Von der Coronakrise getroffen

Schwierigkeiten für zwei Buchbacher Rallyefahrer in Afrika: Hoffnung auf Rückkehr nach Hause

Angekommen in Nordafrika:Stephan Bauer (links) und Stefan Schöberl vor der Kashba di Boulaouane, südlich von Casablanca, in Marokko. Das Übersetzen war gefährdet, denn auch die Behörden in Nordafrika scheuen das Virus.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Bei der „Dresden - Dakar - Banjul- Challenge“ gibt es Probleme bei der Einreise nach Marokko. Mit dieser bizarren Situation sind Stephan Bauer und Stefan Schöberl in Norafrika konfrontiert.

Update 19. März

Rallye ist abgebrochen: Teilnehmer hoffen auf Rückkehr aus Marokko

Der Veranstalter der „Dresden - Dakar - Banjul-Challenge“ hat auf seiner Internetseite bekannt gegeben, dass die Rallye abgebrochen wurde. Die Deutsche Botschaft in Nouakchott/Mauretanien hatte den Veranstalter der Rallye und die Teilnehmer gebeten, dass sie in Marokko bleiben sollen und nicht die Grenze zu Mauretanien überschreiten sollen.

Hintergrund: Alle Länder, auch der Senegal, machen die Grenzen dicht, und aus Marokko kommen die Teilnehmer besser raus als aus Mauretanien, wo ab sofort alle Flugverbindungen gestrichen wurden. Selbst wenn es einzelne Teilnehmer noch über die Grenze nach Mauretanien schaffen sollten, würden sie dort im Niemandsland für 14 Tage in Quarantäne genommen, unklar, unter welchen Bedingungen.

Die Empfehlung, die auf der Internetseite des Rallye-Veranstalters abgedruckt wurde: Die Teilnehmer sollten in den Norden Marokkos zurückkehren. Von dort werde es vermutlich Evakuierungsflüge für gestrandete deutsche Urlauber geben, in Einzelfällen würde wohl auch die Fährverbindung nach Spanien wieder geöffnet werden.

Vom Veranstalter der Rallye heißt es: „Eigentlich wollten wir ab Mauretanien wieder berichten. Nun hat uns die Corona-Situation leider eingeholt.“ Alle Teams befänden sich mit ihren Fahrzeugen in Marokko auf dem Weg in die spanische Exklave Ceuta und weiter nach Spanien und damit Europa. „Alle sind gesund und es geht uns gut!“

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Buchbach/Marrakesch – „Corona, Corona“, skandieren die Passanten an der Straße, wenn die beiden Buchbacher Stephan Bauer, 29, und Stefan Schöberl, 30, durch die Gassen schlendern. Ihr europäisches Aussehen ist es, das in diesem Fall die Nordafrikaner zu dieser bizarren Assoziation hinreißen lässt. Die beiden Rallyefahrer, die für eine gute Sache im Rahmen der „Dresden - Dakar - Banjul- Challenge“ in Richtung Gambia unterwegs sind, befinden sich aktuell in Marokko. Und das Corona-Virus ist ihr ständiger Begleiter.

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Seit Samstag sind die beiden Buchbacher unterwegs, um ihren Ford Explorer am Ende ihrer Rallye im gambischen Banjul für eine caritative Sache zu versteigern.

Rallyefahrer mussten sich aufteilen

An den ersten Tagen quer durch Europa, lief noch alles nach Plan. Bauer schärmt von den zwei Runden auf dem Hockenheim-Ring („Wenn auch nur mit Tempo 60!“), sie übernachteten im französischen Mulhouse und haben ihren Wagen im verschneiten Andorra freischaufeln müssen. Doch vor der Überfahrt nach Afrika drohte ihr Vorhaben zu scheitern: Die Angst vor dem Corona-Virus hatte die Behörden hellhörig gemacht. Die Grenzen standen kurz davor, komplett dicht gemacht zu werden, berichtet Stephan Bauer. „Der ganze Tross wurde angehalten, es gab die Anweisungen, dass wir alle auf einer Fähre übersetzen sollten.“

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Die Weiterfahrt der verbliebenen 48 Teilnehmer – zwei waren laut Bauer schon vorher wegen Pannen ausgeschieden – stand zur Diskussion. Zu groß war die Angst, dass das Corona-Virus seinen Weg auch in diesen Teil Nordafrikas findet, wo die Zahl der Ansteckungen noch relativ gering ist, findet. Erste Fälle des Coronavirus‘ in Marokko, Senegal, Algerien und Nigeria hatten es in der Woche zuvor in die Schlagzeilen geschafft.

Unsicherheit an der Grenze. Am Ende aber durften die Abenteurer der „Dresden - Dakar - Banjul- Challenge“ über das Mittelmeer.

Erst einmal ist Marrakesch angesagt

„Wir wurden auf fünf Häfen aufgeteilt“, berichtet Bauer, der mit seinem Spezl Stefan Schöberl von Algeciras aus die spanische Enklave Ceuta auf dem afrikanischen Kontinent ansteuerte, um von dort aus den Weg weiter ins Landesinnere fortzusetzen. Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen die beiden Buchbacher in der sogenannten „blauen Stadt“, Chefchaoue, im Landesinneren. Der Hauptstadt Rabat statteten die Explorer-Fahrer ebenso einen Besuch ab, und auch Casblanca steht auf dem Routenplan, bevor die Buchbacher am Donnerstag die Metropole Marrakesch erreichten – mit dem ersten längeren Zwischenaufenthalt.

Sorge um die weiteren Grenzübertritte

Insgesamt sechs Tage wollen sie in Marrakesch bleiben, bevor es im Konvoi weitergeht in Richtung Westsahara, ein Niemandsland südlich von Marokko. Wenn es denn weitergeht. „Es ist nämlich fraglich, wie es dort an den Grenzübergängen aussieht. Kommen wir ins Land rein oder nicht?“, Bauer ist sich nicht sicher. Schaffen es die beiden 29- und 30-Jährigen Oberbayern jedoch in die Sahara, dann sind erst einmal eine knappe Woche lang weit weg von der Zivilisation, „und auch von Corona!“.

Rückflug ungewiss, er ist noch nicht gebucht

Und auch wenn es dann noch eine Weile dauert, bis die beiden Buchbacher ihr Ziel in Gambia Ende März erreichen: Die Sorge fährt mit, dass sie aufgrund des mittlerweile pandemischen Ausmaßes von COVID-19 in Afrika festsitzen. „Wir haben noch keinen Flug gebucht“, verrät Bauer. Die Rückkehr war eigentlich für den 1. April geplant, ob das tatsächlich klappt, steht derzeit ebenso in den Sternen wie die Ungewissheit zur Ausbreitung des Corona-Virus.

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