Projekt "Von Mensch zu Mensch": Aufbau von lokalen Nachbarschaftshilfen im Landkreis Mühldorf abgeschlossen

Die soziale Feuerwehr

Mühldorf - Unter dem Titel "Von Mensch zu Mensch" haben fünf Kommunen im Landkreis in den vergangenen 15 Monaten lokale Nachbarschaftshilfen aufgebaut. Nun zogen die Verantwortlichen im Mühldorfer Landratsamt eine positive Bilanz.

Initiator und Träger des mit Leader-Mitteln unterstützten Projekts war der Verein Ehrensache. Die Freiwilligenagentur hatte dafür den Markt Buchbach, die Gemeinden Oberbergkirchen, Maitenbeth und Reichertsheim sowie die Stadt Waldkraiburg ins Boot geholt.

Landrat Georg Huber schlug im Rahmen der Abschlussveranstaltung die Brücke zum Seniorenpolitischen Gesamtkonzept im Landkreis Mühldorf und die dem Konzept zugrunde liegende Leitfrage: "Wie wollen wir in Zukunft im Landkreis leben?" Dem zunehmenden Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, im Alter selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung, eingebunden in Gemeinde und Nachbarschaft zu leben, müsse Rechnung getragen werden, nach dem Motto: Selbstbestimmt ja, abgeschottet und vereinsamt: nein!

Vor diesem Hintergrund und angesichts der demografischen Entwicklung stellte Huber die zunehmende Bedeutung nachbarschaftlicher Hilfeleistungen heraus. Dabei seien oft die kleinen Dinge im täglichen Leben von großer Bedeutung - wie der gelegentliche Besuch, gemeinsame Gespräche und Spaziergänge, die Begleitung zur Apotheke oder zum Arzt oder eine helfende und unterstützende Hand im Haushalt, bei Gartenarbeiten und Besorgungen.

Waldkraiburg Bürgermeister Siegfried Klika, zugleich Vorsitzender des Vereins Ehrensache, ging in seinem Vortrag unter anderem auf die erkennbaren strukturellen Veränderungen in Städten und Kommunen ein - wie sich ändernde Familienstrukturen. Auf diese Entwicklungen müsse rechtzeitig reagiert werden.

Der Geschäftsführer des Vereins Ehrensache, Alfons Wastlhuber, stellte den positiven Projektverlauf mit der Entwicklung tragfähiger Nachbarschaftshilfekonzepte in allen Kommunen in den Vordergrund. Besonderes Anliegen sei es dabei gewesen, bereits bestehende Hilfsaktivitäten nicht zu beeinträchtigen oder gar zu verdrängen. Vielmehr galt es, diese Strukturen in das Projekt einzubinden; denn: "Nachbarschaftshilfen haben in der Regel ergänzende Funktion. Sie sind dazu bestimmt, erkannte Lücken wie eine soziale Feuerwehr zu schließen."

Nach Überzeugung Wastlhubers sei das Nachbarschaftshilfeprojekt zudem ein eindrucksvolles Bespiel, wie interkommunale Zusammenarbeit in der Praxis funktionieren kann. Über das nunmehr erreichte formelle Projektende hinaus, werde der Verein Ehrensache allen beteiligten Gemeinden auch weiterhin in Fragen rund um das Thema beratend zur Verfügung stehen. Folgen sollen auch regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch der ehrenamtlichen Nachbarschaftshelferinnen und -helfer.

Zudem drückte Wastlhuber seine Hoffnung aus, dass das Beispiel der beteiligten Gemeinden Schule macht und sich weitere Kommunen im Landkreis mit dem Thema Nachbarschaftshilfen auseinandersetzen werden. Signale hierfür gebe es bereits aus verschiedenen Kommunen.

Rechtsanwältin Karin Larsen-Lion, die mit der fachlichen Begleitung und Betreuung des Projekts beauftragt war, fasste den Projektverlauf und die Projektergebnisse nochmals zusammen: Vier der fünf Kommunen haben sich entschlossen, unter dem Dach der Trägerschaft von Kommune und/oder Kirche organisierte Nachbarschaftshilfen zu gründen.

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden die Ergebnisse des Projekts nochmals reflektiert, die Gründe für den Aufbau von Nachbarschaftshilfen und die Motivation von Bürgerinnen und Bürgern für ehrenamtliches Engagement beleuchtet sowie künftige Entwicklungsmöglichkeiten von Nachbarschaftshilfen im Landkreis diskutiert. re

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