Diese Dahlie im Garten von Anneliese Ober in Aschau ist seit 60 Jahren unverwüstlich

Dahlienliebhaberin Anneliese Ober aus Troibach in der Gemeinde Aschau mit der ältesten Dahliensorte in ihrem Garten. Seit 60 Jahren macht sie Ober und allen, die vorbei kommen, Freude. Huckemeyer
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Dahlienliebhaberin Anneliese Ober aus Troibach in der Gemeinde Aschau mit der ältesten Dahliensorte in ihrem Garten. Seit 60 Jahren macht sie Ober und allen, die vorbei kommen, Freude. Huckemeyer
  • vonUrsula Huckemeyer
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Sie scheint unverwüstlich zu sein, die Dahlie, die Anneliese Ober seit 60 Jahren in ihrem Garten in Troibach bei Aschau hegt und pflegt. Nicht nur das Alter der Pflanze ist ungewöhnlich, auch der Name, den Ober ihr gegeben hat.

Aschau – Kaum zu glauben aber wahr: Bei Anneliese Ober stehen „rosa Schnitzel“ im Garten. Allerdings kommen diese Schnitzel nicht auf den Teller. „Meine Schnitzel sind Dahlien“, lacht die 79-Jährige, die vor 60 Jahren ihre große Leidenschaft für Blumen entdeckte. Und so alt sind auch die Dahlien, deren richtigen Namen sie nicht kennt und die sie deshalb „rosa Schnitzel“ nennt.

Hinter der Blütenpracht steht harte Arbeit

Die Seniorin erinnert sich: „Ich bin damals auf der Landesgartenschau in München gewesen und habe mir drei Dahliensorten bestellt. Eine davon leuchtete rosa.“ Und so kam es zu diesem Namen.

Vor 60 Jahren habe man sich noch nicht so viele Gedanken um die Namen der einzelnen Sorten gemacht, meint Anneliese Ober die schon ein bisschen stolz ist, dass die Dahlie mit den rosa Blüten auch nach 60 Jahren in ihrem Garten immer noch das Beste gibt. Von nichts kommt natürlich auch hier nichts. So steckt hinter der Blütenpracht ganz schön harte Arbeit.

Im Winter in den Keller

Immerhin müssen die Dahlien von Schnecken befreit, vor Wind und Wetter geschützt und im Spätherbst bis auf wenige Zentimeter abgeschnitten werden.

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Dann gräbt Anneliese Ober die Knollen aus. Zum Überwintern geht es in den Keller. „Da helfen mir meine Enkelinnen, denn die vielen Knollen zu verstauen ist eine anstrengende Sache“ weiß die Hobby-Gärtnerin aus langjähriger Erfahrung.

Von der Leidenschaft zu den Kaktus- und Pompon-Dahlien zeigt sich die ältere Dame immer noch ganz erfüllt. Weil Dahlienknollen durchaus ins Geld gingen, war es früher üblich, einzelne Sorten mit anderen Liebhabern zu tauschen.

Viele Knollen getauscht

Anneliese Ober schwärmt dabei noch heute von ihren Radltouren zum Chiemsee. Auf diesen Strecken entdeckte sie den einen oder anderen wunderschönen Dahliengarten. „Ich kam mit den Besitzern ins Gespräch und so war ein Knollentausch schnell vereinbart“, erzählt die Blumenfreundin.

In den Anfängerjahren tauschte sie emsig Dahliensorten aus. So dauerte es nicht lange, bis in ihrem heimischen Garten ein Farbenrausch entstand, der nicht nur Familie und Nachbarn begeisterte, sondern auch Fremde, die am Garten in Troibach vorbei fuhren.

Wer ihre Dahlien lobte, bekam einen Strauß

Weil die Dahlien viele Jahre direkt am Gartenzaun ihre Köpfe hin zur Straße streckten, hielten so manche Auto- und Radlfahrer an, um die Blumen zu bestaunen. „Wer meine Dahlien lobte, erhielt vor mir einen Strauß“, verrät die 79-Jährige, die sich letztes Jahr aus gesundheitlichen Gründen von vielen ihrer Blumenlieblinge trennen musste. Das ist ihr schwer gefallen.

„In meinen besten Jahren hatte ich über 50 Sorten“

„In meinen besten Jahren standen über 50 Sorten in unserem Garten. Alle konnte ich nicht weggeben, da wäre ich gestorben“, gibt sie zu. Im Vorgarten schuf sich die Seniorin jetzt eine kleine Dahlieninsel. Diese hat sie von ihrem Küchenfenster aus immer im Blick.

Und was Anneliese noch glücklich macht: Der Blumenschmuck zum Erntedank-Fest in der Aschauer Pfarrkirche stammt zum Teil aus ihrer bunten Dahlienoase.

Interview: Wie können Dahlien so alt werden?

Aschau – Was macht Dahlien so schön und wie können sie so alt werden? Gärtner Martin Schechtl von der Klostergärtnerei in Gars weiß die richtigen Antworten.

Herr Schechtl, sind über 50 oder 60 Jahre alte Dahlien etwas Besonderes?

Martin Schechtl: Das ist durchaus eine Rarität. Sicher handelt es sich dabei um robuste Sorten, die aber gut gepflegt werden müssen. Da geht es zuerst um die Schnecken, deren liebstes Futter Dahlien sind. Hier muss der Gartenbesitzer immer auf der Hut sein. Dann gehören die Blumen vor Sturm und Hagel geschützt und im Winter gut verstaut. Ich habe selber eine Dahlie, die über 50 Jahre alt ist und von meiner Mutter stammt. Diese Sorte heißt „blauer Diamant“.

Gärtner Martin Schechtl.

Warum werden Dahlien mancherorts als Georginen bezeichnet?

Schechtl: Dazu gibt es zwei Erklärungen: Einmal heißt es, Dahlien sollen um den Georgitag gesetzt werden. Andere meinen wieder, der Name Georginen stamme von einem besonders verdienten Dahlienzüchter. Jedenfalls dürfen die Knollen erst nach den Eisheiligen gesetzt werden. Beim Ausgraben im Herbst ist es ratsam, nicht die komplette Erde abzuschütteln. Das Winterquartier soll kühl und trocken sein.

Was gefällt Ihnen an Dahlien?

Schechtl:Sie sind blühfreudige Blumen, die uns von Juni bis in den Herbst hinein erfreuen. Die einfach blühenden Sorten eignen sich besonders als Bienenweiden. Auch Hummeln und andere Insekten umschwärmen gerne diese Sorten. huc

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