Seit zehn Jahren: In Not immer 112 - Die Leitstelle der Rettungsdienste ist erster Ansprechpartner

Mit dem symbolischen roten Knopf wurde die neue Notrufnummer „112“ vor zehn Jahren vom damaligen Verbandsvorsitzenden Hermann Steinmaßl (Mitte) zusammen mit (von links) Landrat Erwin Schneider, Altötting, Vize-Landrätin Eva Köhr aus Mühldorf, Landrat Georg Grabner, Berchtesgadener Land, und Staatssekretär Gerhard Eck in Betrieb genommen. Kretzmer

Vorzehn Jahren ging in der Integrierten Leitstelle (ILS) Traunstein der einheitliche „Notruf 112“ für den Rettungsdienst und die Feuerwehralarmierung in Betrieb. Seitdem erhalten über eine halbe Million Menschen in der Region schnelle Hilfe.

Traunstein/Mühldor - Er dient seither den etwa 510 000 Einwohnern im südostbayerischen Raum, davon etwa 115 600 im Landkreis Mühldorf, als wichtiger Ansprechpartner in Notsituationen. Geschulte Disponenten erkunden die Lage am Telefon, um überflüssige Einsätze zu vermeiden oder auch zum Beispiel Wartezeiten bis zum Eintreffen eines Notarztes mit Anleitung zu lebensrettender Erster Hilfe zu überbrücken.

Eine von 26 Leitstellen in Bayern

Die Integrierte Leitstelle Traunstein - eine von 26 im Freistaat und zuständig für die Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein - wurde heuer 40 Jahre alt. Die für Februar geplante Feier wurde erst wegen eines Orkansturms, dann wegen der Corona-Pandemie verschoben. Das zweite runde Jubiläum, ebenfalls ohne Festlichkeiten, beging Mitte Juni die „Notrufnummer 112“ für den ILS-Bereich Traunstein.

Lesen Sie auch: Krisenstab Traunstein: Fachberater Alexander Gröbner betreut Notfallvorsorge in Corona-Zeiten

In den zehn Jahren nahmen die Mitarbeiter der ILS Traunstein mit Geschäftsführer Josef Gschwendner und Technischem Leiter Anton Groschack an der Spitze über zwei Millionen Notrufe aus den vier Landkreisen über 70 ISDN-Leitungen an. Die Anrufe führten zu rund 720 000 Rettungsdienst- und circa 60 000 Feuerwehreinsätzen.

Disponenten erstellen Meldebild für Notfälle

In der Praxis erarbeiten die weiblichen wie männlichen Disponenten auf der Grundlage der jeweils geschilderten Notsituation das „Meldebild“ für einen Einsatz von Rettungsdienst oder Feuerwehr. Jeder muss über Ausbildungen in beiden Berufssektoren verfügen. Die ILS Traunstein registrierte in dem Jahrzehnt einen Ausbildungsaufwand von knapp 200 Monaten in Vollzeit.

Gut vorbereitet auf große Katasthrophen

Ein neuer ILS-Mitarbeiter mit der Qualifikation Rettungssanitäter, aber noch ohne Feuerwehrausbildung, muss beispielsweise neun Lehrgangsmonate in Vollzeit mit mehreren staatlichen Prüfungen durchlaufen, ehe die Mindestqualifikation als ILS-Disponent erfüllt ist.

Auch interessant: Corona-Infektonsketten auf der Spur: Landratsamt Mühldorf seit Wochen im Krisenmodus

Für Großschadenslagen verfügt die Leitstelle über zusätzliche Disponentenplätze. In der „Volllast“ können 16 Mitarbeiter zur Notrufannahme eingesetzt werden. Tatsächlich kam das „Sonderlagenkonzept“ in den vergangenen zehn Jahren schon mehrmals zur Anwendung und wurde zudem ständig optimiert. Josef Gschwendner und Anton Groschack erinnerten gegenüber unserer Zeitung an das Pfingsthochwasser 2013, das Sturmtief Niklas 2015, die Sturmlage im August 2017 mit dem Großeinsatz beim Festival „Chiemsee Summer“ in Übersee, die Schneekatastrophe 2019 und aktuell die Covid19-Pandemie.

Dank an die Mitarbeiter

Das Führungsduo der ILS Traunstein dankte anlässlich des Notruf-Jubiläums allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die großen Anstrengungen im vergangenen Jahrzehnt.

Der Dank galt aber auch dem „obersten Chef“ der Leitstelle, Traunsteins Landrat Siegfried Walch, als Verbandsvorsitzendem des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein. „Berechtigterweise verlangt er höchsten Einsatz von uns, unterstützt uns aber in allen Bereichen und genau, wenn´s darauf ankommt, ist er für uns da“, hoben Josef Gschwendner und Anton Groschack heraus. kd

Kommentare