Unzufrieden

Seit einem Jahr nicht viel passiert: Was soll externes Citymanagement in Waldkraiburg leisten?

Leerstände in der Einkaufsstraße. Schon vor der Corona-Krise prägten solche Bilder, wie hier in der Berliner Straße, das Stadtbild. Es gibt also viel zu tun für ein Citymanagement. Grundner/Schwarz/privat
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Leerstände in der Einkaufsstraße. Schon vor der Corona-Krise prägten solche Bilder, wie hier in der Berliner Straße, das Stadtbild. Es gibt also viel zu tun für ein Citymanagement. Grundner/Schwarz/privat
  • Hans Grundner
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Vor über einem Jahr hat der Waldkraiburger Stadtrat beschlossen, ein externes Büro mit dem Citymanagement zu beauftragen. Seitdem ist nicht viel passiert.

Waldkraiburg – Was bringt ein externes Citymanagement? Schon im Herbst 2019 wurde dieses Thema öffentlich und durchaus kontrovers diskutiert. Damals hatte der Stadtrat beschlossen, sich für die Vermarktung von Leerständen und für die Stärkung und Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels im Zentrum Hilfe von außen zu holen. Ein externer Citymanager, der damals mit 16 Wochenstunden angesetzt wurde, sollte auf der Basis von Erfahrungen in anderen Städten sein Knowhow in Waldkraiburg einbringen.

Ausschreibung hat sich verzögert

Doch seitdem ist nicht viel passiert. Noch immer gibt es keine Ausschreibung für die Dienstleistung. Immerhin: Im neuen Jahresantrag für die Städtebauförderung ist das Projekt erneut für 2021 und die beiden Folgejahre aufgeführt.

Es gebe noch offene Fragen, begründet Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung, die Tatsache, dass sich seit über einem Jahr in der Angelegenheit nicht viel bewegt hat. Nicht geklärt sei etwa, wie sich der Einzelhandel einbringt, auch finanziell bei konkreten Projekten zur Attraktivitätssteigerung.

Pandemie erweist sich auch hier als Bremser

Der Bremser schlechthin sei aber auch hier die Corona-Pandemie. In dieser Situation würden Stadtmarketingprojekte verpuffen, so Schwunck. Es wäre schade um die Förderung, die nach seinen Worten auf drei Jahre befristet sei. Mindestens 90 000 der insgesamt 150 000 Euro, die für einen externen Citymanager angesetzt sind, kämen aus der Städtebauförderung.

Holzapfel: Einzelhandel in Waldkraiburg muss härter kämpfen als andernorts

Willi Engelmann und Dr. Andreas Holzapfel, den Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk und des Gewerbeverbandes, leuchtet das Corona-Argument ein. „Im Moment habe ich Verständnis dafür“, sagt Holzapfel. Nach dem Ende der Pandemie sei wirksames Citymarketing aber umso wichtiger. „Der stationäre Handel bis hin zu den Apotheken leidet dramatisch unter der Krise. Und Waldkraiburgs Händler müssen noch schwerer kämpfen als andere.“

Verbände: Keine weiteren Analysen

Mit Willi Engelmann ist sich Holzapfel einig: „Waldkraiburg braucht in diesem Bereich einen Macher, keine weiteren Analysen. Die Probleme sind doch bekannt.“

Holzapfel weiter: „Woran es in Waldkraiburg vor allem krankt, ist der Zusammenhalt. Es braucht gemeinsame Aktionen, die wirksam sind.“

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Holzapfel: „Da kämpft Willi Engelmann seit Langem gegen Windmühlenflügel.“ Die Leute zusammenzubringen, die Interessen zu bündeln, „ist wahnsinnig viel Arbeit. Das kann kein Vorstand einer Aktionsgemeinschaft ehrenamtlich leisten“, findet der Vorsitzende des Gewerbeverbands.

Citymanagement kann nicht nebenbei erledigt werden

Und über vier Jahre nach der Auflösung der Stadtmarketing Waldkraiburg GmbH, für deren Erhalt sich Holzapfel eingesetzt hatte, ist aus seiner Sicht auch völlig klar, dass die Aufgabe des Citymanagements nicht nebenbei in der Stadtentwicklungsabteilung erledigt werden könne.

Ein Citymanager muss bei den Vermietern ansetzen, glaubt Willi Engelmann.

Willi Engelmann erwartet sich von einem externen Citymanager „substanzielle Sachen, keine Allgemeinplätze“. Dem Vorsitzenden der Einzelhändler und Handwerker ist wichtig, dass da einer beauftragt wird, „der sich mit der Stadt auseinandersetzt und nicht statistische Daten liefert. Der muss die Stadt erleben wollen und jede Woche mal durchgehen.“

Engelmann: Citymanager muss bei Vermietern ansetzen

Die Aktionsgemeinschaft als Verein könne sich finanziell an den Kosten nicht beteiligen, stellt Engelmann klar. „Wir haben einen Jahresetat von 8000 Euro.“

Der stationäre Handel in Waldkraiburg muss noch härter kämpfen als andernorts, sagt Dr. Andreas Holzapfel.

Er glaubt, dass ein Citymanager vor allem bei den Vermietern in der Innenstadt ansetzen müsse, auch mal ungewöhnliche Projekte angehen sollte. Ein Beispiel: Um den Start eines neuen Geschäfts zu erleichtern, sollte der Laden zunächst mietfrei zur Verfügung stehen, der Geschäftsgründer nur die Nebenkosten zahlen müssen. „Wenn was geht, dann muss man halt verhandeln.“

Citymanagement, Fassadengestaltung und mehr

Es ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das die Stadt in den nächsten Jahren mit Unterstützung aus Mitteln der Städtebauförderung umsetzen will. Fast zwölf Millionen Euro sind dafür bis 2024 angesetzt, im neuen Jahresantrag der Stadt an die Regierung von Oberbayern.

Der Löwenanteil dieser Summe entfällt in den Jahren 2022 und vor allem 2023 natürlich auf den Neubau des Rathauses.

Aber auch eine ganze Reihe von Projekten, die die Steigerung der Attraktivität des Einzelhandels im Stadtzentrum sowie das Innenstadtmanagement betreffen, sind in einem Maßnahmenkatalog aufgelistet.

In der aktuellen Lage würden Stadtmarketingprojekte verpuffen, sagt Carsten Schwunck.

Förderfähige Projekte mit einem Gesamtvolumen von gut 750 000 Euro sind für 2021 in der Bedarfsmitteilung der Stadt enthalten. Alle diese Projekte sind aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept hervorgegangen.

Mit 50 000 Euro ist die Einrichtung eines externen Citymanagements im nächsten Jahr angesetzt, außerdem werden für 2021 ein Wettbewerb für Fassadengestaltung (40 000 Euro), die Förderung von privaten Sanierungs- und Aufwertungsmaßnahmen (50 000 Euro) und Feinuntersuchung und Vermarktung von Geschäftsflächen (20 000 Euro) im Jahresantrag aufgeführt.

60 Prozent der förderfähigen Kosten beträgt der Anteil der staatlichen Mittel, sogar 80 Prozent, sollte die Stadt in einen Härtefonds kommen. hg

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