Situation der Gemeinden im Blick - Interview mit Mühldorfs neuem Landrat Max Heimerl

Landrat Max Heimerl will seine Zieleauch in schwieriger Zeit umsetzen. Bauer
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Landrat Max Heimerl will seine Zieleauch in schwieriger Zeit umsetzen. Bauer

Mühldorf – Die Corona-Pandemie mit den Auswirkungen für die Kreisklinik Mühldorf und der mit Corona ein her gehende wirtschaftliche Situation haben den Amtsantritt des neuen Mühldorfer Landrats Max Heimerl geprägt. Wir sprachen mit ihm über die Herausforderungen des Amtes und die Umsetzung der geplanten Investitionen sowie die finanzielle Situation der Städte und Gemeinden.

Haben Sie sich schon in die Rolle des Mühldorfer Landrats eingelebt?

Max Heimerl: Aufgrund des aktuell nötigen Krisenmanagements gab es keine Möglichkeit, sich langsam an die Themen heranzutasten. Alle neu gewählten Landräte und Bürgermeister mussten vom ersten Tag an funktionieren. Mir kam sicherlich sehr entgegen, dass ich bereits fünf Jahre im Landratsamt Mühldorf gearbeitet habe und auch in meinen beruflichen Stationen unter ansderem in der Staatskanzlei sehr viel Verwaltungserfahrung und politische Kontakte sammeln konnte. Ich wurde im Landratsamt sehr freundlich aufgenommen und fühle mich sehr wohl. Ich weiß übrigens auch schon, wo die Kaffeemaschine steht. Also ja, ich habe mich schon gut eingelebt.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Heimerl: Ich habe mir kommunalpolitisch viel vorgenommen: unter anderem die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, Einführung einer Bus&Bahn-Flat für Schüler und Jugendliche, Wohnraum bezahlbar halten, in Schulen investieren, mehr Klimaschutz. Derzeit überlagert jedoch das Krisenmanagement alles andere. Wir können bislang noch nicht abschätzen, wie groß auch für uns der finanzielle Schaden durch dieCorona-Krise ist. Deshalb wäre es einfach unredlich, jetzt zeitlich gebundene Versprechungen zu machen. Aber eines ist klar: Meine politischen Ziele stehen nach wie vor und ich werde alles tun, diese auch angesichts der komplett neuen Rahmenbedingungen umzusetzen.

Den Haushalt des Landkreis Mühldorf treffen die schlechten Wirtschaftsdaten erst im Haushalt 2022. Die Kreisumlage wird für dieses Jahr für die Gemeinden mit den Zahlen von 2018 , der Haushalt 2021 mit denen von 2019 bestritten. Gibt es schon Überlegungen die Gemeinden im Landkreis Mühldorf zu entlasten?

Heimerl: Ich werde bei der Festlegung der Kreisumlage die finanzielle Situation der Gemeinden auch schon im nächsten Jahr mit berücksichtigen. Wir Kommunen sitzen alle in einem Boot. Konkrete Überlegungen dazu kann es aber noch nicht geben, weil wir zum einen – wie schon gesagt – den finanziellen Corona-Schaden noch nicht absehen können, zum anderen auch noch nicht klar ist, wie sich die Bezirksumlage, also unsere Zahlungsverpflichtung an den Bezirk Oberbayern verändert.

Wenn möglich alle Investitionen

Halten Sie an die bisher geplanten Investitionen fest?

Heimerl: Wenn irgendwie möglich, ja. Unser Landkreis ist aber immer noch überdurchschnittlich hoch verschuldet. Es sind uns also Grenzen gesetzt, die Corona-Folgen mit zusätzlichen Schulden aufzufangen. Eine seriöse Antwort auch zu der zeitlichen Umsetzung der Investitionen lässt sich frühestens im Herbst geben.

Wann denken Sie, wird die Mühldorfer Klinik wieder ein ganz normales Krankenhaus?

Heimerl: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten in der Corona-Zeit Großartiges. Ich bin stolz auf das Erreichte und freue mich auch über die bundesweite Aufmerksamkeit und Anerkennung für unser Krankenhaus. Im Innklinikum ist vereinbart, dass wir auch den Standort in Mühldorf Schritt für Schritt, nach den Vorgaben der Regierung, wieder für Nicht-Corona-Fälle öffnen. Es gibt kein Haus in der weiteren Umgebung, das in den vergangenen Wochen so viel Erfahrung mit der Corona-Infektion gemacht und Know-How aufgebaut hat. Ich kann mir also gut vorstellen, dass in der nächsten Zeit viele Patienten nach Mühldorf kommen, gerade weil hier die Expertise im Umgang mit Corona-Patienten so groß ist und dadurch auch besondere Kenntnisse vorhanden sind, Corona- und Nicht-Corona-Patienten voneinander zu trennen.

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Wie geht der Fusionsprozess der Krankenhäuser mit Altötting voran?

Heimerl: Auch da hat Corona die ursprünglichen Pläne komplett über den Haufen geworfen. Wir sind immer noch in der Anfangsphase und es gibt auch nach den Fusionsbeschlüssen noch intensive Diskussionen über den richtigen Weg hin zu einem integrierten Unternehmen. Ich sehe meine Aufgabe als Landrat des Landkreises Mühldorf a. Inn darin, meinen Anteil an einer erfolgreichen Entwicklung des Gesamtunternehmens zu leisten. Das brauchen wir schon aus finanziellen Gründen. Denn Verluste in der aktuellen Größenordnung darf es in Zukunft nicht mehr geben. Ich werde aber auch dafür sorgen, dass die Fusion wie beschlossen auf Augenhöhe verläuft und unsere Standorte im Landkreis Mühldorf gleichberechtigt zu denen in Altötting bleiben. Interview: Josef Bauer

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