihn allerdings erst im Frühjahr 2022.

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