Seit März keine Konzerte: Musiker aus der Region kämpfen in Corona-Zeiten um ihre Existenz

Andy Lorenz aus Lohkirchen hofft, bald wieder mit seiner Band live auf der Bühne zu stehen.
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Andy Lorenz aus Lohkirchen hofft, bald wieder mit seiner Band live auf der Bühne zu stehen.
  • Rita Stettner
    vonRita Stettner
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Keine Live-Auftritte, verschobene Veranstaltungen, Blick in eine ungewisse Zukunft – die Corona-Krise fordert heimische Bands. Die Gruppe LPC kann ein Lied davon singen und erklärt, wie sich Musiker über die Krise retten.

Lohkirchen – Jedes Wochenende heißt es für die Bandmitglieder von „LPC“: Das richtige Outfit vorbereiten und Musikinstrumente sowie das dazugehörige Equipment einpacken. In normalen Zeiten vergeht kaum ein Wochenende, an dem Andy Lorenz, Sänger und Gitarrist aus Lohkirchen, nicht auf einer Veranstaltung spielt.

Keine Auftritte mehr seit März

Doch im März 2020 hieß es plötzlich für ihn und seine Bandmitglieder Stephan, Nina, Michael und Manuel: Keine Musik. Kein Geld. Seit über drei Monaten fehlen den fünf Bandmitgliedern die Auftritte.

„Was bedeutet, dass unser Einkommen seither deutlich zurückgegangen ist“, so Andy Lorenz. Er hat noch Glück, dass er als Musiklehrer den Musikunterricht ohne Probleme auch Online durchführen kann. Dadurch ist zumindest ein Teil der laufenden Kosten des Profimusikers abdeckt. „Der Onlineunterricht war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, doch schnell hatten sich die Schüler und auch ich darauf sehr gut eingestellt.“

Doch die freien Wochenende ohne Gig bleiben befremdlich. Seit mehr als 15 Jahren stehen die Profimusiker in der Hauptsaison fast jedes Wochenende auf der Bühne. Von heute auf Morgen war dieses Engagement auf Null heruntergefahren. „Was bleibt, ist viel Organisatorisches. Die Umbuchung von Auftritten bereitet sehr viel Arbeit. Beschert uns aber aktuell dennoch keine Einnahmen“, so Stephan Echtler, der für das Management der Band zuständig ist.

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Sie alle geben zu: Unter der Woche hat sich für die meisten fast nichts geändert, sie gehen ihren Berufen nach, geben Musik- und Gesangsunterricht. Sängerin Nina Raus zum Beispiel arbeitet im Krankenhaus. An den auftrittslosen Wochenenden bleibt nun plötzlich Zeit für andere Dinge. Die Musiker geben zu: Das muss man erst einmal wieder lernen. Andy Lorenz nutzt die Zeit, um am Haus Einiges zu renovieren, Songs zu schreiben, zu üben und eine neue Homepage zu basteln, aber auch dafür, um neue Ideen für die Zukunft zu schmieden. Er ist viel in der Natur unterwegs und versucht, der Situation etwas Positives abzugewinnen. Die weiteren Bandmitglieder freuen sich über die zusätzliche Zeit und verbringen diese mit der Familie, heißt es unisono.

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Noch gilt ein Verbot für Großveranstaltungen bis Ende August. Eine Entscheidung der Regierung, die alle fünf nachvollziehen können. Auf der anderen Seite wächst der Unmut. Denn während andere Branchen schon längst von den Lockerungen profitieren, können sie selbst noch keinen Nutzen daraus ziehen. Zumindest Hochzeiten, die vermehrt auf den Auftrittsplan von „LPC“ stehen, und zumeist 100 Personen nicht übersteigen, sollten wieder erlaubt sein.

Unterstützung vom Staat ist zu wenig

Nina Raus hat sagt dazu: „Einerseits ist es wichtig, dass auf die Gesundheit geachtet wird, keine Frage. Andererseits finde ich, dass generell die Kleinunternehmer zu wenig Halt und Unterstützung vom Staat bekommen. Gerade im Bereich der Musik und Kunst stehen so viele Existenzen auf dem Spiel.“ Bisher seien Künstler jedoch deutlich vernachlässigt beziehungsweise übersehen worden.

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„Für uns als Band gibt es leider keine Alternativen“, findet Andy Lorenz. „LPC“ sei eine reine Liveband, die sich auf das Publikum „immer zu 100 Prozent individuell einstellt“ und auf deren Wünsche eingeht. „Diese Art zu spielen, bereitet uns megaviel Spaß und wir haben uns auch über die Jahre darauf spezialisiert. Wir wollen die Freude und das Feedback der Menschen an unserer Musik spüren, das macht für uns Musikmachen aus und es gibt kein schöneres Gefühl für einen Musiker.“

Die Band braucht das Publikum

Lorenz gibt zu: Online zu spielen oder ihre Lieder über die sozialen Netzwerke zu transportieren, „bringt uns gar nicht. Da können wir nicht Mal annähernd unser Publikum erreichen. ,LPC‘ lebt vom direkten Liveauftritt.“

Wie es weitergeht, wann die Band wieder Mal öffentlich auftreten kann, bei Hochzeiten, Firmenfeiern oder sonstigen Events, das weiß keiner genau. „Wir wünschen uns natürlich, wie alle unsere Kollegen, dass die Politik endlich Künstler sowie die Veranstaltungs- und Unterhaltungsbranche wirklich unterstützt. Ohne Unterstützung wird es wahrscheinlich einen großen Teil unserer Branche nicht mehr geben, sollte sich dieses Szenario noch länger hinziehen“, meint Lorenz.

Zumindest kleinere Veranstaltungen sollten wieder stattfinden dürfen – ohne zu große Einschränkungen durch die Hygiene-Vorschriften. Vom finanziellen Aspekt abgesehen treffe der Lockdown es jeden einzelnen Musikern hart.

„Wir haben ein Verbot bekommen unseren Beruf auszuüben und auch unserer Berufung nachzugehen, warum wir eigentlich Musiker geworden sind: den Menschen Freude und glückliche Momente zu bescheren!“ Freude und glückliche Momente – gerade in Zeiten von Corona zwei wichtige Aspekte.

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