Zopf ab für den guten Zweck

Simone Englmeier aus Buchbach sitzt im Rollstuhl: Das hindert sie nicht, anderen zu helfen

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Stolz präsentiert Simone Englmeier ihren Zopf, der nun als Haarspende zu einer Echthaar-Perücke verarbeitet werden.
  • Harald Schwarz
    vonHarald Schwarz
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32 Zentimeter – so lang waren die Haare von Simone Englmeier. Dann hat sie ihr Mama Michaela abgeschnitten, zu einem Zopf geflochten und an die Initiative Rapunzel geschickt. Aus den Haaren wird nun eine Echthaarperücke für erkrankte Menschen, die damit ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen.

Buchbach – Mit dieser Aktion ruft der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten (BVZ) seit mittlerweile zehn Jahren zur Haarspende auf. Das Ziel dieser BVZ-Initiative ist es, Menschen in einer besonders schwierigen Lebenssituation zu helfen.

Haare gehen an die Initiative „Rapunzel“

Drei Jahre hat sich Simone Englmeier ihre Haare wachsen lassen, um sie anschließend für diesen guten Zweck zu spenden. Im Radio hatte die 22-Jährige von der Aktion Rapunzel gehört. Obwohl sie selbst im Rollstuhl sitzt, war für sie klar, dass sie hier mithelfen möchte.

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Simone Englmeier strahlt übers ganze Gesicht, wenn sie mit ihrer Mutter über die Haarspende spricht. „Sie ist unser Sonnenschein“, beschreibt sie Michaela Englmeier. Simone Englmeier hat eine ganz eigene Art mit ihrer Mutter zu sprechen.

Bei der Geburt wurden Nerven, die ihr Sprachzentrum sowie die Mobilität der rechten Körperseite steuern, geschädigt. Doch Simone, die unter der Woche in der Behindertenhilfe Algassing lebt, hat eine Art Zeichensprache entwickelt, mit der sie sich in der Familie unterhalten kann. Und wenn alle Stricke reißen, dann hilft auch noch ein Sprachcomputer.

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Trotz ihrer Behinderung ist Simone Englmeier „hellwach und sehr wissbegierig, erzählt ihre Mutter Michaela. Wirtschaft, Politik, Tiere; die 22-Jährige ist vielseitig interessiert und verfolgt das Tagesgeschehen im Fernsehen mit. „Zeichentricksendungen haben sie eher gelangweilt, aber bei Gallileo ist sie richtig aufgeblüht“, so Michaela Englmeier. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die junge Frau ihre eigenen Gedanken macht und diese auch kommuniziert: „Simone entscheidet für sich selbst“, sagt Michaela Englmeier.

Langes Warten auf den 30-Zentimeter-Zopf

Auch wenn die langen Haare für Simone Englmeier nicht immer einfach waren, hat sie diszipliniert gewartet, bis ihr Zopf auch wirklich über 30 Zentimeter lang war. Mutter Michaela erklärt, dass die Körperpflege und das Haarekämmen von Simone, da sie im Rollstuhl sitzt, durchaus anspruchsvoll waren.

Daher war sie ganz froh, als der Zopf abgeschnitten werden konnte. Doch Simone überlege ernsthaft, ob sie sich nicht noch einmal für eine Haarspende ihre Haare wachsen lassen sollte.

Vielleicht spendet Simone noch einmal

Die gesammelten Haare, die sie, wie viele andere, an die Initiative Rapunzel geschickt hatte, und die die Voraussetzungen zur Weiterverarbeitung und Herstellung von Echthaar-Perücken und Haarteilen erfüllen, werden jedes Jahr bei einer Versteigerung an den meist bietenden Haarwarenhersteller abgegeben. Der Erlös wird an eine gemeinnützige Institution gespendet; in diesem Jahr ist es die Stiftung „Humor hilft heilen“ von Dr. Eckart von Hirschhausen, die damit therapeutisches Lachen und heilsame Stimmung im Krankenhaus fördert.

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