Sie wollte Welpen hübsch machen – Strafe für 56-Jährige aus Mühldorf wegen Tierquälerei

Wenn Hunde fachgerecht geschmückt werden, ist das kein Problem. Eine 56-Jährige aus dem Landkreis soll bei der Vorbereitung auf Tierschauen ihre Hunde gequält haben.
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Wenn Hunde fachgerecht geschmückt werden, ist das kein Problem. Eine 56-Jährige aus dem Landkreis soll bei der Vorbereitung auf Tierschauen ihre Hunde gequält haben.
  • Peter Becker
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Der Aktenordner des Tierarztes mit den Verstößen gegen das Tierschutzgesetz war dick. Trotzdem wollte eine 56-Jährige die Strafe von 500 Euro nicht akzeptieren. Dabei hielt sie sechs Hunde und acht Welpen in viel zu engen Käfigen.

Mühldorf – 500 Euro muss eine Hundehalterin aus dem Landkreis wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zahlen. Damit wurde vor dem Mühldorfer Amtsgericht ein Strafbefehl gültig, gegen den die 56-Jährige zunächst Widerspruch eingelegt hatte.

Zu Beginn des Prozesses widersprach die Angeklagte den Vorwürfen der Tierquälerei: „Meine Hunde sind schon in Filmen und im Nationaltheater aufgetreten!“, erklärte Hana H. unter Tränen, während ihr Anwalt Akteneinsicht nahm.

Sechs Hunde, acht Welpen in zu engen Käfigen

Diese Sicht der Dinge änderte aber nichts daran, dass Dr. Robert Kirmair und Dr. Nicola Streck vom Veterinäramt in Mühldorf zum Prozess einen dicken Aktenordner über die Hundehalterin im Gepäck hatten, der Verfehlungen gegen das Tierschutzgesetz dokumentierte.

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Wie die Staatsanwaltschaft der Angeklagten zur Last legte, hatte sie ihre sechs Hunde und acht Welpen bei einer Tierschutzkontrolle am 25. April 2019 wohl schon über Wochen in einem viel zu kleinen, zweistöckigen Käfig gehalten. Im Fell der Tiere befanden sich unter anderem Lockenwickler, die die Beamten aus dem verfilzten Fell gar nicht lösen konnten.

Tiere wirkten verwahrlost

Nicht selten werden Tiere für Hundeschauen derart vorbereitet, um dort erfolgreicher zu sein, hieß es in der Anklageschrift. Dass dieser Zustand schon über mehrere Wochen angedauert haben musste, schlossen die Gutachter des Veterinäramtes aus der Tatsache, dass die verwahrlosten Tiere während der Kontrolle nur noch winselten und es in der Wohnung extrem nach Hundekot stank.

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Dass sie wegen fragwürdiger Haltungsbedingungen ihrer Hunde schon einmal Ordnungsgelder gezahlt hatte, hatte die Hundehalterin sogar ihrem Rechtsbeistand Florian Wehner verschwiegen.

Einspruch gegen Strafe zurückgezogen

Nach Offenlegung aller Fakten ermöglichte Amtsgerichtsdirektor Jürgen Branz dem Verteidiger ein klärendes Gespräch mit seiner Mandantin, die daraufhin ihren Einspruch zurückzog. Trotzdem entschied Branz zusätzlich zu Geldstraße, dass die Frau in den kommenden drei Jahren keine Hunde mehr halten darf, sonst müsse sie für ein halbes Jahr ins Gefängnis.

Angst vor dem Gefängnis

Gegenüber dem Richter sagte die Angeklagte, „wieder frei sein“ zu wollen. Weder sie noch ihre Verwandten hätten jemals den Tieren geschadet. Amtsgerichtsdirektor Branz machte der Angeklagten eindringlich klar, dass er keine Absicht habe, sie der Freiheit zu berauben. Sie müsse sich aber bewähren, indem sie mindestens drei Jahre keine Hunde mehr halte.

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